Kameradschaft, Hilfsbereitschaft, Mut, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit - diese Eigenschaften und noch viele mehr sind Begriffe, die oft mit dem Wort "Feuerwehr" gemeinsam fallen. Der Löschzug 3 der Stadt Halver, der 1901 als "Löschverein Bommert" gegründet wurde, verkörpert diese Eigenschaften nun schon seit 125 Jahren. Unterbrandmeister und Schriftführer Olaf Panne erzählte im Gespräch mit LokalDirekt den Werdegang vom Feuerlöschverein Bommert zum Löschzug3-Bommert der Stadt Halver. Er selbst ist seit seinem 13. Lebensjahr bei der freiwilligen Feuerwehr Bommert.

Gründung 1901

"Der Geist der Gruppe, Kameradschaft und Zusammenhalt sind über die Grenzen Halvers bekannt", heißt es in der Chronik des Löschzuges Bommert, die Schriftführer Olaf Panne zum Jubiläum erstellt hat. Sie beginnt in der Zeit um das Jahr 1900, als in vielen ländlichen Bezirken des damaligen Dorfes Halver freiwillige Feuerwehren gegründet wurden.

Die Bommerter wollten nicht zurückstehen und trafen sich daher am 1. Juni 1901 zur Gründungsversammlung ihrer eigenen Schutzgruppe. Alles sollte korrekt ablaufen und so wurde schon am ersten Abend Ludwig Neuhaus aus Kückelhausen als Vorsitzender gewählt und eine Kommission, die die Statuten festlegen sollte, wurde auch gleich benannt. Schon zwei Wochen später lag nicht nur eine Satzung vor, sondern die engagierten Gründungsmitglieder holten auch gleich Angebote für den Kauf von Uniformen und Ausrüstungsgegenständen ein.

Damals mussten die Feuerwehren Ausrüstung, Geräte und Kleidung noch aus eigener Kasse bezahlen und so hatten sich die Kameraden erst einmal bei den benachbarten Feuerwehren nach dem besten und gleichzeitig günstigsten Gerät erkundigt. Bestellt wurde schließlich eine Spritze in Aachen, die bei ihrer Ankunft im Mai 1902, reichlich geschmückt, mit einem Pferdegespann vom Bahnhof abgeholt wurde. Sie steht heute noch, perfekt restauriert, im Eingangsbereich der neuen Wache in Anschlag.

Bauen, feiern und löschen in den ersten Jahren

1910 stand die nächste große Neuerung bei der Bommerter Wehr an. Es wurde geplant, einen Steigerturm zu errichten, den die Feuerwehrleute als Übungsort nutzen konnten, um sich auf die Brandbekämpfung mit Hakenleitern vorzubereiten und die Schläuche nach einem Einsatz trocknen zu können. Pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der Feuerwehr war der Turm fertig und wurde mit einem großen Fest eingeweiht. Dazu waren 14 Wehren aus den Nachbarorten und dem Rheinland eingeladen. Wie wichtig dieser Turm für die Bommerter war, zeigte auch, dass zur Einweihung keine Kosten gescheut wurden und das Trompeter-Corps des I. Hannoverschen-Dragoner-Regiments verpflichtet wurde, zur Feier aufzuspielen. Bei der Bommerter Wehr wurde aber beileibe nicht nur gefeiert. Allein vier Großeinsätze im Jahr 1911 zeigen die Bedeutung der Truppe.

Ein Bild der Freiwilligen Feuerwehr Bommert aus 1910.
Foto: Hösterey

Große Änderungen durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges veränderte vieles für die Feuerwehr, denn die aktiven Wehrleute wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Sie wurden durch die damals passiven oder jugendlichen Mitglieder der Bommerter Wehr ersetzt.

Einen ähnlichen Einschnitt verursachte die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Freiwillige Feuerwehren wurden durch die "Feuerlöschpolizei" ersetzt, die unter dem zentralen Kommando auf Amts-, Stadt- und Kreisebene zusammengefasst wurden. So wurde auch der "Löschverein Bommert" liquidiert, die Mitglieder wurden verpflichtet, dem Löschzug der Feuerlöschpolizei des Amts Halver beizutreten. Vorteilhaft war dies nur im finanziellen Sinn, denn war bisher der Verein selbst für die Anschaffung von Kleidung und Löschgeräten zuständig, lag die Verpflichtung zur Anschaffung nun beim Amt in Halver.

Mit Kriegsbeginn 1939 endete die Freiwilligkeit der Feuerwehrmitglieder abrupt, denn über Dienstverpflichtungen wurde sichergestellt, dass auf jeden Fall genügend Feuerwehrleute bei Bränden ausrücken konnten. Die Feuerlöschpolizei wurde mit Einmarsch der Briten wieder aufgelöst und sollte, wie vor 1939, durch eine wieder freiwillige Feuerwehr neu aufgebaut werden.

