Wie kann Herscheid künftig klimafreundlich, zuverlässig und bezahlbar mit Wärme versorgt werden? Antworten auf diese Frage soll die kommunale Wärmeplanung liefern. Die Arbeiten daran sind inzwischen etwa zur Hälfte abgeschlossen. Anfang 2027 soll das Konzept fertig sein.
In der Sitzung des Umweltausschusses am Dienstag, 15. September, stellte Christina Spiegel vom Institut für nachhaltige Energieversorgung den aktuellen Stand vor. Untersucht wird, wie hoch der Wärmebedarf in Herscheid ist, welche erneuerbaren Wärmequellen genutzt werden könnten und welche Versorgungsformen sich für die unterschiedlichen Bereiche der Gemeinde eignen.
Eine Storymap soll Bürger Schritt für Schritt durch den Planungsprozess führen und laufend um neue Ergebnisse ergänzt werden.
Erdgas ist bislang wichtigster Energieträger
Die Bestandsanalyse zeigt, dass Wärme rund die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs in Herscheid ausmacht. Erdgas spielt bei der Wärmeversorgung derzeit die größte Rolle. Daneben kommen vor allem Heizöl und Biomasse zum Einsatz. Wärmepumpen erreichen bislang einen Anteil von rund 2,6 Prozent.
Rund 80 Prozent des Wärmeverbrauchs entfallen auf private Haushalte. Weitere wesentliche Anteile haben Gewerbe und Dienstleistungen sowie die Industrie. Kommunale Gebäude kommen auf rund 2,9 Prozent des gesamten Wärmeverbrauchs.
Die Auswertung beruht laut Spiegel im Wesentlichen auf Daten aus den Jahren 2023 bis 2025. Eingeflossen sind Angaben zu Gebäuden und Baualtersklassen, Verbrauchsdaten, Informationen der Energieversorger sowie öffentlich verfügbare Daten wie der Zensus.
Die Ergebnisse werden für größere Gebiete zusammengefasst. Aus der Wärmeplanung lässt sich deshalb nicht ableiten, welche Heizung sich für ein bestimmtes Gebäude eignet.
Photovoltaik bietet großes Potenzial
Die Planer haben zudem verschiedene Möglichkeiten für die künftige Wärmeversorgung untersucht. Ein großes Potenzial sehen sie bei Photovoltaikanlagen auf vorhandenen Dachflächen. Würden rund 40 Prozent der geeigneten Dachflächen genutzt, könnten nach der Berechnung bis zu rund 9840 Megawattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden.
Biomasse spielt in Herscheid bereits heute eine wichtige Rolle. Untersucht wurden vor allem Potenziale aus Wald- und landwirtschaftlichen Flächen. Wie viel davon tatsächlich für die Wärmeversorgung genutzt werden könnte, hängt allerdings von anderen Nutzungen und den Möglichkeiten der Umsetzung ab.
Weitere Untersuchungen beschäftigen sich mit Wärmepumpen, Umweltwärme, Solarthermie und Geothermie. Die Voraussetzungen unterscheiden sich dabei je nach Ortsteil und Siedlungsstruktur.
Wärmenetze kommen nicht überall infrage
Unterschiede gibt es auch bei den Voraussetzungen für Wärmenetze. Bei einem solchen Netz wird Wärme zentral erzeugt und über gedämmte Leitungen zu mehreren Gebäuden transportiert. Dort steht sie beispielsweise für Heizung und Warmwasser zur Verfügung.
Dichter bebaute Bereiche mit einem hohen Wärmebedarf können grundsätzlich eher für ein Wärmenetz infrage kommen als kleine, verstreut liegende Ortsteile. Zu den Bereichen, die in Herscheid näher betrachtet werden, gehören der Ortskern, Hüinghausen und Friedlin.
Für Gebiete, in denen ein Wärmenetz grundsätzlich möglich erscheint, sollen weitere Untersuchungen folgen. Dabei geht es um den Wärmebedarf, mögliche Wärmequellen, die vorhandene Infrastruktur und die wirtschaftlichen Voraussetzungen.
Wärmeplanung schreibt keine Heizung vor
Für Hauseigentümer bedeutet die kommunale Wärmeplanung zunächst keine Vorgabe für eine bestimmte Heizungsart. Sie ist eine strategische Planung für das gesamte Gemeindegebiet.
Im weiteren Verfahren soll untersucht werden, welche Formen der Wärmeversorgung in den verschiedenen Bereichen Herscheids langfristig möglich sind. Infrage kommen beispielsweise eine zentrale Versorgung über Wärmenetze oder dezentrale Lösungen für einzelne Gebäude.
In den kommenden Monaten sollen die vorhandenen Potenziale weiter ausgewertet und mögliche Wärmenetzgebiete genauer untersucht werden. Daraus sollen eine Gebietseinteilung und eine Strategie für die Wärmewende in Herscheid entstehen.
Die Ergebnisse sollen zudem digital und interaktiv aufbereitet werden, damit Bürger den Stand der Wärmeplanung und die weitere Entwicklung nachvollziehen können.
Bürgerinformation am 26. Oktober
Über den bisherigen Stand informiert die Gemeinde am 26. Oktober bei einer Bürgerinformationsveranstaltung. Dort sollen die bisherigen Ergebnisse erläutert und Fragen aus der Bevölkerung aufgenommen werden.
Thematisiert werden die derzeitige Wärmeversorgung in Herscheid, die Potenziale erneuerbarer Energien, mögliche Wärmenetze sowie Lösungen für kleinere Ortsteile und einzelne Gebäude. Außerdem soll erläutert werden, was die Wärmeplanung für Hauseigentümer bedeutet und welche Schritte nach Abschluss des Konzepts folgen.









