Der achtsitzige Bürgerbus ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Mehrmals täglich verbindet er jene Ortsteile mit dem Zentrum, die der ÖPNV nicht erreicht. Mit einem großen Fest und einer Stadtrundfahrt im Oldtimerbus wird am 20. Juni sein 30-jähriges Bestehen gefeiert.
Bürger fahren für Bürger
Das Leben auf dem Land hat viele schöne Seiten. Ruhe, Natur, gute Luft - aber es gibt auch Schattenseiten. Eine davon ist mit Sicherheit die Anbindung an den ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr). In Halver gibt es zwar mit den Linien 134 und 84 gleich zwei Linien, die durch die Stadt fahren — aber eben auch nur durch die Stadt. Die Randbereiche und vor allem die Außenbezirke wie Anschlag oder Schwenke haben keinerlei öffentliche Anbindung.
Diesem Problem hat sich im August 1996 der damalige Bürgermeister Hans-Jürgen Kammenhuber angenommen und gemeinsam mit einigen Mitstreitern den Bürgerbusverein Halver gegründet. Zum ersten Vorsitzenden wurde damals Volker Diebschlag gewählt, zweiter Vorsitzender wurde Willi Knitter, Lutz Eicker leitete die Geschicke des Vereins als Geschäftsführer. Diese Position hat er bis heute inne. "Als Verbindungsperson zwischen der Stadt und dem Bürgerverein kann ich dafür sorgen, dass viele Entscheidungen auf kurzem Weg getroffen werden können", beschreibt er seinen Aufgabenbereich. "Aber es macht auch einfach Spaß. Wir sind da eine gute Truppe", macht er Menschen Mut, die sich auch für ein Ehrenamt als Bürgerbusfahrer interessieren.
Am Montag, dem 24. März 1997 fuhr der damalige zweite Vorsitzende, Willi Knitter, den ersten Bürgerbus durch Halver. Er war die gute Seele des Vereins, der nie in den Vordergrund wollte. Bis zu seinem Tod blieb er dem Bürgerbusverein als Fahrer und wichtige Stütze treu.
Unter dem Motto "Bürger fahren für Bürger" fuhr und fährt der Bürgerbus nunmehr seit 30 Jahren die Straßen ab, die abseits des ÖPNV liegen, sodass auch die Bewohner der Außenbezirke seither die Möglichkeit haben, ohne privaten Pkw die Innenstadt von Halver zu erreichen. Mit einem Bus, der acht Passagiere transportieren kann, wurden vom ersten Tag des Betriebes an rund 40 alternative Ein- und Aussteigemöglichkeiten für die Fahrgäste geboten.
19 Fahrer, drei Linien, ein Bus
Aktuell fahren 19 Ehrenamtler täglich die beiden Linien ab, die unter anderem den Oesterberg, die Straßen an der Herpine oder rund um die Mozartstraße bedienen. Eine dritte Linie, die aber nur montags und freitags fährt, verbindet die Außenbezirke Anschlag und Schwenke mit dem Stadtzentrum.
"Die Akzeptanz für den Bürgerbus ist nach wie vor hoch. Vor allem ältere Leute, die nicht mehr mobil sind, wissen das Angebot zu schätzen", weiß Klaus-Peter Viebahn, Vorsitzender des Bürgerbusvereins, der selbst seit zwölf Jahren für den Verein fährt. 2025, so berichtet er, sind 6500 Fahrgäste mitgefahren.
Mittlerweile kann der Bürgerbus-Verein auch Rollstuhlfahrern dieMitfahrt ermöglichen, denn im Januar 2025 wurde für 125.000 Euro ein neuer Niederflurbus angeschafft, mit dem das Ein- und Aussteigen machbar wurde. Eine teure aber wichtige Investition für den Verein, um der Aufgabe, die Mobilität der Halveraner Bevölkerung zu verbessern, gerecht zu werden. Zwar werden die Fahrzeuge zumindest zum Teil vom Land bezuschusst, aber viele Kosten müssen durch den Fahrpreis oder Spenden gedeckt werden. "Bisher hat das gut funktioniert", ist Klaus-Peter Viebahn stolz. "Die Stadt wurde von uns noch nie belastet."
