Die Diskussion um das geplante Wohngebiet Herksiepe/Schillerstein hat den Stadtrat beschäftigt. Mit einer Anfrage griff CDU-Ratsfrau Martina Hesse in der Sitzung am Montag, 13. Juli, einen Bericht des Allgemeinen Anzeigers auf. Darin hatte Klaus Brunsmeier vor einer möglichen Verschärfung der Hochwassersituation durch das geplante Baugebiet gewarnt und wird, für den Fall, dass der Damm bricht, mit den Worten zitiert: „Dann würde es Tote geben.“ Hesse kritisierte unter anderem dieses Zitat. Auch der Erste Beigeordnete Simon Thienel reagierte auf die Berichterstattung.
Brunsmeier sieht weiterhin Risiken für das Hälvertal
Der Allgemeine Anzeiger zitiert Brunsmeier unter anderem mit den Worten: „Wenn durch dieses Bauwerk 0,6 Prozent der Wassermenge fließen, dann gute Nacht, Hälvertal und Schalksmühle." Brunsmeier ist nicht nur Vorsitzender des Vereins Heesfelder Mühle, sondern auch Mitglied im Landesvorstand NRW des Bundes für Naturschutz und Umwelt Deutschland sowie Mitglied der Fraktionsgemeinschaft FDP/ Grüne im Regionalrat Arnsberg. Die Heesfelder Mühle liegt unterhalb des Bahndamms und war bereits vom Hochwasser im Jahr 2021 betroffen. Brunsmeier befürchtet daher, dass die geplante Bebauung die bestehende Gefahrenlage im Hälvertal weiter verschärfen könnte.
Im Gespräch mit unserer Redaktion bekräftigte Brunsmeier Bedenken am Baugebiet und verwies insbesondere auf die aus seiner Sicht unzureichenden Berechnungen des beauftragten Ingenieurbüros Dr. Pecher. Zwar komme das Gutachten nach Angaben der Stadt zu dem Ergebnis, dass das Baugebiet keine Auswirkungen auf die Hochwassersituation habe, Brunsmeier hinterfragt jedoch die zugrunde gelegten Szenarien. „2021 sind 140 Millimeter Niederschlag in mehreren Tagen runtergekommen, während die Firma Pecher ausschließlich mit 90 Millimetern in 60 Minuten rechnet“, sagte er. Aus seiner Sicht sei damit lediglich ein kurzes Starkregenereignis betrachtet worden. Brunsmeier ist der Auffassung, dass stattdessen ein Niederschlagsereignis von 200 Millimetern innerhalb von 60 Stunden hätte berücksichtigt werden müssen.
Auch die geplanten Regenrückhaltesysteme sieht Brunsmeier kritisch. „Das große Problem beginnt, wenn die Rigolensysteme voll sind“, erklärte er. In einer solchen Situation könnten sich versiegelte Flächen zusätzlich auswirken und Wasser vor dem Bahndamm aufstauen. Seine Sorge sei, dass der Damm dieser Belastung nicht standhalten könnte.
Hesse verweist auf Gutachten und Planungen
Diese Aussagen wollte Martina Hesse im Rat nicht unkommentiert stehen lassen. „Ich wollte noch einmal klarstellen, dass die Art und Weise, wie Herr Brunsmeier die Lage am Bebauungsgebiet hingestellt hat, nicht akzeptabel ist“, sagte sie. Es sei aus ihrer Sicht „nicht tragbar, dass Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter, die nach bestem Gewissen handeln, in eine solche Verdachtsecke geschoben werden“.
Hesse betonte, dass sich Politik und Verwaltung seit Jahren intensiv mit den Sorgen der Anwohner beschäftigt hätten. „Die Stadt, insbesondere Simon Thienel und sein Team, haben alle Anregungen der Anwohner aufgegriffen. Es wurden gute Gutachterbüros beauftragt, die die Befürchtungen der Anwohner teilweise sogar noch weitergedacht haben, um mögliche Gefahrenszenarien zu untersuchen. Schlussendlich sind diese entkräftet worden.“
Zudem verwies sie auf die geplanten Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung im Neubaugebiet. Durch Mulden und Rigolen werde der Wasserabfluss gebremst. Das Baugebiet umfasse zudem lediglich rund 0,6 Prozent des gesamten Einzugsgebiets der Hälver. „Wenn man diese 0,6 Prozent mit Häusern, einer Straße und Gärten verändert, kann diese Veränderung nicht zu einer Katastrophe flussabwärts führen“, erklärte Hesse.

