Die Mitglieder des Tierschutzvereins Halver machen sich Sorgen um die vier Jungvögel im Nest des Schwarzstorches in Schöneberge. Sie wünschen sich Unterstützung durch die Bevölkerung, um den "Liebling von Halver" - wie sie die Vögel nennen, zu schützen. Den Baustopp um wenige Wochen zu verlängern, würde nach ihrer Meinung reichen, das Leben der vier Nachkommen zu retten.

Tierschützer wollen dem Schwarzstorch helfen

"Was wir wirklich nicht verstehen können, ist die Tatsache, dass dem geschützten Schwarzstorch in Schöneberge keine Zeit gegeben wird, um seine Jungen aufzuziehen. Die Jungtiere werden das Nest Mitte August verlassen. Wenn die Bautätigkeiten bis dahin eingestellt würden, wären die Tiere sicher", ärgert sich Petra Steiner, die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins im Gespräch mit LokalDirekt. "Wir haben nichts gegen Windkraftanlagen", betont sie immer wieder, aber sie bemängelt die Art und Weise, wie - und vor allem mit welchen Unterbrechungen - die Anlage in Schöneberge errichtet wird.

Petra Steiner (r.) und Joy Streit vom Tierschutzverein Halver kämpfen für die jungen Schwarzstörche.
Foto: Gerdel

Zwei Wochen können entscheidend sein

Auf Nachfrage bei der SL Naturenergie, dem Investor der Anlage, schreibt Pressesprecherin Stefanie Flam: "Der Bau der Anlage pausiert derzeit, wie Sie richtig schreiben, aufgrund von Lieferschwierigkeiten des Herstellers und Problemen bei der Anlieferung der großen Bauteile. Wir rechnen damit, dass die Anlieferung der Komponenten ab Ende Juli erfolgen kann." Das heißt, dass zwischen dem geplanten Weiterbau der Anlage und dem voraussichtlichen Abflug der Jungvögel nur noch zwei Wochen Abstand liegen. Zu dieser neuen Terminsituation sagt Petra Steiner spontan: "Dann sollen sie doch die Teile noch die zwei Wochen liegen lassen. Dann sind die Jungvögel weg und die können da bauen was und wie sie wollen."

Die Pressesprecherin der SL Naturenergie bleibt aber bei der Aussage, dass aufgrund der Entfernung zum Storchennest kein Grund bestehe, den Bau der Anlage auszusetzen.

"Der Liebling von Halver braucht die Hilfe von vielen"

Infolge der LokalDirekt-Berichterstattung erhielten die Tierschützer viel Zuspruch. Niemand konnte verstehen, warum diesem seltenen Vogel keine Chance gegeben wird, seine vier Jungtiere in Ruhe flügge werden zu lassen. "Vor allem wissen wir, dass viele Halveraner wirklich stolz darauf sind, dass dieser Vogel hier seit Jahren nistet." Petra Steiner wundert sich darüber, dass nach einer ersten Empörungswelle das Thema im Sande zu verlaufen scheint.

"Die Störche sind doch die Lieblinge von ganz Halver. Jeder freut sich, wenn er ihn sieht und ist stolz, dass dieser seltene Vogel ausgerechnet hier brütet. Es ist unser Schwarzstorch – und der braucht jetzt Hilfe", wenden sich die Tierschützer an die Bevölkerung. "Jeder, der Interesse daran hat, dass die Tiere überleben, sollte Briefe und Emails an die Verantwortlichen, also die Stadt Halver, den Märkischen Kreis und den Investor, die SL-Naturenergie, schreiben und sie davon überzeugen, dass in Halver viele Menschen Anteil an diesem Geschehen nehmen."

"Wir, und das sind der gesamte Vorstand des Tierschutzvereins Halver mit Petra Steiner, Anja Neumaier, Daniela Rode, Joy Streit, Liane Kaddatz und Anja Brzsinske, fordern, dass der Bau der Windenergieanlage in Halver Schöneberge erst Mitte August fortgeführt wird, wenn die Schwarzstörche mit ihren Jungen abgezogen sind", so die Tierschützer. Ein Entgegenkommen des Betreibers und der Politik kann hier nur noch auf freiwilliger Basis erfolgen, soviel ist ihnen klar.

