Eine Hundepension ist für manchen Besitzer eines Vierbeiners die einzige Chance, ihn im Bedarfsfall artgerecht für eine Überbrückungszeit unterzubringen. Das kann ein Urlaub, ein Krankenhaus- oder auch ein Gefängnisaufenthalt sein. Das finanzielle Risiko, das die Pensionsbetreiber eingehen, ist vielen Hundehaltern dabei nicht bekannt.
Nur wenige Hundepensionen im Märkischen Kreis
Auch wenn die meisten Hundehalter ihre Fellnasen am liebsten rund um die Uhr um sich hätten, gibt es Situationen, in denen sie einfach nicht dabei sein können. Dann ist eine Hundepension, in der die Vierbeiner versorgt und "bespaßt" werden, Gold wert.
Im Märkischen Kreis gibt es allerdings nur wenige dieser Hundepensionen. Neben den vielen Stunden, die für die Versorgung der Vierbeiner nötig sind, kommt es bei den Betreibern auch immer wieder zu unerwarteten Problemen.
So etwa bei Sabrina Backes, die seit März 2023 eine Hundepension in Schalksmühle betreibt. 15 Hunde aller Rassen haben dort Platz für Tages-, Urlaubs- oder Verhinderungsbetreuung. Aktuell tummeln sich dort Schäferhunde, Beagles und auch vier Kangals.
Zwei Kangals werden nicht mehr abgeholt
Zwei dieser imposanten Herdenschutzhunde bescheren Sabrina Backes aktuell große Probleme. Anfang September 2025 wurden ihr der imposante Rüde 'Kral' und die Hündin 'Prenses' gebracht. Zu dem kleinen Rudel gehörte auch noch der Bruder von 'Prenses'. Die damals eineinhalb Jahre alten Hunde sollten drei Tage bleiben, weil ihr Besitzer für eine Untersuchung ins Krankenhaus musste.
Zur Bestürzung aller Beteiligten wurde beim Besitzer der drei Hunde im Krankenhaus eine tödliche Krankheit festgestellt. Er wurde daraufhin zwar operiert und nach Hause entlassen, die Hunde konnte er aufgrund seiner körperlich geschwächten Konstitution aber nicht mehr zurücknehmen. Ebenso konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten — und war seit Oktober auch nicht mehr in der Lage, die Pensionskosten für seine Kangals zu übernehmen.
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Weil einer der Kangal-Rüden zwischenzeitlich stark hinkte, wurde ein Besuch beim Tierarzt nötig, den Sabrina Backes ebenfalls finanzierte. Mutmaßlich falsche Fütterung, Inzucht und Fehlbelastungen in der Vergangenheit hatten dem Hund so sehr geschadet haben, dass eine Operation nicht möglich war. Schlussendlich musste er eingeschläfert werden.
Im April verstarb der Besitzer der Hunde, die Erben schlugen die Erbschaft aus. Damit stand lange nicht fest, wie es mit den Kangals weitergehen sollte — und wer für die immensen Pensionskosten aufkommt
Sabrina Backes informierte daher das Veterinäramt des Märkischen Kreises, da ihrer Pension durch die Betreuung der beiden Kangals monatlich ein nicht unerheblicher Geldbetrag verloren geht.
Finanzieller Schaden von fast 30.000 Euro
Dazu stellt sie folgende Berechnung an: Der Pensionsplatz koste pro Hund und Tag 23 Euro. Das summiere sich im Monat auf 690 Euro, bei zwei Hunden 1380 Euro. Hinzu kommen Futterkosten in Höhe von rund 400 Euro. Gesamt ergebe sich damit ein monatlicher Fehlbetrag von rund 1780 Euro.