Verwaltung verweist auf umfangreiche Untersuchungen
Auch der Erste Beigeordnete und Kämmerer Simon Thienel bezog Stellung. Er betonte, dass im Zuge der Erarbeitung des Bebauungsplans über mehrere Jahre hinweg umfangreiche Untersuchungen durchgeführt worden seien. Dafür sei unter anderem die „deutschlandweit federführend anerkannten Experten zur Wasserwirtschaft“, die „Pecher GmbH“ hinzugezogen worden.
Nach deren Berechnungsergebnissen habe das geplante Wohngebiet keine Auswirkungen auf die von Brunsmeier angesprochene Hochwassersituation. „Dazu wurde unter anderem ein Szenario simuliert und dargestellt, dass doppelt so schlimm wäre wie 2021“, erklärte Thienel.

Unabhängige Probleme im Hälvertal
Nach Angaben Thienels sei die Thematik rund um Bahndamm und Durchlass unabhängig vom Baugebiet bereits seit Längerem Gegenstand eigener Gespräche und Planungen. „Ich kann die Emotionen rund ums Heesfeld und die Mühle verstehen, auch die von Klaus Brunsmeier. Ich nehme diese nachweislich zusammen mit dem ehemaligen Bürgermeister Brosch, Bürgermeister Armin Kibbert, meinem Team, der Politik sowie den externen Experten sehr ernst“, erklärte der Erste Beigeordnete.
Man habe bereits mehrfach konstruktive Lösungen beraten und sich öffentlich zu einer verbindlichen Lösung für Heesfeld bekannt. Insbesondere die Aussage, infolge eines Dammbruchs werde es „Tote geben“, bezeichnete er als unbegründet und durch die vorliegenden Gutachten nicht gedeckt.
Die Stellungnahme von Simon Thienel im Wortlaut:
„Im Rahmen der Erarbeitung des BPlan Entwurfs Herksiepe Schillerstein wurde in den letzten Jahren viel Zeit, Akribie und Empathie sowie fachliche Expertise investiert, um die Sorgen der Anwohner und der Heesfelder Mühle nicht nur authentisch ernst zu nehmen, sondern auch, um das Baugebiet und die angrenzenden Ortschaften erstmals sorgfältig auf Herausforderungen wie Starkregen etc. zu untersuchen. All das wird normaler Weise im Vorfeld untersucht bevor ein Areal überhaupt als Baugebiet ausgerufen wird.
Dazu wurde externer Rat der deutschlandweit federführend anerkannten Experten zur Wasserwirtschaft (Pecher GmbH) eingeholt. In zahlreichen Gutachten, die alle fachkompetent, verständlich und auf der Grundlage des neuesten anerkannten Stands der Wissenschaft und Technik modelliert und tiefgründig reflektiert sowie öffentlich vorgestellt wurden, wurde eindeutig nachgewiesen, dass das entsprechend gestaltete Baugebiet keinerlei Auswirkungen auf die von Klaus Brunsmeier angesprochenen Sorgen hat. Dazu wurde u.a. ein Szenario simuliert und dargestellt, dass doppelt so schlimm wäre wie 2021.
Im Gegenteil: Analog zu den Ausführungen u.a. zu Schwammstädten des BUND auf seiner offiziellen Website, wird hier ein „grün-blaues“ ökologisches Wohngebiet entstehen, das mustergültig nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft und Technik gestaltet und geplant wird. Natürlich wird eine Bebauung auf bereits versiegelten Flächen immer priorisiert, aber eine agrarwirtschaftlich genutzte Fläche ist im vorliegenden Fall nicht als „unberührt“ oder „unbehandelt“ zu werten und verschlechtert den Wasserablauf bereits schon jetzt. Demnach wurde das Wohngebiet so modelliert, dass sogar eine Verbesserung in Sachen Starkregen erzielt werden kann. Es wird also deutlich, dass selbst ohne Herksiepe Schillerstein die Heesfelder Mühle bzw. die Ortschaft Heesfeld ein Problem hat, was gelöst werden muss, siehe 2021. Am Ende wird man über wirksamen Objektschutz miteinander sprechen müssen, bei dem sich die Stadt natürlich nicht aus der (finanziellen) Verantwortung zieht.
