Ein Foto von einem Loch und Rissen in einer Fensterscheibe, daneben ein Stein. Die Kombination in der Glasvitrine erzählt eine von tausenden Geschichten zur Sperrung, dem Abriss und dem Neubau der Rahmedetalbrücke. Zu sehen ist sie in der Sonderausstellung „Die Brücke. Traum und Alptraum einer Stadt“. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 18. Juni, um 18 Uhr in den Museen der Stadt eröffnet.

Benedikt Müller, wissenschaftlicher Volontär im Museum am Sauerfeld, hat gesammelt. Vom riesigen Schild mit dem Hinweis auf die A45-Sperrung über Originalkonstruktionsteile der alten Rahmedetalbrücke, Plakate von Willi & Söhne, O-Töne von geplagten Anwohnern der Umleitungsstrecke bis hin zu Videos des Hagener Brückenbloggers Roland Böhm, 46 Presseartikel, die sich mit Freud und Leid beschäftigen und vieles mehr. Auch das T-Shirt von Werner Schöttler mit dem Aufdruck „Genervter Anwohner“ ist zu sehen. Die Exponate stehen für Belastung, Erleichterung und Kreativität im Umgang mit dem Brückendesaster, das die Region vier Jahre lang beschäftigte.

Der Stein des Anstoßes und das Beweisfoto: Dieser Brocken plätzte von einem Randstein ab und durchschlug die Glasscheibe eines Küchenfensters an der Umleitungsstrecke.
Foto: Wolfgang Teipel / LokalDirekt

Schüler der Städtischen Adolf-Reichwein-Gesamtschule zeichneten ihre Versionen von Traumbrücken – Benedikt Müller hat das Thema auf vielfältige Weise ausgeweitet. Der interaktive Aspekt ist für ihn sehr wichtig. „Die Menschen können nicht einfach so ins Museum. Also müssen wir das Museum zu ihnen bringen.“ Das gelingt mit Workshops, Aktionen und überraschenden Ideen.

So hat das Museum in Zusammenarbeit mit dem Geschichts- und Heimatverein individuelle Erlebnisberichte aus den vergangenen viereinhalb Jahren gesammelt. Die O-Töne können an einer Fernsprecher-Station im Museum abgehört werden. Mehr noch: Besucher können selbst ihre Erinnerungen an die vergangenen viereinhalb Jahre aufsprechen. „So wird der Erfahrungsschatz rund um das Brückendesaster immer wertvoller. Das alles darf nicht verloren gehen“, sagt Benedikt Müller.

Auch diese Traumbrücke ist in der Ausstellung zu sehen.
Foto: Wolfgang Teipel / LokalDirekt

All das dokumentiert den Alltag im Ausnahmezustand, den Lüdenscheid lange Zeit erleiden musste. Die Ausstellung wird im Rahmen des Projekts „Kultureller Brückenschlag Lüdenscheid–Hagen“ als Teil des Regionalen Kultur Programms NRW gezeigt.

Am Eröffnungsprogramm am Donnerstag, 18. Juni, ab 18 Uhr, beteiligen sich Schüler, Lehrkräfte sowie die Sänger des Lüdenscheider Männerchores.