Die Situation an der Schnörrenbach-Ruine hat auch für Reaktionen in der Politik gesorgt. Nachdem die Feuerwehr am Mittwoch, 19. August, gleich zweimal in das baufällige Gebäude ausrücken musste, wendete sich die Freie Wählergemeinschaft Kierspe (FWG) mit einem Brandbrief an Bürgermeister Olaf Stelse. Auch der Märkische Kreis ist in die Situation rund um das Gebäude eingebunden und hat erste Maßnahmen angestoßen.
Für den Fraktionsvorsitzenden Peter-Christian Schröder und seinen Stellvertreter Georg Würth ist so langsam das Ende der Fahnenstange erreicht. In dem Brandbrief bitten sie den Bürgermeister, "dafür zu sorgen, dass das betroffene Areal zeitnah effektiv abgesperrt wird."
Neben Gefahren für die eingesetzten Feuerwehrleute, die wiederholt in den Lost Place ausrücken müssen, sehen sie auch Kinder und Jugendliche, die das Gelände erkunden und möglicherweise verunglücken. Gegenüber LokalDirekt wird Schröder deutlich: "Mittlerweile ist das nicht nur ein Lost Place, sondern wirklich ein gefährlicher Ort. Das Ding ist nur noch abbruchreif, da kann man nichts mehr raus machen", positioniert er sich gewohnt deutlich.
FWG sieht eine akute Einsturzgefahr
Auch die Lage an der vielbefahrenen Landstraße 528 bereitet den beiden Bauchschmerzen. "Durch die wiederholte Löschwasserbelastung dürfte die Raum- und Gebäudestatik erheblich gefährdet sein, es besteht Einsturzgefahr! Sehr bedenklich ist in dem Zusammenhang auch der Standort", schreiben die Politiker in ihrem Brandbrief und ergänzen im Gespräch: "Wenn da jetzt mal eine durchnässe Wand einbricht und auf die Straße fällt, das will ich nicht erleben."
Schröder ergänzt: "Es ist auch unseren Feuerwehrleuten nicht zuzumuten, immer in so ein Loch reinzurennen. Das ist ja auch eine Gefährdung für die Einsatzkräfte." Damit leitet er zu Georg Würth über. Dieser leitete beinahe 20 Jahre lang die Kiersper Feuerwehr und hat auch heute noch gute Kontakte zu den Einsatzkräften.
Frustration bei ehrenamtlichen Feuerwehrleuten
Würth sorgt sich um eine zunehmende Frustration – sowohl bei den ehrenamtlichen Einsatzkräften, als auch bei deren Arbeitgebern. So langsam kommt laut ihm innerhalb der Feuerwehr die Frage auf, warum die Kommune untätig sei. Zudem habe er mit mehreren Arbeitgebern gesprochen. "Erste Arbeitgeber zeigen sich mittlerweiele kritisch gegenüber der Freistellung für solche Einsätze während der Arbeitszeit." Dabei machte Würth deutlich, dass es sich lediglich um Einsätze in der Schnörrenbach handele, bei anderen Einsatzstichworten und -Orten stehen die Arbeitgeber, mit denen er gesprochen hat, weiterhin voll hinter der Feuerwehr und dem Engagement ihrer Mitarbeiter.
Als dritten Punkt kritisierte Würth: "Obdachlose, Kinder und Migranten halten sich in dem Gebäude mehr oder weniger dauerhaft auf." Aus diesen Gründen hält die FWG eine "sofortige und effektive Absperrung dieses Geländes" für "zwingend erforderlich." Würth brachte im Gespräch mit LokalDirekt auch eine Ersatzvornahme der Behörde ins Spiel.
Bauaufsichtsbehörde des Märkischen Kreises war vor Ort
Schon seit längerem befassen sich nicht nur die Stadt, sondern auch der Märkische Kreis als Bauaufsichtsbehörde mit dem Gebäude. Bereits im November 2025 erklärte Alexander Bange, Pressesprecher des Märkischen Kreises, auf Anfrage von LokalDirekt: "Mit dem Eigentümer sollen in Kürze Sicherungsmaßnahmen konkret vor Ort besprochen und umgesetzt werden." Schon damals waren die Eigentumsverhältnisse kompliziert.
Aktuell redet im Kreishaus niemand mehr von gemeinsam geplanten Maßnahmen – stattdessen liegt der Kreis mit dem Eigentümer im Rechtsstreit. Christian Schwanke, Sprecher der Feuerwehr Kierspe, folgerte aufgrund des Rechtsstreits, dass kein wirklicher Wille da zu sein scheint, Veränderungen anzustreben.
Auch der Kreis ist mittlerweile im Bereich der Ersatzvornahme angekommen. Im Rahmen der Ersatzvornahme beauftragt eine Behörde die Aufgabe, die eigentlich einer Privatperson, in dem Fall dem Eigentümer obliegt. In dem Fall der Schnörrenbach-Ruine die Sicherung vor unbefugtem Betreten. Dadurch sollen nicht nur die Einsatzzahlen von Feuerwehr und Rettungsdienst verringert, sondern auch Passanten geschützt werden, die durch das Gebäude gefährdet werden könnten. Dieses umfangreiche Verfahren wurde zwar vom Kreis angestoßen, zieht sich jedoch aktuell noch hin. Die Kosten für die Sicherungsmaßnahmen kann der Kreis sich dann vom Eigentümer des Gebäudes zurückholen.
Polizei ist kein privater Sicherheitsdienst
Polizei-Pressesprecher Christoph Hüls gab auf LokalDirekt-Anfrage einen Einblick in die polizeiliche Einsatzhistorie rund um das Gebäude: Seit Anfang April gab es 13 Polizeieinsätze in der Schnörrenbach-Ruine. Drei der Einsätze waren Brände. Er machte jedoch deutlich: "Wir können jedoch keinen privaten Sicherheitsdienst stellen." Auch eine vermehrte Bestreifung biete lediglich punktuelle Kontrollen, dauerhaft präsent kann die Polizei an dem Objekt zwischen Kierspe und Meinerzhagen nicht sein, machte er deutlich.
Feuerwehr-Sprecher Schwanke fasst in einem Satz zusammen, was für die Einsatzkräfte vermutlich noch länger dauern wird, ehe das juristische Tauziehen zwischen den Behörden und dem Eigentümer vorbei ist: "Die Schnörrenbach wird der Polizei und uns als Feuerwehr als Einsatzstelle noch länger erhalten bleiben."










