Die Zahl der Menschen mit Demenz im Märkischen Kreis wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Nach aktuellen Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) in Kooperation mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln erhöht sich die Zahl der Betroffenen bei weiter steigender Lebenserwartung von derzeit rund 6900 auf etwa 8800 im Jahr 2060. Fast die Hälfte dieser Neuerkrankungen kann durch Prävention vermieden werden.
Damit wären im Vergleich zu heute mit 1,7 Prozent der Bevölkerung in 2060 etwa 3,5 Prozent der Bevölkerung an einer Demenz erkrankt. Grundlage der Berechnungen ist ein kleinräumiges Prognoseverfahren, das regionale Unterschiede sichtbar macht. „Die zunehmenden Demenzerkrankungen stellen nicht nur für die Betroffenen und deren Angehörige, sondern auch für die Gesellschaft sowie das Gesundheits- und Pflegesystem eine große Herausforderung dar. Da es bisher keine Heilung für Demenzen gibt, könnte eine gute Prävention jedoch die Effekte der Alterung der Gesellschaft auf die Häufigkeit von Demenzen kompensieren“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Dirk Schneider.
Demenz-Neuerkrankung mit Prävention verringern
Nach internationalen Studien tragen in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht soziale, lebensstilbedingte und gesundheitsbezogene Faktoren wie andere Erkrankungen zum Demenzrisiko bei. „Nach heutigem Stand der Wissenschaft kann eine Verbesserung vieler verschiedener, oft miteinander im Zusammenhang stehender Faktoren dazu beitragen, dass fast die Hälfte der Demenz-Neuerkrankungen vermieden werden kann“, sagt Schneider. Dazu gehört ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Bewegung und dem Verzicht auf Alkohol und Rauchen. Außerdem können eine gute Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Hörstörungen und die Vermeidung sozialer Isolation einer Demenzentwicklung wirkungsvoll vorbeugen. Dazu bietet die AOK NordWest ihren Versicherten unterschiedliche Angebote von individuellen Gesundheitskursen in Präsenz oder online, Chronikerprogrammen, Präventionsangeboten in Lebenswelten wie Schulen, Kitas, Betrieben oder speziellen Vorsorgeangeboten wie Gesundheits-Check-ups.
Weniger Personen im erwerbsfähigen Alter pro Demenzfall
Mit steigender Lebenserwartung zeigen die Prognosen im Märkischen Kreis nicht nur eine deutliche Zunahme der Demenzfälle, sondern auch einen Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Dementsprechend wird der steigenden Demenz-Fallzahl eine geringere Zahl an Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren gegenüberstehen, die die Versorgung gewährleisten können. Im Jahr 2020 lag das Verhältnis von Personen mit Demenz bei 2,8 je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter. Rechnerisch stand also einem Demenzfall eine Zahl von 36 Personen im erwerbsfähigen Alter für die Versorgung gegenüber. Diese Kennzahl wird bis zum Jahr 2060 auf einen Wert von 6,9 ansteigen, sodass auf einen Demenzfall nur noch 14 Personen im erwerbsfähigen Alter kommen werden. Es werden also deutlich mehr Demenzfälle von weniger Personen zu versorgen sein.
Innovative Wohnformen und Netzwerke
Ergänzend zur therapeutischen und pflegerischen Versorgung von Demenzerkrankten haben sich inzwischen in vielen Regionen verschiedene demenzsensible und demenzsensibilisierende Angebote herausgebildet. Für eine gute Versorgung von Pflegebedürftigen mit Demenz spielen zum Beispiel innovative Wohnformen sowie der gezielte und flächendeckende Aufbau von zuverlässig unterstützenden Netzwerken eine besondere Rolle, die aus Angehörigen und Zugehörigen, Ehrenamtlichen sowie Akteuren der Gesundheits- und Pflegeversorgung, einschließlich der Pflegeeinrichtungen, bestehen. Diese können das Wohlbefinden von Demenzpatienten erhöhen, indem sie die Teilhabe und Autonomie erhalten.
Dabei handelt es sich häufig um regionale oder temporäre gesellschaftliche Strukturen mit hohem Alltagsbezug. In Westfalen-Lippe fördert die AOK NordWest, wie auch andere Krankenkassen, zahlreiche Demenz-Netzwerke vor Ort.









