Ehemaliger SPD-Abgeordneter feiert am 3. April bei bester Gesundheit seinen Geburtstag.
Wenn sich so viel politische SPD-Prominenz in einem Wohnzimmer trifft, muss es ein besonderer Tag und ein wichtiger Anlass sein. Iserlohns Vize-Bürgermeister und SPD-Stadtverbandsvorsitzender Michael Scheffler, die ehemalige Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag, deren Nachfolgerin Bettina Lugk und die SPD-Fraktionsvorsitzende Eva Kitz sind gekommen, um einem besonderen Sozialdemokraten zu seinem Ehrentag zu gratulieren. Heinz-Alfred Steiner feiert seinen 90. Geburtstag in beneidenswerter Konstitution. Wenn so viel lokale Politprominenz beisammen ist, gibt es viel zu erzählen. Ein Thema wird aber in der Runde bewusst sehr klein gehalten – der aktuelle Zustand der SPD. Die Gratulanten wollen Heinz-Alfred Steiner seinen Ehrentag nicht verderben. Der meint dennoch: „Es sieht gerade nicht gut aus. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten.“
14 Jahre im Bundestag
Bessere Zeiten ihrer Partei haben Steiner und dessen Geburtstagsgäste über viele Jahre miterlebt. Heinz-Alfred Steiner unter anderem Mitglied des Deutschen Bundestages, dem er von 1980 bis 1994 angehörte. Der 90-Jährige war seinerzeit über die Landesliste seiner Partei im Wahlkreis 150 – heute 149, Märkischer Kreis II – mit den Städten Altena, Balve, Hemer, Iserlohn, Menden, Nachrodt-Wiblingwerde, Neuenrade, Plettenberg und Werdohl ins Parlament gerückt. 1994 räumte er seinen Platz für die Iserlohnerin Dagmar Freitag. Die erinnert sich noch sehr genau an den damaligen Anruf des Parteifreundes: „Ich mache Schluss. Ich habe meine Kinder nicht aufwachsen sehen. Ich möchte zumindest meine Enkel aufwachsen sehen.“
Dreher gelernt
In Wattenscheid geboren, war Heinz-Alfred Steiner 1972 an die Truppendienstliche Fachschule der Luftwaffe nach Iserlohn gekommen. 1974 war er erstmals in den Rat der Stadt gewählt worden. Er hatte Dreher gelernt und zuvor einige Jahre in diesem Beruf gearbeitet. 1959 war er in die Bundeswehr eingetreten und wurde Berufssoldat. Bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand nach seiner Wahl in den Deutschen Bundestag brachte er es bis zum Hauptmann. Steiner war zwischenzeitlich Vorsitzender des Verbandes der Reservisten, 1998 Ehrenmitglied des Bundeswehr-Sozialwerks und Ehrenpräsident des Reservistenverbands.
„Bundeswehr ein Abbruchunternehmen“
„Die Bundeswehr war 1992 ein Abbruchunternehmen“, lautet Steiners Urteil über die damalige Armee. Er muss es wissen, von 1990 bis 1994 war er stellvertretender Vorsitzender des Verteidigungsausschusses. Eine Position, die heute seine Nach-Nachfolgerin Bettina Lugk ebenfalls innehat. Schnell fand Steiner eine Aufgabe, „die ich mit viel Freude ausgeübt habe“. Als Mitglied des Ausschusses für Innerdeutsche Beziehungen nämlich. Der Ausschuss war ein ständiger parlamentarischer Ausschuss des Deutschen Bundestages, der sich mit den Beziehungen zur DDR, Fragen der Wiedervereinigung und der Förderung des Zonenrandgebiets befasste.
Minen-Räumgerät entwickelt
„Dazu gehörte auch die Minenräumung an der innerdeutschen Grenze, denn die Liegenschaften gehörten damals der Nationalen Volksarmee der DDR“, so Steiner. Mit einem Schmunzeln erzählt er den Geburtstagsgästen, dass er eine Straßenbau-Fräse für die Minenräumung hatte umbauen lassen. „Die Methode haben andere Länder später übernommen.“ In seine Abgeordnetenzeit fällt auch seine Arbeit in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und der Westeuropäischen Union. Dort war er Vizepräsident. „Ich hatte ein Büro in Paris. Mindestens einmal pro Woche sei er deshalb nach Paris geflogen“, erinnert sich Heinz-Alfred Steiner. 1993 wurden dem Iserlohner die 16-stündigen Arbeitstage zu viel. „Da habe ich meinem Körper schon sehr viel zugemutet.“ Es reifte die Entscheidung für den Ausstieg aus der Politik. Seine Nachfolge wusste er bei Dagmar Freitag in guten Händen.
Große Familie gratuliert
Jetzt war endlich mehr Zeit für die Familie. Dazu gehören neben Ehefrau, drei Töchter und einem Sohn auch neun Enkelkinder und zehn Ur-Enkel. Wie herzlich die Beziehung ist, zeigt sich am Geburtstag, als eine Urenkelin ihren Urgroßvater leidenschaftlich herzt. Trotz des inzwischen großen Abstands verfolgt Steiner die Politik in Bund, Land und vor allem in Iserlohn noch sehr interessiert. Wann immer es passt, sieht man ihn auch noch auf den Parteiveranstaltungen. Bis vor zwei Jahren war er auch noch viel auf Reisen – jetzt erfreut sich Heinz-Alfred Steiner an der Gartenarbeit.








