Mit einer spannenden Frage begeisterte der Autor Christian Seltmann die Sechstklässler bei seiner interaktiven Lesung aus „Der Lehrerinnendrucker“: Darf man Menschen künstlich erschaffen? Gemeinsam mit dem Schriftsteller stellten sich die Sechstklässler des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG) den Fragen nach Verantwortung und den Folgen dieser Idee.

Eine spannende Geschichte um eine wichtige Frage

"Darf man Menschen künstlich erschaffen?" Um diese Frage drehte sich die interaktive Lesung, die der ehemalige AFG-Schüler und heutige Schriftsteller Christian Seltmann den Schülern der drei sechsten Klassen stellte.

In seinem neuesten Buch "Der Lehrerinnendrucker" geht es um genau diese Frage. Die Protagonisten Max und Karl ärgern sich, dass ihre Klassenlehrerin wegen ihres Mutterschaftsurlaubs fehlt, und sie deshalb immerzu mit Vertretungslehrern zurechtkommen müssen. Da lernen sie nichts und werden wie kleine Kinder behandelt, beschweren sie sich.

Warum also nicht die Maschinen nutzen, die Karls Vater erfunden hat? Ein Drucker, der Biomasse - also auch Menschen - drucken kann. Christian Seltmann liest aber nicht stoisch aus seinem Buch vor, sondern er nimmt die Schüler mit auf seine Gedankenreise. Einige Minuten lang lässt er sie beraten, wie denn die perfekte Klassenlehrerin sein sollte. Um Antworten waren die Jungen und Mädchen dann auch nicht verlegen.

Wie soll die perfekte Lehrerin sein?

Sie wünschen sich unter anderem eine humorvolle, liebe, nette, verständnisvolle und loyale Lehrerin. Eine Diskussion, die, wie die Schüler in der Lesung dann erfahren, auch von Max und Karl mit ihren Mitschülern geführt wird. Heraus kam eine Wunschliste, die die beiden Freunde in den Computer von Karls Vater eingaben. Mit kiloweise Gummibärchen als Grundmasse erschuf die Maschine dann ihre Wunschlehrerin.

Aber war sie wirklich perfekt? Jedenfalls sah sie sehr gut aus, oder doch zu gut? Das fragten sich Max und Karl schon beim ersten Lächeln von Sofia Brenner. Mit diesem Namen stellte sich die von ihnen erschaffene Lehrerin vor. "Ist das wirklich die Lehrerin, die wir brauchen?" Diese Überlegung wurde umso dringender, als sich herausstellte, dass all die "nett", "lieb" und "nicht so streng" Faktoren zur Folge hatten, dass es in der Klasse nur noch drunter und drüber ging und die Freunde sich die Frage stellten, ob sie nicht vielleicht einen Fehler gemacht hatten.

Christian Seltmann liest im AFG aus seinem Buch "Der Lehrerinnendrucker"
Foto: Gerdel

Darf man das?

Diese Situation ergab eine neue Frage für die Zuhörer. "Stellt Euch vor, das würde gehen. Biomasse in eine Maschine geben und Menschen erschaffen. Dürfte man das?", wollte Seltmann von den Schülern wissen. Die Abstimmung ergab, dass die überwiegende Mehrheit nein sagte. Der Autor wollte es aber genauer wissen, und schob ein "Warum denn nicht", der Ausgangsfrage hinterher.

Von den Antworten der Schüler war er begeistert, denn sie zeigten, dass sie sich viele Gedanken zum Gehörten gemacht haben. "Menschen aus einer Maschine wüssten ja nicht, woher sie kommen. Wer ist ihre Familie, was ist ihre Geschichte", sagten sie. Einer der Sechstklässler machte sich auch Sorgen, dass eine solche Maschine genutzt werden könnte, um Klon-Krieger herzustellen.

Aber auch die wenigen, die für die Nutzung einer solchen Maschine gestimmt hatten, konnten Gründe vorbringen. "Wenn es sowas gäbe, würden es einige Menschen auch illegal machen", waren sie sich sicher. "Dann wäre es besser, alles zu regeln und sich positiv damit auseinanderzusetzen", waren ihre Argumente.

Max und Karl, so wurde die Geschichte fortgesetzt, haben sich als Lösung für ihr "Die-Lehrerin-ist-zu-nett-Problem" überlegt, sie einfach umzuprogrammieren. Aber schnell stellte sich heraus, dass sie nun genau das umgekehrte Problem erschaffen hatten. Sofia Brenner ist zu einer herrischen und bösen Person mutiert. Das haben die Freunde mit Sicherheit so nicht gewollt. Wie die Geschichte zu Ende geht, hat Christian Seltmann natürlich nicht verraten.

Dafür bot er den Schülern die Gelegenheit, noch Fragen an ihn zu stellen. Sofort wollten sie wissen, wie er selbst zur Frage von künstlich erstellten Menschen steht. "Im Prinzip bin ich dagegen", antwortete er spontan. "Aber euer Argument war schlagend. Sollte so eine Maschine wirklich mal erfunden werden, dann müssen wir uns alle gemeinsam - auch Schüler in eurem Alter - Gedanken über die richtige Nutzung machen."

Nach dem großen Schlussapplaus dankte er den Schülern für konzentriertes Zuhören und ihre vielen wichtigen Fragen und Ideen.  

Der Autor:

  • Christian Seltmann ist 57 Jahre alt.
  • 1987 hat er sein Abitur am AFG gemacht und war dort auch Schülersprecher.
  • Er macht viele Lesungen in Schulen, Büchereien und auf Festivals.
  • Seltmann schreibt hauptsächlich Kinderbücher für Drei- bis Zwölfjährige. Bisher sind rund 40 Bücher von ihm erschienen.
  • Er lässt sich dabei von seinen eigenen Kindern inspirieren.
  • In seinem Buch "Der Lehrerinnendrucker" sind alle Personen aus seinem Leben gegriffen. Sie wurden mit ihren echten Namen genannt.
  • Der Autor unterstützt Leseförderung an Grundschulen.
  • Aktuell schreibt er an einem Kinderkrimi, der in den Ruinen von Berlin-Charlottenburg im Sommer 1945 spielt.