Da die beiden großen Kangals aber einen Auslaufplatz und Unterkünfte brauchen, die eigentlich für sechs Hunde ausgerichtet sind, können vier Hunde nicht aufgenommen werden. Folglich kommen dafür keine Pensionsgelder in die Kasse. „Anfragen hätte ich allerdings genug“, versichert Sabrina Backes. Für diese vier nicht belegten Plätze fehlen ihr also weitere 2760 Euro. (4x 23 Euro x 30 Tage). Insgesamt ergibt sich damit also theoretisch ein monatlicher Fehlbetrag von 4140 Euro. Seit Oktober sind fast 30.000 Euro unbezahlter Kosten und entgangene Pensionskosten aufgelaufen.
Kral und Prenses haben ein neues Zuhause gefunden — die Kosten bleiben
Auf Anraten des Veterinärsamtes hat sich Sabrina Backes noch vor dem Tod des Kangal-Besitzers eine Abtretungserklärung ausstellen lassen, die es ihr ermöglicht, die Hunde weiterzuvermitteln. Und tatsächlich haben sich inzwischen Interessenten für die Hunde gemeldet, die sie nach deren Kastration übernehmen. "Die Kosten für die Operationen sind zum Teil durch Spenden gesammelt worden, teils werden sie von den neuen Besitzern übernommen", erklärt Sabrina Backes.
Noch im Mai, so der aktuelle Stand, sollen die beiden Herdenschutzhunde nach Finnentrop umziehen. Zurück bleibt Sabrina Backes mit den aufgelaufenen Kosten, für die wohl niemand aufkommen wird.
Veterinäramt kann nicht helfen
Alexander Bange, Pressesprecher des Märkischen Kreises, erklärt auf Anfrage von LokalDirekt, dass das Veterinäramt zwar gemäß Tierschutzgesetz die Möglichkeit habe, Tiere aus einer Haltung zu nehmen, wenn die artgerechte Versorgung nicht gewährleistet ist. „In diesem Fall hat sich der Besitzer trotz seiner Erkrankung bemüht, für seine Hunde zu sorgen, indem er sie in die Obhut von Sabrina Backes gegeben hat. Hierfür möchten wir danken.“
Die Abtretung der Hunde durch den Besitzer sei in dieser Situation ein sinnvoller Schritt gewesen, um den Tieren eine sichere und langfristige Perspektive zu ermöglichen, denn ohne die Zustimmung des Besitzers hätte eine Vermittlung der Tiere nicht stattfinden können, bestätigt Bange.
Er betont aber auch, dass die finanzielle Regelung zwischen Tierhalter und Tierpension eine privatrechtliche Angelegenheit ist, und dass das Veterinäramt in solchen Fällen nicht in die vertraglichen Vereinbarungen eingreifen könne. Das Veterinäramt habe auch nicht zugesichert, dass es die Kosten für die Unterbringung der Hunde übernehmen würde. „Dies wäre rechtlich auch nicht möglich gewesen“, informiert Bange. Auch wenn das Veterinäramt Sabrina Backes bei ihren finanziellen Problemen keine Hilfe sein konnte, gehe sein Dank an alle Beteiligten für ihr Engagement und ihre Bereitschaft, in dieser schwierigen Phase Verantwortung zu übernehmen.
Auch andere Hundepensionen sind betroffen
Das Problem der nicht abgeholten Hunde kennen nach Recherchen von LokalDirekt auch andere Hundepensionen im Kreis. Immer wieder komme es vor, dass Hunde nach der vereinbarten Zeit nicht zurückgenommen werden — die Gründe dafür sind vielfältig. Schützen können sich die Pensionseigentümer davor nicht, denn es gibt keine Versicherung, die einen solchen Fall abdeckt.
Theoretisch hilft dann nur der Weg über das Veterinäramt, das die Hunde in ein Tierheim überführen könnte — sofern dort Plätze frei wären. Bei zwei Kangals ist das allerdings ein nahezu hoffnungsloses Unterfangen. Und in der Folge ein nicht zuletzt auch finanzielles Risiko, das viele potenzielle Hundepensionsbesitzer abschrecken mag, eine solche Unterbringungsmöglichkeit anzubieten.










