Mit der offiziellen Eröffnung des Kreativ.Quartier.Wippermann hat die Stadt Halver am Freitag, 29. Mai, ein Projekt gefeiert, das über Jahre hinweg entwickelt wurde und weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung findet. Auf dem ehemaligen Wippermann-Gelände entsteht ein Ort für Arbeiten, Lernen, Kultur, Begegnung und künftig auch Wohnen. Ein Quartier, das die Innenstadt stärken und neue Perspektiven für die Region eröffnen soll.

Bereits am Mittag zog das Areal zahlreiche Fachleute aus Stadtplanung, Architektur und Regionalentwicklung an. Im Rahmen einer Exkursion der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) besichtigten die Teilnehmer unter Leitung von Prof. Dr. Ursula Stein das Quartier. Zu den Gästen zählten unter anderem Michael von der Mühlen, Stadtdirektor der Stadt Gelsenkirchen und stellvertretender Vorsitzender von StadtBauKultur NRW.

Im Denkhof kamen die Teilnehmer mit Dr. Stephanie Arens, Leiterin der Regionale 2025, ins Gespräch. In ihrer Ansprache hob sie die Innovationskraft und die regionale Strahlwirkung solcher Projekte hervor. Orte wie das Kreativ.Quartier.Wippermann seien wichtige Impulsgeber für die Entwicklung von Städten und Regionen und könnten dazu beitragen, neue wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Dynamiken auszulösen. Gemeinsam mit Matthias Clever, Geschäftsführer der EW Halver GmbH, diskutierten die Besucher die Entwicklung des ehemaligen Fabrikareals und dessen Bedeutung für die Zukunft von Innenstädten und ländlichen Räumen.

Im Rahmen einer Exkursion der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) besichtigten die Teilnehmer unter Leitung von Prof. Dr. Ursula Stein das Quartier.
Foto: Hösterey

"Herzensprojekt der Stadt"

Am Nachmittag eröffnete Bürgermeister Armin Kibbert die Veranstaltung offiziell. In seiner Rede blickte er zunächst auf die Geschichte des Wippermann-Geländes zurück und erinnerte an die industrielle Prägung des Areals. Das Kreativ.Quartier.Wippermann bezeichnete er als „Herzensprojekt der Stadt“, das zeige, wie nachhaltige Stadtentwicklung gelingen könne. Zugleich unterstrich er die Bedeutung des Projekts für die Zukunft Halvers. Kibbert dankte Yvonne Behnke und ihrem Vorgänger Thomas Gering.

Als ehemaliger Regionale-Beauftragter der Stadt Halver nutzte Gehring die Gelegenheit für einige persönliche Worte. Er erinnerte an die lange Entwicklungsgeschichte des Projekts und betonte die Bedeutung der Umgestaltung für die Attraktivität der Stadt. Das Quartier sei ein Beispiel dafür, wie aus einem ehemaligen Industriestandort ein lebendiger Zukunftsort entstehen könne.

Herzstück des Quartiers ist der Denkhof. Auf mehr als 1000 Quadratmetern entstanden moderne Arbeits-, Lern- und Veranstaltungsflächen. Das ehemalige Verwaltungsgebäude wurde umfassend umgebaut und bildet heute den Mittelpunkt eines Areals, das Wirtschaft, Bildung und Kultur miteinander verknüpft.

Zukunftsperspektive statt Abriss

„Für uns ist der Denkhof mehr als ein Gebäude. Er ist ein Ort, an dem Ideen wachsen, Kooperationen entstehen und wir als Stadt unsere Attraktivität für Unternehmen, Kreative und junge Menschen steigern“, betonte Matthias Clever im Gespräch mit LokalDirekt. Er erinnerte daran, dass der heutigen Eröffnung ein langer Entwicklungsprozess vorausging. Gemeinsam mit Dr. Sabine Wallmann stellte er Ende 2017 die nun umgesetzte alternative Zukunftsperspektive für das Wippermann-Gelände Politik und Verwaltung vor. Ziel war es damals, den drohenden Abriss des Werkhofs zugunsten eines Lebensmitteldiscounters zu verhindern und stattdessen eine nachhaltige Entwicklung des Areals anzustoßen.

"Gemeinsam das Ziel erreicht"

2020 gelang es, die Verhandlungen mit dem damaligen Eigentümer abzuschließen. Die Stadt Halver konnte das Gelände erwerben. Eine Testphase für Coworking-Angebote zeigte, dass neue Arbeitsformen auch in Halver auf großes Interesse stoßen. Nach dem Amtsantritt von Simon Thienel als Kämmerer und Erstem Beigeordneten erhielt das Projekt zusätzliche Dynamik. Die Stadt suchte gezielt einen Investor für den Denkhof. Die EW Halver GmbH gewann die Ausschreibung und übernahm im Mai 2024 den Gebäudeteil. Im Dezember 2024 begannen die Arbeiten am Platz – unter der Federführung von Bauamtsleiter Michael Schmidt.

Heute, zwei Jahre später, sind die Arbeiten im Kreativbereich weitgehend abgeschlossen. Neben dem Denkhof gehören der neugestaltete Quartiersplatz sowie TUMO dazu. Matthias Clever lobte im Gespräch die sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Halver und Projektpartnern wie TUMO. „Gemeinsam haben wir Hürden genommen, Lösungen gefunden, kreative Wege genommen und haben jetzt gemeinsam das Ziel erreicht“, sagte er.

StageHalle bietet Platz für Kultur und Feste

Die Transformation des Areals geht weiter. Vor dem Gebäude wird neues Pflaster verlegt und die ehemalige StageHalle umfassend modernisiert. Die Bauarbeiten in der StageHalle sollen bereits im Juni abgeschlossen werden. Erste Veranstaltungen sind dort schon terminiert, weitere folgen. Gleichzeitig soll auch der neugestaltete Platz zwischen Denk- und Werkhof künftig regelmäßig mit Leben gefüllt werden. Bürgermeister Kibbert kündigte an, dass dort verschiedene Veranstaltungsformate stattfinden sollen – von kulturellen Angeboten bis hin zu Hoffesten.

Nähcafé "Espressofaden" zieht ein

Dabei hatte Kibbert auch eine weitere positive Nachricht im Gepäck: Mit dem Café „Espressofaden“ soll künftig ein gastronomisches Angebot in den Werkhof einziehen. Die dafür notwendigen LEADER-Fördermittel seien inzwischen bewilligt worden. Entstehen soll ein Nähcafé – ein Ort der Begegnung und des Austausches.

Parallel arbeitet die Stadt am letzten großen Entwicklungsschritt des Areals. Simon Thienel treibt derzeit erfolgreich die Bebauung für Wohnen und ein Boardinghaus im südlichen Bereich sowie die Anbindung an den Kulturbahnhof voran. Damit soll das Quartier künftig noch stärker mit der Innenstadt vernetzt werden.