Bei der digitalen Ausstattung der Schalksmühler Schulen geht die Politik einen Schritt weiter als ursprünglich von der Verwaltung vorgeschlagen: Ab Stufe 3 soll jedes Kind mit einem eigenen Tablet ausgestattet werden. Wie die Geräte beschafft werden, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt. Neben dem Kauf soll die Verwaltung auch eine Leasinglösung prüfen.

An der Primusschule waren ursprünglich vier Geräte pro Lerngruppe und damit insgesamt 48 Tablets eingeplant. Für die Vergleichsarbeiten Vera 3 werden jedoch gleichzeitig 60 Geräte benötigt. Die Schulleitung hatte darüber hinaus den Wunsch geäußert, langfristig sämtliche Schüler der Jahrgänge 1 bis 10 mit eigenen Geräten auszustatten. Die Verwaltung hatte dem Rat dagegen zuletzt eine deutlich kleinere Variante vorgeschlagen: zwölf zusätzliche Geräte sowie ein Lernmanagementsystem in einer Cloud-Lösung.

Auch an der Grundschule Spormecke ging der ursprüngliche Vorschlag der Verwaltung weniger weit. Dort waren zunächst 36 Geräte vorgesehen. Wegen Vera 3 werden je nach Jahrgangsstärke gleichzeitig 60 bis 90 benötigt. Vorgeschlagen worden war deshalb zunächst die entsprechende Aufstockung des Gerätebestands.

Politik entscheidet sich für 1:1-Ausstattung

In den vorangegangenen Beratungen war bereits deutlich geworden, dass die Politik über diese Mindestlösungen hinausgehen wollte. Für die Primusschule stand zwischenzeitlich eine 1:1-Ausstattung ab Stufe II beziehungsweise Jahrgang 4 zur Diskussion, im weiteren Verlauf wurde die Planung noch einmal angepasst.

Nun ist die politische Richtung klar: An beiden Schulen soll die 1:1-Ausstattung bereits ab Jahrgang 3 gelten. Damit erhält jedes Kind ab der dritten Klasse ein schuleigenes Tablet mit Tastatur und Stift.

Fachbereichsleiterin Anja Wolf stellte den Ratsmitgliedern dazu eine aktualisierte Kalkulation vor. Dabei wurde deutlich, dass die umfangreichere Ausstattung über die bislang vorgesehenen Anschaffungen hinausgeht und sich die Kosten über mehrere Haushaltsjahre verteilen.

Wie hoch die Belastung am Ende ausfällt, lässt sich derzeit allerdings noch nicht endgültig beziffern. Zum einen steht die endgültige Form der Beschaffung noch nicht fest, zum anderen sind die Förderbedingungen des Digitalpakts 2 weiterhin von Bedeutung.

Kaufen oder leasen?

Genau an dieser Stelle setzte ein Teil der Diskussion im Rat an. Roman Bossart, Vorsitzender der UWG, hinterfragte, welchen finanziellen Vorteil ein Leasingmodell gegenüber dem Kauf hätte. Auch die Auswirkungen möglicher Fördermittel müssten seines Erachtens in einen Vergleich einbezogen werden.

André Krause, Fraktionsvorsitzender der CDU, verwies dagegen auf die schnelle technische Entwicklung. "Kaufen wir die Geräte, dann sind die nach fünf Jahren auf", erklärte er. Ein Leasingmodell könne den Vorteil bieten, die Technik nach Ablauf der Nutzungsdauer gegen aktuelle Geräte auszutauschen.

Offen ist zudem noch, in welchem Umfang das Land für die Ausstattung der Lehrkräfte aufkommen muss. Klaus Nelius, Fraktionsvorsitzender der UWG, fragte nach einer möglichen Kostenerstattung. Die Verwaltung will dies prüfen.

Grundsatzdiskussion über digitale Schulen

Jörg Weber (CDU) stellte darüber hinaus die Frage, wie nachhaltig eine umfangreiche Investition in Tablets angesichts der Entwicklung digitaler Bildungskonzepte sei. Er verwies auf skandinavische Länder, die ihre Digitalstrategien an Schulen teilweise wieder veränderten.

Jan Jellesma, Fraktionsvorsitzender der SPD, erinnerte hingegen daran, dass die grundsätzliche Frage der Ausstattung bereits ausführlich in den Ausschüssen beraten worden sei. Mit der Entscheidung gegen eine Vollausstattung ab dem ersten Schuljahr habe die Politik bereits einen Mittelweg gefunden. Eine einheitliche Ausstattung schaffe zudem gleiche Voraussetzungen für alle Schüler.

Noch zu klären sind auch praktische Fragen. Nach dem Wunsch der Schulen sollen die Geräte nicht ausschließlich im Unterricht genutzt werden, sondern von den Kindern auch mit nach Hause genommen werden können. Damit verbunden sind unter anderem Fragen zu Haftung, Versicherung und Datenschutz.

Digitalpakt 2 bleibt eine Unbekannte

Zusätzliche Unsicherheit bringt der Digitalpakt 2. Bereits bei Erstellung der Vorlagen lagen der Gemeinde noch keine abschließenden Förderrichtlinien des Landes Nordrhein-Westfalen vor. Eine konkrete Finanzierungsplanung mit diesen Mitteln war deshalb noch nicht möglich.

Eine endgültige Entscheidung zwischen Kauf und Leasing traf der Rat daher nicht. Die beschlossene Ausstattung soll kommen, gleichzeitig wird die Verwaltung die Leasingvariante weiter prüfen.

Damit steht das Ziel fest, der Weg dorthin aber noch nicht: Ab Klasse 3 sollen die Schüler der Schalksmühler Schulen künftig über ein eigenes Gerät verfügen. Wie die Gemeinde diese Geräte beschafft und welche Fördermittel dafür genutzt werden, bleibt Gegenstand der weiteren Prüfung.