Die Thematik Bahndamm, Durchlass und Co ist nicht nur in den öffentlichen Ausschusssitzungen, sondern bereits in zahlreichen Gesprächsrunden mit Brunsmeier zu einem eigenen Projekt geworden, da es, völlig unabhängig von Herksiepe/Schillerstein, einen Erkenntnisgewinn in der Sache gab und gibt. Brunsmeier vermischt diese Themen aber bewusst oder unbewusst immer wieder, in völliger Ignoranz der Faktenlage. Das kann einerseits damit zu tun haben, dass er fachlich in der Tiefe nicht auf Augenhöge mit der Pecher GmbH argumentieren kann, andererseits schafft er es nicht über seinen Schatten zu springen und zuzugeben, dass er all die Jahre den Anwohnern am Linger Weg z.T. Hydrologisches Halbwissen erzählt und für diese letztendlich gar keine Argumente mehr hat. Zum Bahndamm und den dortigen und dahinterliegenden Notwendigkeiten kennt Brunsmeier sich schon deutlich besser aus, keine Frage.
Sein Engagement am Linger Weg und bei der Bürgerinitiative fachlich nun selbst wieder einzufangen würde natürlich der „Marke BUND Brunsmeier“ schaden. Oder geht es ihm eigentlich „nur“ um die Heesfelder Mühle, die übrigens schon immer und auch zukünftig am Wasser liegen wird als Wassermühle, ob mit oder ohne Baugebiet?!
Brunsmeier hat nach eigener Aussage verabsäumt bereits vor 2021 eine entsprechende Elementarschadenversicherung abzuschließen, was man in anderen Branchen als schweren Managementfehler bezeichnen würde. Dass er nun keine mehr bekommt, ist logisch. Ich kann die Emotionen rund ums Heesfeld und die Mühle verstehen, auch die von Klaus Brunsmeier. Ich nehme diese auch nachweislich zusammen mit BM a.D. Brosch, BM Kibbert, meinem Team, der Politik sowie den externen Experten sehr ernst. Ich habe auch schon viele konstruktive Lösungen angeboten und diese in gutem Miteinander mit Brunsmeier beraten. Weiterhin habe ich mich mehrfach öffentlich zu einer verbindlichen Lösung für Heesfeld bekannt.
Aber Brunsmeiers Emotionen dürfen nicht dazu führen, dass er fachlich hervorragend belegte Fakten versucht mit persönlicher Ideologie zu relativieren, mit alten Wissensständen Probleme in der Neuzeit lösen will und schon gar nicht darf man den Menschen mit der Dramaturgie „Es wird Tote geben“ unnötig und eigennützig Angst machen und die verunsichern, die einem ansonsten u.a. als Mensch und Naturschützer blind vertrauen. Brunsmeier wirft allen Fraktionen im Rat, der Verwaltung und externen Experten vor, dass sie bewusst Hochwasser Tote billigend in Kauf nehmen. Das disqualifiziert Brunsmeier an der Stelle als ansonsten geschätzten Gesprächspartner und wirft auch ein ganz anderes Licht auf ihn. Es wirkt bei der Thematik unsachlich, unkontrolliert und viel zu extrem.
Ich würde ich freuen, wenn Herr Brunsmeier seine Emotionen wieder in die gewohnte Sachebene regulieren könnte und nur dann scheinen auch Lösungen jenseits des Baugebiets fürs Heesfeld mit entsprechenden Mehrheiten im Sinne aller Akteure und im Sinne Halvers realistisch möglich. Sachliche Diskussionen scheuen wir nicht, und die sind auch richtig. Vor einem Verfahren vor den zuständigen Gerichten scheut sich die Stadt Halver übrigens auch nicht, wir haben dieses Verfahren „wasserdicht“ gemacht. Die Stadtentwicklung werden wir ebenfalls nicht einstellen und da, wo es Sinn macht und baurechtlich möglich ist, weiter in unser schönes Städtchen in Wald, Wohlfühlen, Wohnen und industrielle Wertschöpfung investieren.“










