Hagen/Iserlohn. Im Zuge ihres 250-jährigen Bestehens stellt sich die Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen auch den dunklen Kapiteln ihrer Geschichte. Die Einrichtung hat einen öffentlichen Meldeaufruf gestartet, um möglichen Fällen sexualisierter Gewalt in der Vergangenheit nachzugehen und diese aufzuarbeiten.

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Jubiläum als Anlass zur Aufarbeitung

Seit zweieinhalb Jahrhunderten begleitet die Evangelische Jugendhilfe Kinder und Jugendliche in der Region. Das Jubiläum sei jedoch nicht nur Anlass zur Würdigung der geleisteten Arbeit, sondern auch zur kritischen Auseinandersetzung mit möglichen Verfehlungen in der Vergangenheit: „Wir müssen davon ausgehen, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auch in der Verantwortung und Obhut der Evangelischen Jugendhilfe Iserlohn-Hagen sexualisierte Gewalt erfahren haben“, lässt die Einrichtung am Freitag, 17. April, mitteilen.

„Dieses widerfahrene Leid können wir weder entschuldigen noch wiedergutmachen. Es ist uns daher sehr wichtig, dass dieser Teil unserer Geschichte nicht im Verborgenen bleibt“, betont Vanessa Simon, Geschäftsführerin der Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen. „Wir möchten den Betroffenen Raum geben — sie zu hören, uns mit ihrer Geschichte beziehungsweise dem Erlebten auseinandersetzen und ihnen Unterstützung anbieten.“

Konkrete Hinweise aus verschiedenen Jahrzehnten

Aktuell prüft die Einrichtung einen konkreten Verdachtsfall aus Hagen. Dabei geht es um mutmaßliche sexualisierte Gewalt gegen eine minderjährige Person in einer Außenwohngruppe in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren. Weitere Betroffene können nach Angaben der Jugendhilfe nicht ausgeschlossen werden.

Darüber hinaus liegen Hinweise auf ein Verfahren aus den 1960er-Jahren vor. Damals soll die Evangelische Kirchengemeinde Iserlohn Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter wegen entsprechender Verdachtsmomente eingeleitet haben. Die Erkenntnisse stammen aus aktuellen Recherchen, die im Rahmen der Erstellung einer Jubiläumschronik durchgeführt wurden. „Es liegen jedoch keinerlei Informationen zum Verlauf und Ergebnis des Verfahrens vor. Ebenso liegen keine Meldungen von Betroffenen vor. Es lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend feststellen, ob es eine oder gar mehrere betroffene Personen gibt“, so die Jugendhilfe.

Aufruf an Betroffene und Zeitzeugen

Vor diesem Hintergrund ruft die Evangelische Jugendhilfe Betroffene sowie mögliche Zeuginnen und Zeugen auf, sich zu melden. Dies gelte sowohl für die bekannten Fälle als auch für bislang nicht dokumentierte Ereignisse. Auch lange zurückliegende Erfahrungen könnten zur Aufklärung beitragen.

Unterstützt wird der Aufruf von mehreren Kirchenkreisen der Region, darunter der Diakonie Mark-Ruhr sowie die Kirchenkreise Hagen, Iserlohn, Hattingen-Witten und Schwelm. Viele Einrichtungen der Jugendhilfe sind im Laufe der Geschichte aus kirchlicher Trägerschaft hervorgegangen.

Unabhängige Anlaufstelle eingerichtet

Für Hinweise wurde eine externe, unabhängige Ansprechstelle eingerichtet. Dort können sich Betroffene vertraulich melden und beraten lassen. Auf Wunsch wird auch weitere Unterstützung vermittelt.

Die Kontaktdaten der unabhängige Ansprechstelle „Aufruf EJH“:

Telefon: 0163/4872307

E-Mail: [email protected]

Sprechzeiten:

• Montag, 10 – 12 Uhr

• Mittwoch, 14 – 16 Uhr

Außerhalb der Sprechzeiten besteht die Möglichkeit, eine Nachricht auf der Mailbox zu hinterlassen.

Weitere Informationen zum Meldeaufruf und zur Aufarbeitung stellt die Evangelische Jugendhilfe online bereit.