"Es sollen Entscheidungen getroffen und Lösungen gefunden werden, um die Gebäude zu erhalten", betonte Kay Kirschner, Mitglied des Presbyteriums. Die zahlreichen Besucher der Versammlung der Evangelischen Trinitatis-Gemeinde am Mittwoch, 17. März, vermochte diese Aussage jedoch nur bedingt zu beruhigen. Denn: die Einrichtungen in Nachrodt-Wiblingwerde sollen abgestoßen werden.
Betroffen sind die Kirche in Nachrodt, das Pfarrhaus mit Gemeindehausanbau, die Johannis-Kirche und das Gemeindehaus, das Pfarrhaus und das Küsterhaus an der Nachrodter Straße. Auf der sogenannten Liste der "Abschiedsgebäude" finden sich außerdem die Kirche Mühlendorf und das Gemeindehaus mit dem ehemaligen Kindergarten an der Drenscheider Straße in Altena wieder.
Als "Zukunftsorte" sollen die Lutherkirche und das Lutherhaus in Altena erhalten bleiben. Dort soll laut der Gemeinde künftig ein zentraler Standort für Kirche, Gemeindearbeit und Verwaltung entwickelt und als Mittelpunkt des evangelischen Gemeindelebens in der Region weiterentwickelt werden.
Gebäude sollen bis 2029 weitergenutzt werden
"Die Türen werden sich nicht von heute auf morgen schließen", versprach Gemeindepädagoge Jörg Chilla. Vielmehr gehe es nun darum, alternative Ideen und Nutzungsmöglichkeiten zu finden, als Beispiel nannte er die ehemalige Lennekirche, die aktuell zur Sportkirche umgebaut wird. Dies soll übrigens, so betont die Gemeinde, unter Einbeziehung der Mitglieder passieren: "Alle Mitglieder sind herzlich eingeladen, sich aktiv in diesen Prozess einzubringen — mit Ideen, Engagement und Fachwissen. Ziel ist es, gemeinsam tragfähige Perspektiven für die Zukunft des kirchlichen Lebens vor Ort zu finden."
Zeit, um alternative Nutzungsmöglichkeiten zu finden, bleibt noch bis zum Jahr 2029 — bis dahin sollen die Gebäude wie gehabt genutzt werden.
"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht"
Die Entscheidung, sich von den besagten Gebäuden zu trennen, sei erst nach reiflicher Überlegung und zahlreichen Diskussionen getroffen worden, betonte Oliver Günther, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn. Jedoch habe die "finanzielle Schieflage" am Ende die Entscheidung begründet. "Wir müssen die Zukunftsgebäude weiterentwickeln, um überhaupt handlungsfähig zu bleiben", betonte er weiter. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, sondern sie immer wieder diskutiert — und am Ende auch nicht einstimmig getroffen."
Im Jahr 2023 erfolgte die Zusammenlegung der Evangelischen Kirchengemeinde Altena, der Evangelischen Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld und der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Wiblingwerde. Zum Zeitpunkt der Fusion wurden der neuen Gemeinde drei Personalstellen sowie der Erhalt aller bisherigen Standorte mit ihren Gebäuden zugesichert, jedoch habe sich bereits mit dem ersten Haushaltsplan ein erhebliches strukturelles Defizit gezeigt — trotz verschiedener Sparmaßnahmen, unter anderem im Personalbereich. Das Defizit lag zuletzt bei einem Betrag in Höhe von 256.000 Euro.
Gebäude sind wesentlicher Kostenfaktor
Ein wesentlicher Kostenfaktor sind dabei die Gebäude: Im Jahr 2025 flossen nach Angaben der Gemeinde mehr als 100 Prozent der kirchlichen Zuweisungen allein in deren Unterhalt und Betrieb. Damit übersteigen die laufenden Kosten für die Gebäude die verfügbaren Mittel deutlich. Gleichzeitig muss sich die Gemeinde auch personell neu aufstellen: Während zum Zeitpunkt der Fusion noch drei Stellen zugesichert worden waren, stehen perspektivisch nur noch zwei zur Verfügung.
Grundlage für die aktuellen Überlegungen waren neben betriebswirtschaftlichen Analysen auch die Entwicklung der Gemeindemitgliederzahlen sowie der Zustand der Gebäude. Zudem ist die Gemeinde Teil des synodalen Transformationsprozesses "Transformation 2035" des Kirchenkreises Iserlohn.
Schlussendlich, so ergänzte Pfarrerin Mara Roth, sei die Entscheidung jedoch für die Erhaltung der Einrichtungen in Altena gefallen: "Maßgeblich hierfür waren verschiedene Aspekte, darunter die Erreichbarkeit, die Zentralität und die Strahlkraft", begründete sie.
"Dann trete ich aus"
Für spürbaren Unmut sorgte die Entscheidung beim zahlreich erschienenen Publikum. "Dann trete ich aus", verkündete eine Besucherin, "und ich glaube, dass dieser Beschluss viele weitere Mitgliedsaustritte zur Folge haben wird." Jörg Chilla versuchte, sie zu beschwichtigen: "Die Entscheidung verschafft uns auch Zeit, um uns neu aufzustellen und Alternativen zu finden. Es ist unser ausdrücklicher Wunsch, weiter im Ort präsent zu bleiben."
Auf die Frage, was dann aus dem Friedhof in Wiblingwerde werde, hatten die Vertreter der Gemeinde bei der Versammlung noch keine Antwort. "Wir haben ihn als Einrichtung natürlich im Blick, was damit geschehen soll, ist jedoch noch offen. Nach aktuellem Stand sollen dort weiterhin Beerdigungen stattfinden. Wir haben nicht vor, alle Prozesse nach Altena zu verlegen", erklärte Pfarrerin Mara Roth und versprach, alle offenen Fragen jetzt mit in den weiteren Beratungsprozess zu nehmen.
"Das Ziel des Presbyteriums ist es, dass die Gebäude weiter genutzt werden — diese und den Menschen sind uns sehr wichtig", betonte auch Gemeindepädagogin Annedore Weidlich. Deshalb sei das Presbyterium nun umso mehr auf die Ideen der Gemeindemitglieder angewiesen. "Gerade in diesen schweren Zeiten müssen wir zusammenhalten, Präsenz und Flagge zeigen", appellierte Jörg Chilla abschließend.
Interessierte, die an der "Zukunftswerkstatt" teilnehmen und sich damit an der Entwicklung für Ideen zur alternativen Nutzungsmöglichkeiten beteiligen möchten, haben an folgenden Terminen hierzu Gelegenheit:
- Mittwoch, 15. April, 19 Uhr, Gemeindehaus Nachrodt
- Dienstag, 21. April, 19 Uhr, Gemeindehaus Wiblingwerde
- Dienstag, 28. April, 19 Uhr, Gemeindehaus Mühlendorf
- Samstag, 5. September, Lutherhaus