Neuorganisation, Mangel und kreative Beschaffungen nach dem Ersten Weltkrieg

Im Juli 1945 setzten die Bommerter, zeitgleich mit der Carthausener Feuerwehr, ein Zeichen für die Neugründung der Freiwilligen Feuerwehren. Dem wollten die Halverner, Oberbrügger, Buschhausener und Schalksmühler Feuerwehren nicht nachstehen und waren ebenfalls zur Neugründung bereit. Die Einheitsführer dieser Wehren beschlossen gemeinsam, dass die Organisation wieder auf Amtsebene hergestellt werden sollte, da sich dies, nicht nur finanziell, sehr bewährt hatte.

Dennoch musste der Dienstbetrieb in den ersten Nachkriegsjahren unter äußerst primitiven Verhältnissen durchgeführt werden. Erst mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ab 1949 konnten wieder neue Uniformen und Geräte angeschafft werden. Aber ohne die tatkräftige und auch finanzielle Unterstützung der Feuerwehrleute ging es weiterhin nicht. "1953 war die Feuerwehr noch ein Verein", erzählt Olaf Panne. "Die Kameraden wollten einen Unterstand neben dem Steigerturm bauen in dem die neue Tragkraftspritze untergestellt werden konnte. Da die Gemeinde kein Geld hatte, spendeten die Mitglieder das Holz für den Schuppen. Nur so konnte der Anbau erstellt werden."

Auch bei der Kleidung konnten die Kameraden damals nicht wählerisch sein. Für festliche Anlässe wurden Uniformen gebraucht, für die aber keine Mittel übrig waren. Also schaffte die Gemeinde 1956 fünf Polizeimäntel aus der Strafanstalt an. "Aus dem Protokollbuch geht hervor, dass diese Kleidung zum größten Teil zur Zufriedenheit der Kameraden ausgefallen ist", liest Olaf Panne vor. Zur Interpretation bleibt da viel Spielraum. So ist sich Panne sicher, dass die gebrauchten Uniformen nicht hundertprozentig passten, aber die Feuerwehrleute mussten damals halt nehmen, was zu bekommen war.

Ähnlich vage lasen sich auch einige Eintragungen zu den Feierlichkeiten. Im Protokollbuch steht, dass sich 1965 nach der Heldengedenkfeier (dem heutigen Volkstrauertag) ein anschließendes ehrendes Gedenken bei Klemms anschloss. "Das bedeutete wohl, dass in der Gaststätte Klemm dem Bier reichlich zugesprochen wurde", vermutet der Unterbrandmeister.

Umzug, Feierlichkeiten, und außergewöhnliche Einsätze

Im Laufe der Jahre wurde das 1971 errichtete erste massiv gebaute Gerätehaus umgebaut und erweitert. Zur Jahrtausendwende fiel schließlich der Beschluss, mit der Einheit Bommert auf ein strategisch günstiger gelegenes Areal in Anschlag umzuziehen. Der Neubau wurde im Jahr 2024 mit einem großen Fest eingeweiht. Dass die Feuerwehrleute feiern konnten, zeigten sie auch 2002, als - verschoben wegen der 2001 grassierenden Maul- und Klauenseuche - die 100-Jahr-Feier der Feuerwehr Bommert stattfand. In der Maschinenhalle der Familie Berbecker gab es Live-Musik, Reden, Sketche, Tanz und ein Familienfrühschoppen rundeten das Programm ab. Natürlich zeigten die Wehrleute bei ihrem Jubiläum auch Löschübungen der Jugendfeuerwehr, wie sie mit einer Fettexplosion umgehen und wie die Höhenrettungsgruppe arbeitet.

Bei den Einträgen zu Brandeinsätzen und anderen Hilfestellungen fanden sich in diesem Zeitraum auch einige kuriose Einträge im Protokollbuch. So ist dort zu lesen, dass 1973 Hilfestellung beim Kamerad Neuhaus geleistet wurde. "Es wurde versucht, bei nebeligem Wetter einen Fichtenkahlschlag abzubrennen." Olaf Panne liest daraus, dass es die Feuerwehrleute nicht geschafft haben, den Reisig anzuzünden.

