1996 schrieb der TuS Ennepe Vereinsgeschichte. Nach einer spannenden Saison, einem verspielten Vorsprung und einem dramatischen Entscheidungsspiel gegen den TuS Halver gelang der 1. Mannschaft erstmals der Aufstieg in die Bezirksliga. Im Rahmen des 100-jährigen Vereinsjubiläums kam es zur Neuauflage des legendären Kreisliga-Krimis: Auf der Friedrichshöhe trafen beide Teams am Samstag, 11. Juli, erneut aufeinander und erinnerten an den wohl größten sportlichen Erfolg des Vereins.

Mit Verstärkung aus Halver in die neue Saison

Der Weg zum Aufstieg war jedoch kein Selbstläufer. Nach dem Gewinn der Kreismeisterschaft ging die Mannschaft zunächst mit großem Selbstvertrauen in die neue Saison. Unter der Leitung von Spielertrainer Thomas Schlepps blieb der Kader weitgehend zusammen und wurde gezielt verstärkt. Nach dem Abstieg des TuS Halver aus der Bezirksliga wechselten mit Michael Pawlak, Axel Salomon und Dirk Brückelmann drei erfahrene und spielstarke Akteure nach Schwenke. Während der TuS Ennepe zunächst ohne großen Druck in die Saison starten wollte, hatte der TuS Halver die direkte Rückkehr in die Bezirksliga fest im Blick.

Zehn Punkte Vorsprung und der Traum vom Aufstieg

Schon früh zeigte sich, dass beide Mannschaften die Liga dominierten. Der TuS Ennepe erwischte einen hervorragenden Start und setzte sich mit einer Siegesserie an die Tabellenspitze. Erst am achten Spieltag musste die Mannschaft gegen den TuS Herscheid die erste Niederlage hinnehmen, blieb aber weiterhin ganz oben dabei. Die Liga war insgesamt eng umkämpft, sodass jeder Punkt entscheidend werden konnte.

Ein erstes großes Ausrufezeichen setzte Ennepe am Ende der Hinrunde. Beim direkten Duell gegen den TuS Halver auf der Friedrichshöhe ging es vor mehr als 300 Zuschauern um die Herbstmeisterschaft. Trotz einiger Ausfälle in der Defensive spielte Ennepe mutig nach vorne und legte durch Treffer von Detlef Bünger und Thomas Schlepps eine 2:0-Führung vor. Halver kam zwar noch einmal heran, doch die Gastgeber brachten den knappen Vorsprung ins Ziel und feierten mit dem 2:1-Erfolg die Herbstmeisterschaft. Mit einem komfortablen Vorsprung von zehn Punkten ging der TuS Ennepe in die Winterpause.

Die Wende im Aufstiegsrennen

Die starke Offensive um Dirk Brückelmann, Thomas Schlepps und Christian Woitschig sorgte dafür, dass viele Anhänger bereits vom großen Ziel des Aufstiegs träumten. Doch die Rückrunde sollte noch einmal zur Bewährungsprobe werden. Verletzungen bremsten die Mannschaft, besonders der längere Ausfall von Torjäger Dirk Brückelmann machte sich bemerkbar. Gleichzeitig kämpfte sich der TuS Halver Punkt für Punkt zurück ins Rennen. Nach einer Niederlage beim LTV 61 war die Tabellenführung wenige Wochen vor Saisonende schließlich verloren.

Ennepe erzwingt das Entscheidungsspiel

Damit wurde der letzte Spieltag zu einem echten Endspiel. Gegen den TuS Halver musste ein Sieg her, um die Chance auf den Aufstieg zu erhalten. Vor mehr als 700 Zuschauern zeigte Ennepe erneut die Mentalität, die die Mannschaft über die gesamte Saison ausgezeichnet hatte. Axel Salomon brachte den TuS in Führung, Dirk Brückelmann erhöhte in der Schlussphase auf 2:0. Der Sieg bedeutete: Es musste ein Entscheidungsspiel um den Aufstieg geben.

Ennepe schreibt auf dem Dickenberg Vereinsgeschichte

Dieses Finale entwickelte sich auf dem Dickenberg in Lüdenscheid zu einem echten Fußballkrimi. Bei Dauerregen und schwierigen Platzverhältnissen kämpften beide Mannschaften um jeden Ball. Der TuS Ennepe musste nach einer Roten Karte bereits früh in Unterzahl weiterspielen, hielt dem Druck des TuS Halver aber mit großer Leidenschaft stand. In der 67. Minute folgte dann der entscheidende Moment: Nach einem Foul an Axel Salomon gab es Elfmeter. Kapitän Lutz Wengenroth übernahm die Verantwortung und verwandelte sicher zur Führung.

