Ein Klassentreffen mit besonderem Datum: Am Samstag, 23. Mai, hat sich der Abschlussjahrgang 1956 der Realschule Breckerfeld in der Gaststätte „Haus Mähler“ zum 70-jährigen Jubiläum versammelt. Von einst 28 Schülerinnen und Schülern leben heute noch 15 — neun von ihnen nahmen am Treffen teil und verbrachten einen Abend voller freundschaftlicher Erinnerungen.

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Vom seltenen Treffen zur festen Tradition

In den ersten Jahrzehnten nach dem Schulabschluss traf sich der Abschlussjahrgang 1956 eher sporadisch. „Vielleicht alle zwei bis drei Jahre mal“, erinnert sich Hans Pfingsten im Gespräch mit LokalDirekt. In den vergangenen 20 Jahren habe sich daraus jedoch eine feste Gewohnheit entwickelt: „Seitdem sehen wir uns jedes Jahr.“

Ein geplanter Stadtrundgang durch Breckerfeld, inklusive Besichtigung der beiden Jakobus-Kirchen und der Statuengruppe an der Denkmalstraße, fiel diesmal allerdings aus. „Das heben wir uns fürs nächste Mal auf — bei den sommerlichen Temperaturen ist das für uns mittlerweile zu beschwerlich“, sagte Pfingsten mit einem Schmunzeln.

Erinnerungen zwischen Lachen und Nachdenklichkeit

Der Abend stand ganz im Zeichen gemeinsamer Erinnerungen. Besonders die heiteren Anekdoten sorgten für viele Lacher — etwa die Geschichte über einen missglückten Versuch, sich vor einem Aufsatz zu drücken. „Draußen lag so viel Schnee, wir wollten lieber Schlitten fahren“, erklärten die ehemaligen Mitschüler. Also verabredeten sie sich heimlich — und erschienen geschlossen zu spät im Unterricht.

Die Konsequenz ließ nicht lange auf sich warten: „Der Erste, der dem Lehrer begegnete, hat eine gewischt bekommen", erzählten sie. Ihr damaliger Klassenlehrer Amandus Treisch, einst Olympiateilnehmer im Boxen von 1936, habe dabei ordentlich Kraft gehabt. „Das war eine kurze Rechte — und der Klassenkamerad ist tatsächlich in die Knie gegangen“, berichteten sie lachend. Trotz aller Heiterkeit stellten sie aber auch klar: Körperliche Strafen seien zwar damals „normal“ gewesen, gutgeheißen würden sie rückblickend jedoch nicht.

Lebenswege zwischen Breckerfeld und Australien

Vier der Anwesenden — Dorothee Helwig, Erwin Bühren, Karl Zimmermann und Hans Pfingsten — leben noch immer in Breckerfeld. Andere zog es in verschiedene Städte: Klaus Hahn war aus Delmenhorst angereist, Doris Speckmann aus Hamm, Manfred Halverscheid aus Soest sowie Jürgen Schäfer und Thea Ischebeck aus Ennepetal.

Halverscheid brachte zudem ein besonderes Erinnerungsstück mit: die Kopie einer alte Liste mit den damaligen Berufswünschen: „Da steht alles mögliche drauf — vom Kaufmann über Werkzeugschlosser bis zur Bürokauffrau und Angestellten bei der Amtssparkasse Breckerfeld.“ Hans Pfingsten lugte ihm über die Schulter, um zu sehen, was er damals aufgeschrieben hatte: „Verwaltungsbeamter! Na, das bin ich ja dann tatsächlich auch geworden“, lachte er.

Von Ingenieur bis "ich bleibe zu Hause" reichten die Berufswünsche der damaligen Realschüler.
Foto: Satur

Auch die Erinnerungen an die längst nicht mehr vorhandenen Schulgebäude wurden beim Treffen wieder lebendig. Die Realschule bestand damals aus drei Gebäuden — am Branten, in Kalthausen und dem Hauptgebäude an der Schulstraße, genau dort, wo heute das Melanchthon-Haus steht. „Und eine Klasse war im ehemaligen Küsterhaus untergebracht“, erinnerte sich Erwin Bühren. „Weil man dort mehrere Stufen hochlaufen musste, haben wir es immer den ‚Olymp‘ genannt“, ergänzte Klaus Hahn.

Das alte Hauptgebäude der Realschule an der Schulstraße in Breckerfeld. Heute befindet sich dort das Melanchthon-Haus.
Foto: Archiv Stadtmarketing Breckerfeld

Verbunden durch Technik und Freundschaft

Den Kontakt halten die einstigen Klassenkameradinnen und -kameraden seit 1956 aufrecht — und das auch über ganz moderne Wege. „Wir sind alle in einer WhatsApp-Gruppe verbunden“, so Pfingsten. Dadurch würden auch jene in der Gemeinschaft eingebunden bleiben, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr reisen können. „Wir sind ja alle Jahrgang 1938/1939 — da ist das mit dem Herumreisen nicht mehr ganz so einfach.“

Überraschung aus Australien

Für einen besonderen Moment beim 70. Klassentreffen sorgte schließlich ein unerwarteter Besuch: Der Stiefbruder von Hugo Wieg erschien in der Gaststätte und überreichte, verbunden mit dessen besten Grüßen, ein Präsent — eine Flasche „Hugo“ und australischen Rotwein. Wieg selbst lebt nämlich seit 60 Jahren in Australien, hielt aber stets Kontakt zu einigen seiner früheren Klassenkameraden, einige haben ihn sogar schon in der Ferne besucht.

Kurz darauf klingelte Pfingstens Handy — und Hugo Wieg wurde per Videoanruf zugeschaltet. Reihum wanderte das Telefon durch die Runde. „So siehst du heute aus?“, lachte eine seiner einstigen Klassenkameradinnen. Mit erhobenen Gläsern prostete man sich über Kontinente hinweg zu und wünschte dem entfernten Mitschüler eine gute Nacht. Denn während in Breckerfeld noch früher Abend war, zeigte die Uhr bei Wieg bereits 1.30 Uhr nachts.

Hugo Wieg, der seit gut 60 Jahren in Australien lebt, schaltete sich per Videoanruf zum Klassentreffen dazu.
Foto: Satur

Versprechen für die Zukunft

Zum Abschluss des Treffens unterzeichneten alle Anwesenden eine von Hobbykünstler Hans Pfingsten gestaltete Leinwand. Darauf hielten sie aber nicht nur ihre Namen fest, sondern versprachen sich auch: „Im nächsten Jahr sehen wir uns alle wieder.“