Die Motorradsaison beginnt wieder - und mit ihr für manche Anwohner an vielbefahrenen Strecken auch der Lärm. Um zu sensibilisieren, hat die Stadt Kierspe Informationsflyer für Motorradfahrer entworfen und verteilt. LokalDirekt hat sich mit Gerd Becker und Günther Barth getroffen, um über die Flyer und die Probleme an den Kreisstraßen zwei und drei zu sprechen.
Beide sind seit der Gründung der Bürgerinitiative "Straßenlärm K2/K3" im Jahr 2020 dabei. Sie hätten sich zusätzlich zu dem Flyer jedoch auch mehr Kommunikation seitens der Verwaltung in Richtung der betroffenden Bürger gewünscht. „Wir hatten gehofft, man macht nochmal eine Bürgerversammlung, um das schwarze Peter Spiel zu vermeiden“, erklärt Günther Barth, kurz nachdem die Stadt Kierspe einen Flyer veröffentlicht hat. Dieser wurde "an bekannten Motorrad-Hotspots sowie in Gastronomiebetrieben im Umfeld der betroffenen Strecken ausgelegt", erklärt Hendrik Kasper von der Stadtverwaltung. Dazu zählen Eisdielen, Bäckerein oder Tankstellen, so Kasper weiter. Insgesamt wurden rund 400 Stück gedruckt. Der Flyer soll Motorradfahrer sensibilisieren, rücksichtsvoller zu fahren.
Bürgerinitiative macht Selbstversuch
Gerd Becker hat bei Bäckerei Gießelmann in der Friedrich-Ebert-Straße den Selbstversuch gemacht. Das Ergebnis: Nicht zufriedenstellend für ihn. „Ich habe nach den Flyern gefragt, da waren die Mitarbeiter sehr verwundert“, macht Becker deutlich. Die Flyer stehen auf einem Tisch in der Ecke, werden aber nicht aktiv verteilt. Wer einfach nur reingeht, etwas bestellt und sich draußen in die Sonne setzt wird sie übersehen, ist sich Becker sicher.
Günther Barth pflichtet ihm bei: "Diese Flyeraktion wirkt aus der Hüfte geschossen. Das kann man doch nicht zwischen Tür und Angel machen. Wenn man Geld für einen Flyer ausgibt, sollte die Stadt doch auch das Interesse haben, dass der Flyer an den Mann gebracht wird", findet er. Er bietet der Stadt eine gemeinsame Aktion zur Verteilung der Flyer an.
Über den Flyer wurde die Bürgerinititative im Vorfeld informiert. Oftmals kommen diese Informationen jedoch zu kurz, finden beide. Zum Beispiel zu den von ihnen angeregten Lärmmessungen und Verkehrszählungen, die der Märkische Kreis im vergangenen Jahr durchgeführt hat, haben beide keinerlei Rückmeldung bekommen. Ihre Hoffnung, dass im Winter die Messungen ausgewertet und Maßnahmen umgesetzt werden, hat sich nicht erfüllt.
Märkischer Kreis nicht zuständig
Auf LokalDirekt-Anfrage erklärt Ulla Erkens, Pressereferentin des Märkischen Kreises, dass im Mai und Juni Verkehrszählungen auf der K2 durchgeführt worden sind. "Dabei wurden durchschnittlich 1319 Fahrzeuge täglich erfasst, davon 162 Motorräder. An Sonntagen wurden durchschnittlich 212 Motorräder gezählt (bei insgesamt 1023 Fahrzeugen. Der Spitzenwert an einem Feiertag bezogen auf die Anzahl der Motorräder betrug 608 (bei 1.397 Fahrzeugen insgesamt)", so Erkens.
Sie skizziert, dass der Märkische Kreis nicht frei in den Entscheidungen ist, was angeordnet wird. Bei den Kreisstraßen handelt es sich um Straßen, die überörtlichen Verkehr aufnehmen sollen. "Damit ist stets auch eine Geräuschentwicklung verbunden", führt Erkens weiter aus. Auf Basis der Messungen im vergangenen Jahr hat der Landesbetrieb Straßen.NRW unter anderem Lärmberechnungen durchgeführt.
"Die Ermittlung der Verkehrsbelastung und die darauf aufbauende Lärmberechnung haben nicht zu einer Überschreitung der einschlägigen Orientierungswerte bezüglich der Lärmbelastung geführt. Eine qualifizierte Gefahrenlage ließ sich somit nicht herleiten. Die Unfallsituation ist ebenfalls weitgehend unauffällig. Vereinzelt kommt es zwar zu Unfällen, um eine Unfallhäufungsstrecke handelt es sich jedoch nicht", heißt es aus dem Kreishaus.
Bei der Bürgerinitiative sorgen vor allem die letzten beiden Sätze für Hoffnung: "Aktuell befindet sich der Märkische Kreis mit den Verantwortlichen der Bürgerinitiative bezüglich einer erneuten Terminfindung im Austausch. Mit der Stadt Kierspe und der Polizei steht der Märkische Kreis ebenfalls in Kontakt."
Keine "Verbots-Initiative"
Becker und Barth machen deutlich, dass es nicht darum geht, den Motorradfahrern etwas zu verbieten. Beide sind an einer konstruktiven Lösung interessiert. Sie betonen, dass das Gros der Motorradfahrer so fährt, dass die Anwohner nicht gestört werden, die Ausnahmen sich jedoch über die Zeit summieren: „Das ist über Jahre hinweg unerträglich, schlicht und ergreifend eine Zumutung“, findet Barth. Beide hoffen, dass die Ergebnisse der Verkehrsmessungen und mögliche Maßnahmen in einem offenen Dialog mit Kierspern, der Stadtverwaltung, der Kreisverwaltung und weiteren beteiligten Akteuren wie der Polizei oder Straßen.NRW besprochen werden.

