Halver warf anschließend alles nach vorne, doch Ennepe setzte den entscheidenden Konter. Hans-Hasso Steinke erzielte das 2:0 und brachte seine Mannschaft dem Aufstieg ganz nah. Als Halver wenig später selbst einen Strafstoß zugesprochen bekam, hielt Torwart Peter Schebestik den TuS mit einer starken Parade im Spiel. Zwar gelang dem Gegner noch der Anschlusstreffer, doch Ennepe verteidigte den Vorsprung in einer dramatischen Schlussphase bis zum Abpfiff.

Mit dem 2:1-Sieg gegen den favorisierten TuS Halver war der historische Aufstieg perfekt. Zum ersten Mal spielte der TuS Ennepe in der Bezirksliga – ein Erfolg, der bis heute unvergessen ist. Und genau an diesen besonderen Moment sollte im Rahmen der Festwoche zum 100-jährigen Vereinsjubiläum erinnert werden.

Die Abschlusstabelle in der Kreisliga 1996.
Foto: TuS Ennepe

Kreisliga-Klassiker feiert Wiederbelebung

Am Samstagabend, 11. Juli, sollte es dann so weit sein: Ein Kreisliga-Klassiker feierte seine Wiederauflage. Beim Traditionsspiel kehrten die damaligen Akteure noch einmal auf den Platz zurück und ließen die Erinnerungen an einen legendären Fußballabend wieder lebendig werden.

Im Traditionsspiel kam es zum Duell zwischen dem TuS Ennepe und dem TuS Halver.
Foto: Jung

Da die Körper der ehemaligen Spieler mittlerweile einige Jahre mehr auf dem Buckel haben, wurden die Bedingungen den sommerlichen Temperaturen entsprechend angepasst. Gespielt wurde daher 50 Minuten auf dem Kleinfeld mit Kleintoren – der Spaß und die gemeinsame Freude am Fußball standen dabei klar im Vordergrund.

Auch die bei der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft viel diskutierte Trinkpause durfte natürlich nicht fehlen. Nach jeweils 12,5 Minuten wurde kurz durchgeatmet und neue Energie gesammelt. Ob dabei Wasser oder doch ein kühles Bier zum Einsatz kam, war an diesem Abend jedem selbst überlassen.

Das Spiel war zwar nicht mehr auf dem Niveau wie vor 30 Jahren, doch die Spannung und der Ehrgeiz waren noch genauso vorhanden. Wenige Minuten nach dem Anpfiff ging der TuS Halver mit 1:0 in Führung. Doch die Freude hielt nicht lange: Direkt nach dem Anstoß nutzte der Gastgeber aus Schwenke eine kurze Unachtsamkeit und glich zum 1:1 aus.

Für ein Highlight sorgte wenig später der TuS Ennepe, als ein Freistoß aus sehr spitzem Winkel direkt im Tor landete. „Der BVB kann kommen“, rief ein Mitspieler dem Torschützen zu. Der Grund für die Vorfreude: Am 18. Juli trifft die Traditionsmannschaft des TuS Ennepe auf die Legenden-Elf von Borussia Dortmund – LokalDirekt berichtete.

Danach war erst mal nur der Gast am Drücker und wollte den Ausgleich unbedingt. Doch zweimal Aluminium und eine Glanztat des Schwenker Hintermanns verhinderten kurz vor der Trinkpause den verdienten Ausgleich. Kurz darauf zeigte sich dann das altbekannte Sprichwort: „Wenn du die Tore vorne nicht machst, kassierst du sie hinten." Die Konsequenz daraus: Der TuS Ennepe erhöhte auf 3:1. Der Jubel auf Seiten der Gastgeber war entsprechend groß.

Der TuS Ennepe erhöhte trotz der Druckphase des Gastes auf 3:1.
Foto: Jung

Danach war wieder der TuS Halver an der Reihe. Direkt nach dem Anstoß verkürzte der Gast auf 3:2 und hatte kurz darauf sogar die Chance auf den Ausgleich zum 3:3. Stattdessen köpfte Ennepe in der Nachspielzeit den Ball über den gegnerischen Torwart hinweg ins Netz und erhöhte auf 4:2.

Tus Ennepe erhöhte in der Nachspielzeit auf 4:2.
Foto: Jung

Doch das sollte es an diesem Abend noch nicht gewesen sein. Zum dritten Mal nutzten die Spieler direkt nach dem Anstoß den noch andauernden Jubel des Gegners aus und verkürzten erneut. 4:3.

„Schiri, pfeif endlich ab“, riefen die Ennepe-Zuschauer, die nun sehnsüchtig auf den Schlusspfiff warteten. Und diesen sollten sie wenig später bekommen: Der TuS Halver kam nicht mehr gefährlich vor das Tor und musste sich an diesem Abend geschlagen geben. Ganz wie vor 30 Jahren, als die Schwenker ihren größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierten.