Während im Baugebiet Herksiepe/Schillerstein die Planungen weiterlaufen, geht es nun auch um die Frage, wie dort künftig geheizt werden soll. Bündnis 90/ Die Grünen haben deshalb die Prüfung eines gemeinsamen Wärmenetzes für das neue Wohngebiet beantragt. Bei der Umsetzung sieht die Verwaltung allerdings noch einige offene Fragen – unter anderem bei der benötigten Fläche, den Kosten und der langfristig erforderlichen Anschlussquote der Grundstücksbesitzer.

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Grüne wollen Fläche für eine Heizzentrale vorsehen

Die Grünen regen an, im Baugebiet eine Fläche für eine mögliche Energie- beziehungsweise Heizzentrale einzuplanen. Außerdem soll geprüft werden, ob ein quartiersbezogenes Wärmekonzept umgesetzt werden kann.

„Das Netz kann nach der Bebauung anschließend auch Stück für Stück erweitert werden“, ergänzt Sina Löschke (Bündnis 90/ Die Grünen). „Wir könnten in die bestehende Struktur reinwachsen.“ Als Beispiel verwies sie darauf, dass auch in anderen Kommunen bestehende Wärmenetze nach und nach auf neue Baugebiete ausgeweitet worden seien.

Die Grünen regen an, im Baugebiet eine Fläche für eine mögliche Energie- beziehungsweise Heizzentrale einzuplanen.
Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH

Die Verwaltung sieht bei der dafür benötigten Fläche allerdings Schwierigkeiten. Die Grundstücke im geplanten Wohngebiet seien bereits weitgehend für Wohnbebauung, Erschließung, Grünstrukturen sowie klima- und wasserwirtschaftliche Maßnahmen vorgesehen. Zudem sei derzeit nicht absehbar, wie groß eine solche Anlage überhaupt sein müsse.

Verwaltung hält Wärmenetz technisch für möglich

Neben der Frage nach einer geeigneten Fläche soll auf Antrag der Grünen auch geprüft werden, in welcher Form eine gemeinsame Wärmeversorgung für das Wohngebiet umgesetzt werden könnte. Aus Sicht der Grünen bietet ein solches Wärmenetz dabei nicht nur eine Möglichkeit zum Heizen, sondern könnte im Sommer auch zur Kühlung genutzt werden.

Prinzip Schaltbild kaltes Nahwärmenetz.
Foto: Prof. Thomas Giel

Für die Prüfung hat die Verwaltung bereits die Enervie und die Stadtwerke Halver einbezogen. Die im Antrag aufgegriffenen Varianten eines Nah- oder Kaltwärmenetzes wurden dabei grundsätzlich als technisch realisierbar eingeschätzt: Während bei einem Nahwärmenetz durch eine zentrale Heizung warmes Wasser im gesamten Wohngebiet verteilt werden würde, erhielte bei einem Kaltwärmenetz, auch Kaltes Nahwärmenetz genannt, jedes Haus kaltes Wasser und würde dieses mit einer eigenen Wärmepumpe zum Heizen nutzen.

Bei der Frage, ob sich ein solches gemeinschaftliches Wärmenetz für das vergleichsweise kleine Wohngebiet auch wirtschaftlich tragen lasse, äußert die Verwaltung jedoch Zweifel. „Grundsätzlich stehen wir hinter der Idee, aber das ist für das Wohngebiet einfach eine Nummer zu groß und könnte es für die Leute noch teurer werden lassen“, erklärt Simon Thienel, Erster Beigeordneter.

Wirtschaftlichkeit hängt von der Zahl der Anschlüsse ab

„Je größer die angeschlossene Fläche und je höher die Akzeptanz, desto wirtschaftlicher kann das Netz betrieben werden“, erklärt Thienel. Ein Anschluss- und Benutzungszwang könnte die Wirtschaftlichkeit verbessern - gleichzeitig könne eine solche Vorgabe aber auch die Vermarktung der Grundstücke erschweren.

Jürgen Wichert (SPD) stellt deshalb die Kosten in den Mittelpunkt. Für die künftigen Eigentümer müsse klar sein, was ein Anschluss an das Wärmenetz kostet und wie sich diese Kosten gegenüber einer individuellen Lösung darstellen. „Der Zwang wäre für mich nur sinnvoll, wenn ich auch wüsste, wie es mit den Kosten aussieht“, sagt er. „Das Problem ist, wir haben viele verschiedene Bauherren und keinen Generalunternehmer. Hier würde ich den klassischen, modernen Heizungsweg nehmen“, ergänzt Bürgermeister Armin Kibbert.