Symbolfoto:
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Statements der Verantwortlichen enttäuschen

Mit einem Schreiben an Bürgermeister Armin Kibbert haben die Tierschützer um ein entsprechendes Gespräch gebeten, auf das sie im ersten Anlauf aber keine Antwort erhalten haben. Auf Nachfragen von LokalDirekt verwies die Pressesprecherin des Rathauses, Jolina Junge, darauf, dass in diesem Fall die Untere Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises zuständig sei, man aber vollstes Vertrauen in deren Entscheidung hätte. Denn, so die schriftliche Aussage: "Allen Mitarbeitern, bei der Stadt und beim Kreis, ist die Bedeutung der Schwarzstorchpopulation bewusst." Weiter heißt es in der Antwort, dass von keiner erhöhten Gefährdung des Schwarzstorchbestandes auszugehen sei.

Eine Meinung, der sich die Mitglieder des Halveraner Tierschutzvereins nicht anschließen können. "Es gibt ein Gutachten von Vogelschutzwarten, die dem LANUK (Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW) angehören, die das Gegenteil aussagen", kommentiert Petra Steiner die Aussage der Stadt Halver. "Diese ehrenamtlich für die NWO (Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft) arbeitenden Naturschützer, die seit Jahr und Tag die Vogelpopulation erfassen, wurden von Kreisseite unverständlicherweise nicht zu Rate gezogen", wundern sie sich.

Bürgermeister will sich stark machen

Durch Vermittlung von LokalDirekt hat es in dieser Woche doch noch ein Telefonat mit Bürgermeister Kibbert gegeben. Er versicherte, Verständnis für die Problematik zu haben und sagte zu, sich in dieser Sache stark zu machen, ohne dabei falsche Hoffnungen wecken zu wollen.

Vor allem von den Grünen ist Petra Steiner enttäuscht. "Gerade von dieser Partei hätte ich mehr Hilfe für den Tierschutz erwartet", sagt sie. LokalDirekt hat daher Sina Löschke, Vorstandsmitglied der Grünen, noch einmal zum Thema befragt. Sie nimmt in einem Telefonat mit LokalDirekt erneut dazu Stellung: "Ich verstehe die ganze Aufregung um die Angelegenheit nicht, denn alle rechtlichen Vorschriften wurden eingehalten. Die Untere Naturschutzbehörde ist das Kontrollorgan, denen ich vertraue. Die machen einen guten Job. Ob der Storch gefährdet ist, kann ich nicht beurteilen. Was ich auf jeden Fall begrüße ist, dass mit dem Weiterbau der Kabeltrasse gewartet wird, bis die Jungvögel ausgeflogen sind."

Ob das Schwarzstorchpaar auch im nächsten Jahr in Halver brüten wird, muss die Zukunft zeigen.
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Der Schwarzstorch hat nichts falsch gemacht

Die Tierschützer um Petra Steiner geben vor allem dem Betreiber der Windkraftanlage die Schuld, dass es überhaupt zu der prekären Situation der in der Nähe der Baustelle brütenden Schwarzstörche kommen konnte. "Nach dem Errichten des Windradturms begann auf der Baustelle ein viermonatiger Stopp, weil Teile für die weiteren Bauarbeiten fehlten. In dieser Zeit begann der Schwarzstorch seinen Nestbau, denn es war ja ruhig, rund um den bisherigen Bau. Die Störchin legte vier Eier, aus denen mittlerweile vier gesunde Storchenküken geschlüpft sind."

Aus Sicht des Storches verlief die Brutphase, so die Tierschützer, also wie jedes Jahr. Er musste davon ausgehen, dass seine Jungen in Ruhe aufwachsen können, irgendwann die ersten Flugversuche machen und dann gegen Mitte August das Nest verlassen würden. Diesem Ablauf der Geschichte widerspricht Stefanie Flam, Pressesprecherin der SL Naturenergie. Nach ihrer Aussage habe der Storch bereits mit dem Nestbau und der Brut begonnen, als der Kran bereits mit dem Bau des Turmes startete.

