Impro-Theater auf die etwas andere Art: Wenn sich zwei Ratefüchse und leidenschaftliche Verteidiger des gehobenen Blödsinns, wie Wigald Boning und Bernhard Hoëcker, bereit erklären, zwei Stunden lang Fragen aus dem Publikum zu beantworten, müssen die Zuschauer mit allem rechnen. Mit erfundenen Geschichten, ehrlichen Antworten und allem dazwischen.

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Möglich ist alles, Vorgaben gibt es nicht. Die Kult-Komiker nehmen die Zuhörer mit in bunte und humorvolle Erzählungen über ihre Sendungen wie „Nicht nachmachen“ oder „Genial daneben“, berichten von gemeinsamen aufregenden Autofahrten, von Hoëckers Kurzhaar-Collie Heidi und von jeder Menge verrückter Momente. Seit elf Jahren touren Boning und Hoëcker mit ihrem Bühnenprogramm „Gute Frage“ durch die Republik. Am Dienstag gastierten sie erstmals in der Herscheider Gemeinschaftshalle.

Ein Abend ohne festen Plan

Nachdem die beiden Künstler den Abend mit dem „Wer-Wie-Was-Song“ der Sesamstraße eingeleitet worden war, stellten die beiden Künstler das Thema ihres zweistündigen Auftritts den rund 420 Besuchern im ausverkauften Saal vor.

„Wissen sie, worum es an diesem Abend geht? Nein? Gut, wir nämlich auch nicht!“, eröffnete Boning seine Begrüßung und wurde von Hoëcker ergänzt: „Wir wollen wissen, was sie interessiert. Heute werden all ihre Fragen beantwortet.“

Tatsächlich hatte das Duo kein Programm im klassischen Sinne vorbereitet, sondern ging auf die individuellen Fragen der Zuschauer ein. Diese konnten per Handzeichen auf sich aufmerksam machen oder vorgedruckte Karten am Einlass ausfüllen. In die Schulzeit zurückversetzt fühlte sich das Publikum, als die beiden Comedians Handzeichen einschließlich Schnipsen zur Kontrolle anforderten, was einwandfrei funktionierte. Die von den Zuschauern ausgefüllten Fragekarten wurden als Ergänzung zu den Meldungen aus den Reihen genutzt.

Goldene Hose sorgt für die ersten Lacher

Das Konzept ging hervorragend auf und es herrschte ein reger Austausch zwischen Künstlern und Publikum. Bereits die erste aus dem Publikum gestellte Frage zum Erwerb der goldfarbenen Hose von Wigald Boning brachte das Publikum und die beiden Kult-Komiker zum Lachen. Er habe sich vorgenommen, in diesem Sommer nur in goldener kurzer Hose aufzutreten, privat und beruflich. Da diese Hose farblich changiert, habe er keine Probleme ein passendes Oberteil dazu zu finden, da sie zu allen Farben passt.

Wigald Boning erklärte, warum er eine goldfarbene kurze Hose trägt.
Foto: Sabine Rath/LokalDirekt

Auf die Nachfrage, ob es eine dritte Staffel der Serie „Nicht nachmachen!“ geben werde, antwortete Boning: „Seit elf Jahren bohren wir deswegen beim ZDF nach. Wir bitten immer wieder unsere Zuschauer, das ZDF welches für ‚Zentrum der Finsternis‘ steht, mit Nachfragen zu bombardieren. Im Dezember vergangenen Jahres liefen dann neue Folgen – aber leider ohne uns. Das liegt vermutlich am Alter“, witzelte Boning. Das ZDF wolle sich verjüngen, er und Hoëcker seien Mitte fünfzig und die Produzenten haben jetzt welche gefunden, die jünger seien — Anfang fünfzig.

Beim Thema „analog alt werden“ erklärte Boning, es gehe darum, sich von digitalen Geräten fernzuhalten und stattdessen lieber in der „Hörzu“ zu blättern oder Kartenhäuser aus Bierdeckeln zu bauen. Schwierig werde es allerdings schon beim Kauf eines Bahntickets. Hoëcker ergänzte trocken: „Alt werden ist mir wichtig — wie, ist mir egal.“

Publikum feiert Erinnerungen an „Die Doofen“

Natürlich nicht ausbleiben durfte an diesem Abend die Publikumsfrage: „Wann kommt das lang erwartete Comeback der Doofen?“ Auch hier ließ die Antwort nicht lang auf sich warten. Zunächst wurde das Publikum gefragt, wer die Doofen noch kennt. Die Zuschauer antworteten mit reichlich Applaus und lauten JA-Rufen. Für die jungen Leute im Publikum erklärte Boning: „Die Doofen war eine Kapelle von Oli Dittrich und mir Anfang der 90er Jahre, wir sangen Lieder, die die Welt nicht braucht, und wir hatten 1994 im Olympiastadion München das Vergnügen, Vorgruppe von Bon Jovi zu sein. Olli Dietrich spielte Gitarre und ich eine verstimmte Blockflöte.“ Nach diesem Auftritt habe Jon Bon Jovi mit dem Satz „What the hell is this“ kopfschüttelnd den Bühnenrand in Richtung Backstage verlassen. „Olli und ich haben damals vereinbart, wieder auf Tour zu gehen, sobald uns die Altersarmut dazu zwingt.“ Die sofortige Aufzählung der Auftrittstermine folgte dann unter dem Jubel der Zuschauer.

Das Publikum in der Gemeinschaftshalle amüsierte sich köstlich.
Foto: Sabine Rath/LokalDirekt

Bei der Frage, wie die beiden sich kennen gelernt haben, antwortete Hoëcker: „Bei mir war das so, ich war auf einem Bon Jovi Konzert …“ Die anschließenden Lachsalven der Zuschauer fanden kein Ende.

Schubkarrenfoto als Überraschung des Abends

Die letzte Frage überraschte die beiden Comedians dann doch: „Bekomme ich ein Schubkarrenfoto mit euch?“ Große Fragezeichen schwebten gleichsam über ihren Köpfen. Dann betrat ein Zuschauer den Bühnenaufgang und überreichte dem überraschten Duo drei Miniaturschubkarren, „auch eine für Renate, die für den Bücherverkauf zuständig ist“. Die Lacher waren auf seiner Seite.

Hintergrund ist eine private Aktion des Zuschauers. Er verteilt die kleinen Schubkarren und bittet die Menschen, ihm Fotos dieser Dreiseitenkipper versehen mit einer kleinen Geschichte zu schicken. So sammelten sich im vergangenen Jahr 4000 Fotos und Geschichten an, die er dann für die Öffentlichkeit ausstellt. Spontaner Applaus war anschließend der Lohn für den beherzten Zuschauer.

Natürlich durften die sympathischen Comedians nicht ohne Zugabe gehen, denn das außergewöhnliche Konzept und die erfrischenden Antworten hatten das Publikum restlos begeistert.

Ein Zuschauer überreichte den Comedians Miniatur-Schubkarren.
Foto: Sabine Rath/LokalDirekt