Der Bürgerbus als Kontaktbörse
Somit können die vielen Stammgäste, die den Bürgerbus seit Jahren nutzen, darauf vertrauen, dass "ihr Bus" noch lange fahren wird. Denn neben der Tatsache, dass er auch Stadtgebiete anfährt, die vom ÖPNV nicht angefahren werden, bietet er weitere Vorteile für die Fahrgäste: "Bei Bedarf stoppen wir auch mal abseits der eigentlichen Haltestelle, vor allem wenn wir wissen, dass der Fahrgast nicht gut zu Fuß ist und er viel zu tragen hat", sagt Viebahn. "Natürlich verlassen wir die Fahrstrecke nicht, aber wenn wir an der Haustür eines Gastes vorbeikommen, lassen wir ihn dann auch da hinaus."
Die Fahrer wissen inzwischen aber nicht nur, wo ihre Fahrgäste wohnen, sie kennen häufig auch ihr Ziel in der Stadt. "Viele fahren mit uns morgens in die Stadt rein, treffen dort Freunde, trinken gemeinsam einen Kaffee und fahren zwei Stunden später wieder mit uns nach Hause", kennt Viebahn die Rituale. Eine Möglichkeit, soziale Kontakte zu erhalten, die den Fahrgästen nur durch den Bürgerbus geboten werden.
Und die Gespräche beginnen nicht erst beim Kaffee — schon im Bürgerbus wird "über Gott und die Welt" geredet. "Die Stimmung im Bus ist immer gut", sagen die Fahrer unisono. "Man kennt sich ja und unterhält sich. Und wenn ein Fahrgast Geburtstag hat, gibt es auch schon mal ein Ständchen. Wir werden also zum singenden Bürgerbus. Außerdem wusste noch nie soviel darüber, was in der Stadt los ist, wie seit dem Zeitpunkt, seitdem ich Bürgerbus fahre", bestätigt Viebahn.
Große Feier zum Jubiläum
Der 30. Geburtstag des großen Erfolgskonzepts "Bürgerbus in Halver" wird am Samstag, 20. Juni, ausgiebig gefeiert. Zum Fest werden auch Landrat Ralf Schwarzkopf und Bürgermeister Armin Kibbert als Ehrengäste im Bürgerzentrum an der Mühlenstraße erwartet.
Von 11 bis 16 Uhr treffen sich Freunde, Förderer und Interessierte um per Video eine Zeitreise durch die letzten drei Jahrzehnte des Vereins zu erleben und bei Würstchen, Kaffee und Kuchen die eine oder andere Anekdote auszutauschen.
Kinder dürfen sich auf einen besonders spannenden Moment freuen, wenn die schönsten und kreativsten Bilder des Bürgerbus-Malwettbewerbes prämiert werden. Schon vor Wochen hatte der Bürgerbusverein Schulen und Kindergärten kontaktiert, mit der Bitte, die Kinder entsprechende Motive malen zu lassen und die Werke einzureichen. Der Einsendeschluss dafür wurde vom Bürgerbusverein extra noch bis Montag, 15. Juni, verlängert.
Rundfahrten mit dem Oldtimerbus
Als Höhepunkt der Feier besteht ab 12.30 Uhr die Möglichkeit, im Halbstundentakt, mit einem Oldtimerbus Rundfahrten durch Halver zu machen. Gestoppt wird am Aussichtsturm an der Karlshöhe, der von den Fahrgästen an diesem Tag auch bestiegen werden kann. Beeilen muss man sich dabei nicht, denn nach einem gemütlichen Auf- und Abstieg kann man dann mit dem nächsten Bus wieder zum Bürgerzentrum zurückfahren.








