Sind Eintrittspreise eine Hürde? Gibt es eine Hemmschwelle, die Menschen vom Besuch kultureller Veranstaltungen abhält? Und wie lassen sich freie Restplätze im Kulturhaus besser vermarkten? Mit diesen Fragen befasste sich der Kulturausschuss in seiner jüngsten Sitzung. Dabei ging es sowohl um kostenlose Eintrittskarten für Menschen mit geringem Zugang zu Kultur als auch um kurzfristig vergünstigte Tickets für jüngere Besucher.
Einstimmig unterstützte der Ausschuss den Antrag auf das Projekt „Kultur für alle“, das der Kulturbeirat ausgearbeitet hatte. Ziel ist es, im Rahmen der Möglichkeiten der Stadt ein angemessenes Kontingent an Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Damit sollen Zugangsbarrieren abgebaut und mehr kulturelle Teilhabe ermöglicht werden.
Für Eigenveranstaltungen des Kulturhauses könnten künftig bis zu zehn Karten zur Verfügung gestellt werden. Die genaue Zahl legt jeweils der Veranstalter fest. Die anschließende, mehrstufige Koordination übernimmt der Kulturbeirat. Am Ende soll das kostenlose Kartenkontingent den Empfangsberechtigten den Besuch einer Theater- oder anderen Kulturveranstaltung ermöglichen.
Auf einer anderen Ebene setzte der Antrag der Grünen an. Sie schlugen vor, freie Restplätze im Kulturhaus ab 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn vergünstigt an Menschen bis 30 Jahre zu vergeben.
Im Ausschuss wurde über die Ausgestaltung diskutiert. Jens Voß (SPD) schlug vor, den Preis auf fünf Euro festzusetzen und die Altersgrenze auf 25 Jahre zu senken. Der sachkundige Bürger Eugen Cramer (Bündnis 90/Die Grünen) unterstützte diesen Vorschlag. Auch die Linken signalisierten trotz der von ihnen als „Verschärfung“ bezeichneten Änderungen Zustimmung.
Kritik kam von Norbert Adam (sachkundiger Bürger, CDU). Angesichts der ohnehin moderaten Eintrittspreise sei ihm die Notwendigkeit eines zusätzlichen Angebots nicht einsichtig. Zudem verwies er auf den zusätzlichen Verwaltungsaufwand.
Bereits Vergünstigungen vorhanden
Im Verlauf der Beratung wurde deutlich, dass es bereits verschiedene Vergünstigungen gibt. So können Musikschüler bestimmte Musikveranstaltungen kostenlos besuchen. Darüber hinaus bestehen bereits rabattierte Kartenkontingente.
Kulturhausleiter Dirk Lattemann brachte deshalb eine weitere Möglichkeit ins Gespräch: ein U-30-Abo. Dieses könne als „Commitment dem Kulturhaus gegenüber“ verstanden werden und zugleich jungen Menschen entgegenkommen. Ein Last-Minute-Angebot könne dagegen einen unerwünschten Nebeneffekt haben: „Wenn ich unter 30 wäre, würde ich dann über ein Abo gar nicht mehr nachdenken.“
Damit rückte eine grundlegendere Frage in den Mittelpunkt: Welche Möglichkeiten für vergünstigte oder kostenlose Kulturangebote gibt es im Kulturhaus bereits?
Der Vorsitzende Dominik Hass-Sommer formulierte sie als Arbeitsauftrag. Dirk Lattemann soll nun einen Überblick über die bestehenden Angebote erstellen. Zugleich will der Kulturhausleiter in der laufenden Spielzeit ab Januar 2027 noch einen ersten Versuch mit einem halben Jugend-Abo starten.
Anschließend soll geprüft werden, welche Modelle sich bewähren und wie die vorhandenen Angebote sinnvoll ergänzt werden können.