„Je größer die angeschlossene Fläche und je höher die Akzeptanz, desto wirtschaftlicher kann das Netz betrieben werden“, erklärt Thienel.
Foto: pixabay

Offen ist laut Verwaltung außerdem, ob ein Anschlusszwang unter den sich weiterentwickelnden energie- und wärmerechtlichen Rahmenbedingungen künftig überhaupt dauerhaft rechtssicher durchsetzbar wäre. Eine verlässliche wirtschaftliche Bewertung sei deshalb derzeit nicht möglich.

CDU kritisiert Antrag der Grünen

Für Kritik sorgte schließlich die Frage, wie der Antrag der Grünen vor dem Hintergrund ihrer bisherigen Haltung zum Baugebiet einzuordnen sei. „Ich finde den Antrag merkwürdig, wo die Grünen doch vor Kurzem das Neubaugebiet komplett abgelehnt haben“, sagt Andreas Hesse (CDU). „Es wirkt so, als ob man mit Gewalt versuchen würde, das Gebiet komplett zu verhindern“.

Symbolfoto: Baugebiet Herksiepe/Schillerstein
Foto: Hösterey

Die CDU wolle, dass das Baugebiet technologieoffen bleibe und die künftigen Eigentümer zwischen verschiedenen Lösungen wählen können. Löschke hingegen widersprach der Darstellung: „Wir stimmen der kleinen und nicht der größeren Variante der Bebauung zu. Wir lehnen das Wohngebiet nicht generell ab“, sagt sie.

Löschke fragte zudem, warum die Enervie und die Stadtwerke bereits vor der politischen Beratung mit der Prüfung des Wärmenetzes beauftragt worden waren. Thienel erklärte, das Thema sei bereits in zwei Ausschüssen angesprochen worden und die Verwaltung habe deshalb vorgeplant. „Sonst hätten wir nur Zeit verloren“, ergänzt Martin Kastner, Ausschutzvorsitzender.

„Wir stimmen der kleinen und nicht der größeren Variante der Bebauung zu. Wir lehnen das Wohngebiet nicht generell ab“, sagt Sina Löschke.
Foto: pixabay

Verwaltung sieht kein tragfähiges Betreibermodell

Mit der Betreiber- und Marktanalyse stellt sich im vierten Punkt des Antrags schließlich die Frage, wer ein solches Wärmenetz überhaupt betreiben könnte. Mögliche Betreibermodelle seien innerhalb der Energie-Gruppe bereits geprüft worden.

Aufgrund der begrenzten Größe des Baugebiets, des vergleichsweise geringen Wärmebedarfs moderner Neubauten und der weiterhin offenen Anschlussquote lasse sich derzeit jedoch kein wirtschaftlich tragfähiges Modell ableiten. Eine weitergehende Betreiber- und Marktanalyse hält die Verwaltung deshalb zum jetzigen Zeitpunkt nicht für zielführend.

Während bei einem Nahwärmenetz durch eine zentrale Heizung warmes Wasser im gesamten Wohngebiet verteilt werden würde, erhielte bei einem Kaltwärmenetz, auch kaltes Nahwärmenetz genannt, jedes Haus kaltes Wasser und würde dieses mit einer eigenen Wärmepumpe zum Heizen nutzen.
Foto: pixabay

Verwaltung empfiehlt technologieoffene Planung

Angesichts der offenen Fragen zu Wirtschaftlichkeit, Anschlussquote und rechtlicher Umsetzbarkeit empfiehlt die Verwaltung, das Bauleitverfahren technologieoffen weiterzuführen. Der Ausschuss schloss sich dieser Empfehlung mit drei Gegenstimmen und einer Enthaltung an und empfahl dem Rat, auf einen verbindlichen Anschluss- und Benutzungszwang für ein quartiersbezogenes Wärmekonzept zu verzichten.

Am Mittwoch, 30. September, befasst sich zunächst der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung mit dem Thema. Die abschließende Entscheidung soll der Rat der Stadt Halver am 12. Oktober treffen.