Anlässlich des Weltfrauentages war die Attendorner Kabarettistin Anja Geuecke auf Einladung der Plettenberger Gleichstellungsbeauftragten Mareike Masuch im Ratssaal zu Gast. In ihrer Paraderolle als Hettwich vom Himmelsberg löste die wortwitzige Sauerländerin Lachsalven im ausverkauften Ratssaal aus. Erwartungsvoll auf einen Abend voller Witz, Satire und spitzer Pointen, scharrte die vorwiegend weibliche Zuschauermenge förmlich mit den Füßen, um Hettwichs Ansichten auf große Politik, die kleine zwischen Rathaus und Bücherei sowie Gegebenheiten aus dem Alltag zu erhalten.
Hettwich ist immer gut vorbereitet. Mit scharfem Blick nimmt sie sich Nachrichten aus allen Teilen der Medienlandschaft vor, schaut aus dem Fenster in die Nachbarschaft, bekommt so manches zugetragen und somit eine gute Basis für ihre humorvolle, augenzwinkernde Art der Nachrichtenaufbereitung. Als Christin und Demokratin, wie sie sich selbst beschreibt, sei es ihre Pflicht, zur Tagesschau noch wach zu bleiben, um zu sehen, was in der Welt so passiert, auch wenn es sie manches Mal drängen würde, das Einschlafspray Melatonin anzuwenden.
Eigentlich ist sie unbeschreiblich, die Hettwich. Ihr Humor kann nicht wiedergegeben werden - den muss man hautnah fühlen und erleben. Natürlich ist sie als ureigene Gestalt ebenfalls ein wichtiger Faktor zum Schmunzeln, Grinsen und Lachen. Wiedererkennungsutensilien wie ihre rote Kappe, das türkisfarbene Brillengestell und ihre gehaltvolle rote „Gießkannenhandtasche“ gehören stets zum Auftritt dazu. Dieses Mal hatte sie sogar einen Teil ihres eigenen Mobiliars mitgebracht, da das Bühnenpodium im Rathauskeller im Verlauf der Coronazeit einen Totalschaden erlitten hatte und entsorgt werden musste. So stand die rührige Hettwich kurzerhand auf einer Holzkiste an ihrem eigenen Stehtisch, der geschmückt war mit einer zitronenbedruckten Tischdecke, ebenfalls aus dem eigenen Hausstand. Mit Blick auf den defizitären Haushalt der Stadt Plettenberg kokettierte Hettwich mit Bürgermeister Ralf Beßler: „Ich bin total günstig, was meine Gage anbetrifft. Ich bringe ja sogar alles mit.“ Augenzwinkernd verwies Hettwich auf ein Muss für ein weiteres Engagement im kommenden Jahr hin, da sie ja erstmal lernen müsse, wie der neue Bürgermeister ticke.
Zum Titel ihres Programms „Der Teufel ist ein Eichhörnchen“ erklärte die Kabarettistin, dass sie diesen Spruch ihres Handwerkers genommen habe, als vor 312 Tagen der Fritze beim ersten Wahlgang nicht gewählt wurde und stimmte süffisant an: „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du wirst gewählt …“ Zugute halten müsse man dem Fritze dann doch, dass nun auch alle wissen, wo denn das Sauerland liege.
Zugeben musste Hettwich, dass ihr dieses Jahr ihr Frohsinn abhanden gekommen sei. In Verdacht kam ihr Göttergatte Siechfried, „ihn verräumt zu haben. Was hab ich den zu Hause schon gesucht. Ich hatte auch keine Dose Frohsinn vom letzten Jahr mehr, es war wirklich alles aufgebraucht.“ Dann habe sie ihren Frohsinn erwischt, der einen auf Lifestyle-Teilzeit gemacht habe mit der Ausrede, er müsse auf den kleinen Ernst des Lebens aufpassen. „Und der Friedrich Merz, der kann sich seine Ansicht über Lifestyle-Teilzeit, ehrlich gesagt, gerne auf den Hintern tätowieren“, meinte Hettwich energisch und echauffierte sich weiter, was dieser sich dabei denke, ob die Menschen, die sich in der Teilzeit-Falle befänden, dies alle freiwillig machen würden? Die Rentenlücke wäre einem schon klar. Und schwupp fand Hettwich die Überleitung von der Multitasking-Unfähigkeit zum Plettenberg-Attendorn-Konflikt, zu Frauen-Männer-Ansichten und, und, und.
Fast ohne Luft zu holen, bombadierte Hettwich die Zuschauer mit ihren amüsanten Ansichten zu Themen aus aller Welt und der Nachbarschaft. Themenmäßigen Einfluss auf ihr Programm hatte auch Geueckes frühere Arbeit beim Erzbistum Paderborn. So wurden neben No-Goes der großen Politik auch Schlagzeilen aus der Kirche von ihr aufs Korn genommen. Immer wieder wurde das Ganze mit Begebenheiten aus dem Alltag verwoben. Genau zuhören hieß die Devise. Dass dies die Männer, die in ihrer Anzahl im Publikum gerade die Handvoll knapp überschritten, auch tun, dessen vergewisserte sich Hettwich in schönster Regelmäßigkeit. Da nutzte es auch nicht, sich in der letzten Reihe zu verstecken. Hettwich befasste sich des Weiteren mit der Haltung der Generation Z, überfrommen Moralisten, Schießfähigkeiten der männlichen Schützenkönigskandidaten, dem Ehrenamt, der pekuniären Ausbeutung durch sogenannte Lifestyle-Seminare, der Situation der Frauen, dem Geburtenrückgang.
Viel zu schnell war die Veranstaltung zu Ende. Das Publikum dankte mit großem Applaus und fragte anschließend nach gemeinsamen Fotos mit der beliebten Akteurin. Das Schmunzeln und Lächeln blieb selbst beim Herausgehen noch lange in der Mimik haften.








