Eine Versammlung folgte am Montag, 19. Oktober, im Anglerheim Strücken auf die nächste. Auf der Agenda der UWG standen dabei Rückblick, Ausblick, eine neue Satzung und Wahlen. Der alte und neue Vorsitzende heißt Roman Bossart. Zum zweiten Vorsitzenden wurde Benjamin Rottmann gewählt.
"Du hast der UWG deinen Stempel aufgedrückt"
Die Jahreshauptversammlung begann mit einer Überraschung: Die UWG ehrte ihren langjährigen ehemaligen Ratsherrn Manfred Trimpop für sein Engagement. Vorsitzender Roman Bossart würdigte ihn als prägendes Mitglied der Wählergemeinschaft: "Du hast der UWG deinen Stempel aufgedrückt." Trimpop habe mit seiner Individualität, seinen Ideen und seiner Diskussionsfreude immer wieder neue Impulse gesetzt.
Dabei habe er auch immer Veränderungen angestoßen und sich über die Ratsarbeit hinaus in zahlreichen Bereichen ehrenamtlich engagiert. Bossart hob dabei ausdrücklich hervor, dass Trimpop mit seinen Positionen durchaus auch für kontroverse Diskussionen gesorgt habe.
Rückblick auf Wahlkampf und Kommunalwahl
In seinem anschließenden Rückblick ließ Bossart vor allem die vergangenen beiden Jahre Revue passieren, die nach seinen Worten maßgeblich vom Kommunalwahlkampf geprägt gewesen seien. Die UWG habe dabei auf einen individuellen Wahlkampf gesetzt, der ihrem Selbstverständnis als unabhängige Bürgerbewegung entspreche.
Trotz des Verlustes von zwei Ratsmandaten zog der Vorsitzende eine positive Bilanz. Mit gut 45 Prozent der Stimmen sei die UWG weiterhin die stärkste Fraktion im Gemeinderat, in einzelnen Wahlbezirken hätten Kandidaten sogar Ergebnisse von mehr als 50 Prozent erzielt. Den Mandatsverlust ordnete Bossart auch vor dem Hintergrund der veränderten politischen Zusammensetzung des Rates ein, in dem mit den Grünen nun eine fünfte Kraft vertreten sei.
"Alles ist gut, so wie es gekommen ist"
Auch auf seine eigene Kandidatur blickte Bossart zurück. Zwar habe es in der Stichwahl letztlich nicht zum Sieg gereicht, rückblickend sei er mit dem Ausgang jedoch zufrieden. Ausdrücklich lobte er die Arbeit von Bürgermeister Christian Breddermann, dessen Engagement und hohe Präsenz er anerkenne: "Alles ist gut, so wie es gekommen ist", erklärte Bossart.
Für die kommende Zeit kündigte der Vorsitzende an, die Arbeit der UWG mit neuen Impulsen umsetzen zu wollen. Die Stärke der Wählergemeinschaft liege insbesondere im ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder, etwa im Bürgerbusverein, sowie im direkten Kontakt zu den Menschen. Im Gemeinderat wolle die UWG weiterhin eigene Ideen und Anträge einbringen.
"Haushaltsrücklage schmilzt wie Schnee in der Sonne"
Fraktionsvorsitzender Klaus Nelius richtete den Blick auf die kommunalpolitischen Herausforderungen. Im Mittelpunkt stehe dabei zunehmend die angespannte Finanzlage: "Die Haushaltsrücklage schmilzt wie Schnee in der Sonne" mahnte er. Die Gemeinde müsse künftig genauer prüfen, welche Investitionen notwendig und finanzierbar seien. Ziel der UWG sei es, Bewährtes und Sinnvolles zu erhalten, gleichzeitig aber auch die Kosten im Blick zu behalten.
Als Beispiele nannte er die Planungen für das neue Feuerwehrgerätehaus an der Spormecke, dessen Kosten von ursprünglich sechs auf rund neun Millionen Euro gestiegen seien, sowie die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen. Auch die künftige Finanzierung der Musikschule und die digitale Ausstattung der Schulen beschäftigten die Fraktion.
Neben den großen Investitionen hob Nelius das Engagement einzelner UWG-Mitglieder hervor, die sich auch abseits der Ratsarbeit für örtliche Projekte und Anliegen einsetzten. Zugleich verwies er auf weiterhin offene Themen, darunter die Entwicklung von Gewerbeflächen und die Zukunft der ehemaligen Grundschule Klagebach und der alten Realschule.
Angesichts der finanziellen Situation werde sich die Kommunalpolitik verstärkt mit möglichen Einsparungen und Einnahmeverbesserungen beschäftigen müssen. Dabei gehe es darum, die Handlungsfähigkeit der Gemeinde langfristig zu sichern.
Neue Satzung nach fast 58 Jahren
Im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung, die sich nahtlos an die Jahreshauptversammlung anschloss, stand die Neufassung der Satzung. Die bisherige Fassung stammte vom 19. Dezember 1968 und war zwischenzeitlich geringfügig angepasst worden. Erarbeitet wurde die neue Satzung von André Trimpop und Benjamin Rottmann. Letzterer stellte die Satzung den Mitgliedern vor.
Mit der Neufassung will sich die Wählergemeinschaft organisatorisch zeitgemäßer aufstellen und zugleich besser gegen eine mögliche Einflussnahme von außen schützen. Eine wesentliche Neuerung ist die Einführung einer geregelten Mitgliedschaft. Bislang gab es dafür keine verbindlichen Aufnahmeverfahren. Künftig legt die Satzung unter anderem fest, wer Mitglied werden kann und unter welchen Voraussetzungen ein Ausschluss möglich ist.
Auch die Vorstandsstruktur wird verändert. Der künftig kleinere Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden, einer Stellvertretung, der Schriftführung und der Kassenführung sowie bis zu drei weiteren Mitgliedern.
Darüber hinaus regelt die Satzung unter anderem Einladungsfristen, Stimmrechte und die Möglichkeit, Mitgliederversammlungen bei Bedarf auch online abzuhalten. Auch die Erhebung von Mitgliedsbeiträgen wird grundsätzlich ermöglicht, ist derzeit aber nicht vorgesehen.
Die neue Satzung wurde anschließend einstimmig von den Mitgliedern verabschiedet.
Bossart bleibt Vorsitzender
Bei den anschließenden Vorstandswahlen setzte sich der bisherige Vorsitzende mit 22 Stimmen gegen Birgit Quinkert durch, die sieben Stimmen erhielt. Zum neuen zweiten Vorsitzenden wählten die Mitglieder Benjamin Rottmann, der der UWG erst seit einem Jahr angehört. Olaf Gläser wurde als Kassierer bestätigt, Birgit Quinkert übernimmt zukünftig die Schriftführung. Als Beisitzer gehören Karin Brauckmann, Enid Lal und Jochen Potberg dem Vorstand an. Die bisherigen Amtsinhaber André Trimpop (zweiter Vorsitzender) und Karin Brauckmann (Schriftführerin) hatten nicht erneut für ihre Ämter kandidiert.











