Schubkarren werden beladen, Hacken schlagen im Takt auf den steinigen Boden, Spaten wandern von Hand zu Hand. Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Baustelle wirkt, ist in Wirklichkeit ein Projekt für den Artenschutz. Am Anne-Frank-Gymnasium entstand im Rahmen der Projektwoche von Montag, 13. Juli, bis Mittwoch, 15. Juli, ein Sandarium – ein spezieller Lebensraum für bodennistende Wildbienen und andere Tiere. Der Rotary Club Meinerzhagen förderte das Projekt. Am Mittwoch machten sich Vertreter des Clubs vor Ort ein Bild vom fertiggestellten Sandarium.

Viele Wildbienen nisten nicht in klassischen Insektenhotels, sondern graben ihre Brutröhren in offene, sandige Böden. Solche Flächen sind in der heutigen Kulturlandschaft selten geworden. Das Sandarium soll deshalb künftig einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt leisten und gleichzeitig als Lernort für die Schüler dienen.

Teamarbeit statt Einzelarbeit

Die körperliche Arbeit hatte es allerdings in sich. Der Boden erwies sich als außergewöhnlich steinig und die Schüler mussten ihn stellenweise bis zu einem halben Meter tief ausheben. Die Schüler transportierten Erde mit Schubkarren ab, sortierten Steine und verwendeten sie später weiter. Gerade diese Herausforderungen hätten die Gruppe zusammengeschweißt, berichtet Lehrerin Uta Hentschel, die das Projekt begleitet.

Strategien für schwierige Situationen

„Die haben sich Strategien überlegt, wie sie an schwierige Situationen rangehen“, erzählt sie. So hätten die Schüler eigenständig Arbeitsabläufe entwickelt. Beim Lösen der schweren Steine arbeiteten sie im Team, beim Hacken sorgte ein gemeinsamer Rhythmus dafür, dass niemand mit den Werkzeugen in die Quere kam. „Ich habe nur die Regeln vorgegeben. Sie sollten sich nicht gegenseitig umbringen“, sagt Hentschel mit einem Schmunzeln.

Funktionierendes Team

Bemerkenswert sei vor allem die Zusammensetzung der Gruppe gewesen. Schüler der Klassen fünf bis neun arbeiteten gemeinsam an dem Projekt. Obwohl viele sich zuvor kaum kannten, entwickelte sich aus der zufällig zusammengestellten Gruppe innerhalb weniger Tage ein funktionierendes Team. Viele der Jugendlichen sammelten dabei ganz neue Erfahrungen – manche arbeiteten zum ersten Mal mit Spaten, Hacke oder Schubkarre, andere bauten erstmals mit einem Akkuschrauber ein Tor zusammen.

Rotary Club und Bauhof fördern nachhaltiges Schulprojekt

Dass das Projekt umgesetzt werden konnte, ist der Unterstützung des Rotary Clubs Meinerzhagen zu verdanken. Der Förderverein stellte für das Sandarium 2000 Euro bereit. Das Vorhaben ist Teil eines größeren Nachhaltigkeitsprojekts, mit dem mehrere Schulen in der Region gefördert werden.

„Das Thema Umwelt und Klima ist ja allen präsent“, sagt Christoph Gebauer, Vorsitzender des Fördervereins des Rotary Clubs. Ziel sei es, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, wie sie selbst einen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz leisten können. „Wir sind froh, dass die Lehrer alle mitmachen. Ohne Lehrer geht es gar nicht.“ Neben dem Anne-Frank-Gymnasium unterstützt der Club auch weitere Schulen in der Region bei ähnlichen Projekten. Für alle Projekte standen zusammen 5000 Euro bereit.

Bei der Umsetzung erhielt die Schule außerdem Unterstützung vom städtischen Bauhof. Die Mitarbeiter lieferten unter anderem den benötigten Sand und transportierten die beim Aushub anfallenden Steine.

Uta Hentschel bedankte sich dafür ausdrücklich: „Die haben uns den Sand hier hingefahren, die Steine transportiert und bei ganz vielen Sachen wirklich geholfen.“ Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung sei diese Unterstützung eine große Erleichterung gewesen. Nun gehe es darum, die neu angelegten Flächen dauerhaft zu pflegen und weiterzuentwickeln.

Mehr als ein Sandarium

Das Sandarium ist nur ein Baustein einer umfassenden naturnahen Umgestaltung des Schulgeländes. Bereits zuvor entstanden Blühflächen, Benjeshecken und Insektenhotels. Aus den beim Aushub übrig gebliebenen Steinen entwickelte sich sogar spontan ein weiteres Projekt: Ein Steinhaufen dient künftig Eidechsen als Unterschlupf. Daneben soll ein Beet mit heimischen Wildkräutern entstehen.

Auch bestehende Bereiche werden stetig weiterentwickelt. Die Schule wählte viele Pflanzen bewusst aus, damit sie Wildbienen und anderen Insekten Nahrung bieten. Andere speichern Regenwasser in ihren Blättern und schaffen so zusätzliche Trinkmöglichkeiten. Für Uta Hentschel ist dabei wichtig, gewohnte Vorstellungen von Ordnung zu hinterfragen.

„Das größte Chaos, das man da lässt, ist das Beste für die Tiere“, erklärt sie. Kurz gemähte Rasenflächen seien aus ökologischer Sicht oft deutlich weniger wertvoll als naturnah gestaltete Bereiche.

Grünes Klassenzimmer mit Zukunft

Ein weiteres Projekt wächst bereits sichtbar heran: Eine Weidenlaube soll künftig Schatten spenden und als Aufenthaltsort für Schüler dienen. Langfristig könnte dort sogar ein grünes Klassenzimmer entstehen. Besonders für den Biologieunterricht eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten.

„Wir haben jetzt ganz viele unterschiedliche Biotope hier. Da kann man schauen: Was lebt wo? Wie groß ist die Artenvielfalt? Was brauchen die Tiere eigentlich?“, sagt Hentschel.

Mit jedem neu geschaffenen Lebensraum wächst damit nicht nur die biologische Vielfalt auf dem Schulgelände. Auch die Schüler erleben ganz praktisch, wie sie ihre Umwelt selbst gestalten können – und dass gemeinsames Anpacken oft weit mehr bewirkt als jeder Unterricht im Klassenraum.