Einen guten Einblick in die gegenwärtige Kunstszene bieten alljährlich die Auswahl-Ausstellungen der Märkischen Kulturkonferenz (MKK). Das ist auch in diesem Jahr nicht anders. Noch bis zum 15. November sind die Arbeiten von sechs jungen Künstlern und Künstlerinnen in der Villa Wessel in Iserlohn zu sehen.
In jedem Jahr wählt die MKK aus Empfehlungen der Kunsthochschulen und Akademien die Bewerber für das Märkische Stipendium aus, das mit 12.000 Euro dotiert ist. In einer Ausstellung können sie ihre Arbeiten präsentieren, bevor eine Jury den Preisträger bestimmt. Diesmal können auch die Besucher wieder ihren Favoriten wählen. Ohnehin ist das Stipendium 2027 ein besonderes: Es fällt ins 50. Jahr der MKK, wie Dr. Susanne Conzen, MKK-Geschäftsführerin und Leiterin der Städtischen Galerie Lüdenscheid, in ihrer Begrüßung betonte. Sie dankte dabei für die langjährige Förderung den Trägern der MKK: der Märkische Kreis, seine Städte und Gemeinden, die beiden Arbeitgeberverbände in Iserlohn und Lüdenscheid sowie private Förderer.
Fotogalerie
Spannungsreich und unterschiedlich
Im Jubiläumsjahr wird das Stipendium für Bildende Kunst in der Sparte Plastik vergeben. Wie spannungsreich und unterschiedlich sich dies ausformen kann, zeigt sich beim Rundgang durch die Galerie. Da sind die hauchdünnen Skulpturen aus Keramik, die Kayo Goede, Meisterschülerin der Kunstakademie Düsseldorf, mit zarten Gräsern zu filigranen Behausungen zusammensetzt. Von den rund 100 Besuchern der Ausstellungseröffnung war da eine besondere Vorsicht gefordert. Nicht zu übersehen waren direkt daneben die imposanten Mäusemenschen von Benedikt Lübcke, ebenfalls ein Düsseldorfer Meisterschüler. Aus einer Aufführung des Balletts „Der Nussknacker“ zog er seinen Ansatz, etwas in der Realität Unscheinbarem durch eine neue Interpretation eine Stimme und eine andere Wirkung zu geben.
Und wieder im kompletten Gegensatz dazu stehen die Arbeiten im Nachbarraum. Miniaturobjekte, kleinen Schätzen und Geheimnissen gleich, zeigt Laura Sperl aus Saarbrücken. Daneben steht ihr Wanderkasten, eine kleine Holzschatulle, in der sie auf einem endlosen Papierstreifen Eindrücke, Ideen und Bilder festgehalten hat. Mehr als 300 sind es, die sich beim Weiterdrehen entdecken lassen. Aus der Natur schöpft dagegen Saya Schulzen von der Hochschule für Gestaltung in Offenbach ihre Inspirationen, die sie in Papier und Keramik umsetzt, nachempfundene Früchte, Tiere, Pflanzen, die sie in eine enge Beziehung und neue Verbindungen setzt.
Elfenbeinschnitzer verpackt Muskelkörper in Einmachgläsern
Raumgreifender sind die Arbeiten von Achim Saar, gelernter Schreiner und Hochschulabsolvent aus Saarbrücken. Er arbeitet mit Metall, Bronze und Glas, schafft Skulpturen, in denen unzählige Elemente und Details zu entdecken sind. Jannis Donke schließlich zeigt einen ganz neuen Umgang mit Materialien, wie Susanne Conzen erklärte. Der Elfenbeinschnitzer und Kunststudent aus Karlsruhe verpackt Muskelkörper aus Eimasse und Protein in Einmachgläsern und formt aus Polyurethan-Schaum ein lebendig wirkendes Wandrelief.
Bekanntgabe am 15. November
Ungewohnt, spannend, interessant – wer von den Künstlerinnen und Künstlern das Stipendium erhält, wird am 15. November bekanntgegeben. Bis dahin ist die Ausstellung in der Villa Wessel, Gartenstraße 31 in Iserlohn, mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 12 bis 16 Uhr und sonntags von 11-17 Uhr zu sehen.
Das Auswahlkonzert für das MKK-Stipendium Musik in der Sparte Klavier findet am 3. November, 19 Uhr im Kulturhaus Lüdenscheid statt.