Bauzeitenbeschränkung wurde aufgehoben

Dennoch schien es erst, als hätte die Storchenfamilie Glück im Unglück, denn der Märkische Kreis verhängte ursprünglich eine Baupause während der Brutzeit. Damit wären die Jungtiere normalerweise gerettet gewesen. Auf Antrag des Investors wurde diese allerdings wieder aufgehoben. Wie LokalDirekt bereits berichtete, bestätigte Kreissprecher Alexander Bange auf Anfrage: „Mit Änderungsbescheid vom 19. März wurde die Bauzeitenbeschränkung im Zeitraum vom 21. März bis zum 10. August eines jeden Jahres für den Schwarzstorch aufgehoben.“ Das bedeutet: Die Bauarbeiten dürfen trotz Brutzeit fortgesetzt werden.

Bauaktivitäten behindern Flug zur Futtersuche

Somit wird demnächst ein großer Kran aufgestellt, damit die Rotoren der Windkraftanlage angebracht werden können. "Das hat, so befürchten wir, zwei Auswirkungen", sagt Petra Steiner. "Zum einen werden die Elterntiere irritiert, die ja für die Futtersuche der Jungvögel zuständig sind. Sie ziehen dann weitere Kreise um den Bau herum oder, das wäre das schlimmste Szenario, sie ziehen gleich ganz ab. Auf jeden Fall ist die nötige, gleichmäßige Versorgung der Jungtiere gestört."

Außerdem befürchtet die Tierschützerin, dass die Jungvögel, die in Kürze ihre ersten Erkundungsflüge starten werden, durch die Bauaktivitäten gehindert werden, da ihre Flugkünste noch nicht so ausgeprägt sind, wie die der Altvögel. Der stehende Mast stört dabei nicht, denn der ist eine feste Größe. Aber wenn durch die Baustellenarbeiten Bewegung ins Spiel kommt, führt das zu Irritationen.

Diesen Befürchtungen der Tierschützer hält die SL Naturenergie entgegen, dass es nicht richtig sei, dass der Schwarzstorch zum Erreichen seiner Nahrungshabitate die Baustelle überfliegen muss. "Gutachter haben das weitere Umfeld genau untersucht und die Nahrungsgebiete liegen fast allesamt in Richtungen, die nicht konfliktträchtig sind", heißt es in der Antwort der Pressesprecherin. Eine Aussage, die, so die Mitglieder des Tierschutzvereins, der der Vogelschutzwarte widerspricht.

Wirtschaftlichkeit vor Artenschutz

Unverständlich ist für Petra Steiner und ihre Mitstreiter auch, dass hier augenscheinlich wirtschaftliche Interessen vor den Schutz eines streng geschützten Vogels gehen. "Halver ist laut Umwelt.NRW ein Schwerpunktvorkommen für diese Vogelart", sagt sie. "Das heißt, Halver ist ein Areal, das für den langfristigen Erhalt der Schwarzstörche in NRW besonders wichtig ist, denn hier brüten überdurchschnittlich viele Exemplare." Dass es in diesem Jahr wieder vier Jungtiere sind, die die Population hoch halten können, ist ein großer Erfolg. "Wir appellieren an die Vernunft aller Beteiligten, den Vögeln die letzten zwei Wochen noch zu gönnen", wünschen sich die Tierschützer.

Halver in Zukunft ohne Schwarzstorch?

Ist die Windkraftanlage erst einmal in Betrieb, wird sich der Schwarzstorch im nächsten Jahr eine andere Brutfläche suchen, ist sich Petra Steiner sicher. Sollte dies passieren, würde Halvers Motto demnächst wohl eher "Halver, statt im Grünen" heißen. Mit "Halver, die Stadt im Grünen" wäre es bald vorbei, wenn die zuständigen Politiker nichts dafür tun, die Natur - und vor allem die Schwarzstörche - wofür Halver weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, zu schützen und zu erhalten.

"Aber damit können wir leben. Wir wollen nur, dass auch die Jungtiere aus diesem Jahr ihre Chance bekommen", wünschen sich die Mitglieder des Tierschutzvereins Halver.

Bisher erschienen zu diesem Thema folgende Artikel:

Windrad in Schöneberge: Kreis lockert Schutzauflagen für Schwarzstorch und Rotmilan
Schöneberge: So positionieren sich Politik und Stadt zur Windkraft im Wald