1988 wurde ein eher peinlicher Fehler ebenfalls locker umschrieben. So hieß es dort, dass bei der letzten Außenübung an der Kerspetalsperre die Pumpe ein Bad genommen habe. "Ich war ja dabei", erinnert sich der Brandmeister. "Die Pumpe ist in die Talsperre reingerutscht. Das sollte natürlich nicht passieren. Einer von uns ist dann reingesprungen und hat sie per Seil mit einem Auto befestigt, dass die Pumpe dann aus der Kerspe gezogen hat. Im Protokollbuch ist so manches sehr schön beschrieben", lacht er.

Einsätze nehmen zu - Probleme auch

Gebäude- und Waldbrände, Verkehrsunfälle, Einsätze nach schweren Stürmen: Die Zahl der Hilfestellungen durch die Bommerter Feuerwehr nimmt kontinuierlich zu. Ein Problem dabei ist, dass oftmals Personal, vor allem Atemschutzträger, fehlt. "Im Gegenzug wird die Ausbildung der Kameraden intensiver. Kam man vor 50 Jahren noch mit wenigen Lehrgängen aus, kann man heute wegen der umfangreicheren Aufgaben, Fahrzeugen und Führungsstrukturen so manches Wochenende wieder die Schulbank drücken", informiert Olaf Panne.

In den 90er Jahren wollten die Kameraden der Personalknappheit mehr Schnelligkeit entgegensetzen. Um sich bei einem Alarm den Weg von zu Hause zur Wache zu sparen, nahmen sie ihre Einsatzkleidung mit nach Hause, um sich dort direkt umziehen und zum Einsatzort zu fahren. Eine Idee, die gut gemeint war, aber in der Praxis nicht funktionierte, denn es passierte tatsächlich bei einem Einsatz, dass alle Feuerwehrleute beim Brand vor Ort waren - nur das Feuerwehrauto stand noch in der Wache. Niemand hatte daran gedacht, es mitzubringen, da alle mit ihren privaten Pkw zum Brand gefahren sind. Danach musste die Einsatzkleidung wieder in der Wache verbleiben.

Aufrüstung im Gerätehaus und Spezialisierung auf Tierrettung

Musste der Löschzug Bommert im Jahr 1901 noch mit nur einer Spritze, gezogen von Pferdewagen, die Feuer in der Nachbarschaft bekämpfen, steht ihm heute neben einem modernen Gerätehaus auch eine technisch hochwertige Ausrüstung zur Verfügung. Dennoch wird die Geschichte der Feuerwehr stets in Ehren gehalten. Die erste Handdruckspritze wurde 1998 in überwiegender Eigenarbeit komplett renoviert und schmückt nun den Eingangsbereich des Gerätehauses. Auch alle bisherigen Motorpumpen sind noch vorhanden und werden regelmäßig gepflegt.

Gerade für den Einsatz bei Verkehrsunfällen wurde das Material aufgerüstet. Mit Spezial-Spreizern und Scheren haben seit einigen Jahren auch die Bommerter bessere Möglichkeiten, bei schweren Unfällen helfen zu können.

"Löschen können alle Feuerwehrleute", betont Olaf Panne, aber jede Wache spezialisiert sich inzwischen auch für besondere Einsätze. Und da wir hier in einem sehr ländlichen Bereich stationiert sind, macht das für uns natürlich die Tierrettung viel Sinn." In Lehrgängen wird geübt, wie Kühe aus dem Güllekanal befreit werden müssen oder wie man Hunde wieder aus dem Dachsbau herausbekommt.

Die Fakten im Überblick:

Die wichtigsten Personen

1901: Gründungsversammlung mit Wahl des Vorstands mit Ludwig Neuhaus aus Kückelhausen als Vorsitz

1901: Erster Hauptmann Gustav Schriever, zweiter Hauptmann Albert Panne, erster Spritzenführer Robert Enneper, zweiter Spritzenführer Wilhelm Gesenberg. Erster Steigerführer wurde Wilhelm Dörscheln.

1945: Willi Gogarten setzte sich für die Wiedergründung der Feuerwehr ein.

1947: Der langjährige Brandmeister Robert Dörscheln tritt zurück. Erich Pulvermacher führt die Einheit Bommert kommissarisch weiter.

1948: Wilhelm Gogarten wurde als Brandmeister verpflichtet.

1974: Ablösung von Wilhelm Gogarten durch Werner Clever als Einheitsführer

1991: Brandmeister Werner Clever scheidet als Löschgruppenführer aus. Er wurde durch Brandmeister Walter Panne abgelöst.

1994: Brandinspektor Detlef Enneper wird Hauptmann, sein Stellvertreter wurde Oberbrandmeister Jörg Enneper.

2024: Mit Abschluss der Neubaumaßnahmen treten Detlef Enneper und Jörg Enneper gemeinsam von ihren Ämtern als Löschzugführer zurück. Michael Wapsa als Einheitsführer und Tobias Vollmar als dessen Stellvertreter treten ihre Nachfolge an.

