Bei Anruf Erinnerung: Die Sonderausstellung „Die Brücke. Traum und Alptraum einer Stadt.“ ist um eine Attraktion reicher. Ein altes Feldtelefon aus den 1930er Jahren, gespickt mit modernster Technik, nimmt Erinnerungen auf und spielt sie für interessierte Hörer ab. Das Thema: Was bleibt vom Brückendesaster im kollektiven Gedächtnis der Stadt?

Die ersten Erinnerungen sind schon aufgenommen. „Vergeudete Lebenszeit“, sagt eine Lehrerin, die wegen der A45-Sperrung zwischen Hagen und Lüdenscheid pendeln musste. Treppenwitz der Geschichte: Wenige Monate vor der Sperrung war sie von Lüdenscheid in die Nachbarstadt umgesiedelt.

Großstadtverkehr im Olpendahl, verursacht von Autofahrern, die die verstopfte Umleitungsstrecke vermeiden wollten, ein wenig Erleichterung nach dem Lkw-Durchfahrtsverbot – das alles ist bereits gespeichert, eingesprochen von Lüdenscheidern, die ihre Erinnerungen preisgegeben haben.

So bietet die Sonderausstellung mehr als die Exponate, die für Belastung, Erleichterung und Kreativität im Umgang mit dem Brückendesaster stehen, das die Region vier Jahre lang in einen Ausnahmezustand versetzte. Nicht nur der taufrische Bezug zur jüngsten Vergangenheit der Region ist eine Besonderheit. Die Ausstellung rund um das Brückendesaster ist die erste selbst kuratierte Ausstellung von Benedikt Müller, dem derzeitigen wissenschaftlichen Volontär in den Museen der Stadt Lüdenscheid.

Das Telefon wird zum zentralen Teil der Ausstellung. „Als Gedächtnis der Stadt, das die Fähigkeit besitzt, Informationen aufzunehmen, abzuspeichern und bei Bedarf wieder abzurufen“, sagt Benedikt Müller.

Felix Krömer und sein Team von der Exponatschmiede haben das vielseitig einsetzbare und datenschutzkonforme Wunderwerk entwickelt. Die Exponatschmiede konzipiert, gestaltet und fertigt Exponate, Ausstellungsstücke und Erlebniswelten für Museen, Science Center, Unternehmen, Messen und Events an. Das Tüfteln liegt Felix Krömer im Blut. Von statischen Objekten über interaktive Exponate bis hin zu dynamischen, multimedialen Erlebnissen liefert die Exponatschmiede besondere Technik mit einem echten Gespür für das Besondere.

Felix Krömer (Exponatschmiede), Benedikt Müller (Museum) sowie Dr. Arnhild Scholten und Dr. Dietmar Simon (beide Geschichts- und Heimatverein) freuen sich darüber, dass das Erinnerungstelefon jetzt installiert ist.
Foto: Wolfgang Teipel / LokalDirekt

Dr. Arnhild Scholten, Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins (GHV), zeigte sich bei der Präsentation des Telefons am Donnerstag begeistert. „Auch wenn es mit Verzögerung in die Ausstellung eingebaut worden ist, ist es eine Bereicherung.“ Zudem könne das Gerät, das mit einer Spende des GHV angeschafft worden ist, ja bei vielen Veranstaltungen eingesetzt werden, beispielsweise als digitales Gästebuch oder bei anderen Gelegenheiten, bei denen Erinnerungen ausgetauscht werden. „Kein  Problem“, sagte Felix Krömer. „Das Gerät ist mobil. Sie brauchen nur einen Stromanschluss.“

Benedikt Müller kann sich vorstellen, dass das Gerät auch eingesetzt wird, um Erinnerungen von Lüdenscheidern an die Corona-Epidemie für die Nachwelt zu speichern. „Auch sie war schließlich ein bedeutender Einschnitt in das Leben der Stadt.“