Mannschaftsstärken:

1901: Zur Gründungsversammlung fanden sich 22 Teilnehmer ein.

1902: 43 aktive und 37 passive und zahlende Mitglieder.

1945: 20 Feuerwehrleute, das war die Höchstzahl, die nach dem Krieg für eine örtliche Feuerwehr erlaubt war.

2001: Zum 100-Jährigen Bestehen zählte die Feuerwehr Bommert 25 aktive und 13 Alterskameraden

2016: 30 Kameraden stehen im aktiven Dienst

2022: Stieg die Zahl der aktiven Kameraden auf 36

2026: In diesem Jahr gibt es 35 aktive Wehrleute, zwei sind in der Unterstützungsabteilung tätig und neun weitere gehören zur Ehrenabteilung.

Einsätze:

1911: vier Großbrände: Schriever Schlachtenrade, Kötter, Biesenbach Engstfeld und ein Waldbrand.

2002: großer Brand in der Scheune Walter Panne

2003: Brand im Wohnhaus Apelt, Borkshof

2007: Einsätze im Rahmen des Sturms Kyrill. Kleinere Brände, Unfälle und Hilfeleistungen wurden zahlreicher.

2018: Der Löschzug Bommert hatte 30 Einsätze. Dazu gehörten Stürme im Frühjahr, Waldbrände und überörtliche Einsätze im Sommer.

2022: In diesem Jahr wurden 33 Einsätze gefahren und fast 2200 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeiten geleistet.

Geschichte der Gebäude

1910: Errichtung eines Steigerturms

1971: Einweihung eines neu gebauten, massiven Gerätehauses.

1973: Abriss des Steigerturms

1978: Umbau der Hälfte des Gerätehauses zum Schulungsraum.

1980: Anbau einer Küche und Toiletten

1993-1996: An- und Umbauten auf der Bommert für eine 2-türige Fahrzeughalle mit über 2000 Stunden Eigenleistung. Das bestehende Gebäude wurde zum Schulungsraum umgestaltet.

2022: Die Arbeiten für den Neubau in Anschlag beginnen.

2023: Umzug ins neue Gerätehaus

2024: Öffentliche Einweihung des Gerätehauses in Anschlag

Geschichte der Fahrzeuge und Geräte

1902: Anschaffung der ersten Spritze, noch mit der Pferdekutsche gezogen

1952: Anschaffung der ersten eigenen Tragkraftspritze (TS8 von Meyer Hagen).

1959: Im Rahmen der Umrüstung aller Amtswehren auf VW-Motoren wurde eine neue, leistungsstärkere Spritze angeschafft.

1961: Anschaffung des ersten eigenen VW-Busses als Tragkraftspritzenfahrzeug.

1976: Anschaffung eines Ford-Transit als neues Tragkraftspritzenfahrzeug.

1995: Anschaffung eines TSF-W Tragspritzenfahrzeuges mit 500 Liter Wasser

1997: Aus eigenen Mitteln wurde ein Mannschaftstransportfahrzeug angeschafft. Damit stehen zum ersten Mal zwei Fahrzeuge auf der Bommert.

2004: Der Bully wurde durch einen modernen Mannschaftstransportwagen VW T5 abgelöst

2013: Ein neues 2000 Liter Wasser und 200 Liter Schaummitteln fassendes Löschfahrzeug kommt auf die Bommert und löst das 1995 angeschaffte Tragspritzenfahrzeug ab. Zum neuen Fahrzeug gehören auch ein Stromgenerator, sechs Atemschutzgeräte, Werkzeuge und Hilfsmittel.

2016: In Eigenleistung wird ein Anhänger "Logistik" für zwei kleine Rollcontainer umgebaut. Darin finden ein 5000 Liter Faltbehälter für Wasser, ein Zelt mit Heizung und Hockern sowie ein mobiler Stromerzeuger und Großflächenbeleuchtung Platz.

2023: Mit einem VW T5 erhält der Löschzug Bommert ein neues Mehrzweckfahrzeug. Er wird als Einsatzleitwagen und als Mannschaftstransporter genutzt. Außerdem erhält die Feuerwehr einen Anhänger zur Notstromversorgung, der bei Stromausfall auch das Rathaus mit Energie versorgen kann.

Fakten zur Feier:

  • Termin: 28. Juni, 10 bis 17 Uhr
  • Wo: Gerätehaus Anschlag, Sondern 15
  • Was gibt's: Besichtigung des Gerätehauses und der Fahrzeuge, Spaß für Kinder, eine Hüpfburg, Essen vom Grill, Kaffee und Kuchen