Lesen fällt nicht jedem Kind leicht. Wie sich dennoch Begeisterung für Bücher wecken lässt, zeigte Frank Sommer am Donnerstag, 15. Oktober, den Siebtklässlern der Humboldtschule in Halver beim "Karaoke-Lesen". Mit seinem Konzept aus gemeinsamem Lesen und spielerischem Kennenlernen von Geschichten ermutigte er die Jugendlichen, Neues auszuprobieren und ihren eigenen Lesegeschmack zu entdecken.
Kinder ans Lesen heranführen
Es gibt Kinder, die verschlingen jedes Buch, sobald sie selbst lesen können. Andere wiederum tun sich schwer damit, sich auf Geschichten einzulassen – ganz gleich, welchem Genre sie angehören.
Dieser Herausforderung möchte die Humboldtschule in Halver mit dem inzwischen traditionellen Besuch von Frank Sommer begegnen. Der Schauspieler mit theaterpädagogischer Zusatzausbildung möchte erreichen, dass Kinder ihre oft negative Selbsteinschätzung überwinden und ein positiveres Bild von den eigenen Fähigkeiten entwickeln.
„Karaoke-Lesen ist der Versuch, das zu durchbrechen“, sagte er nach der Stunde, die er mit den drei Klassen der Jahrgangsstufe 7 verbracht hat. Und er ergänzte: „Kinder brauchen keine Hochliteratur. Man muss sie einfach überhaupt ans Lesen heranführen.“
"Wir brauchen die Lesekompetenz jedes Kindes"
Seit mehr als 30 Jahren widmet sich Frank Sommer mit seinem Berliner Leseförderprojekt "Eventilator" dieser Aufgabe. Auf die Frage, ob es in den vergangenen drei Jahrzehnten schwieriger geworden sei, Kinder an Literatur heranzuführen, antwortete er: „Es war immer schon eine Herausforderung. Sie wird heute aber deutlicher, weil die Lesefähigkeit stärker untersucht wird. Auch im Leben nach der Schule ist die Bedeutung der Lesekompetenz gestiegen.“ Umso wichtiger sei es, die Kinder zu unterstützen. „Wir brauchen diese Kinder. Wir müssen sie unterstützen. Wir sind auf jeden Einzelnen von ihnen angewiesen“, betont er.
Um die Neugier der Schüler auf die vielfältigen Möglichkeiten der Literatur zu wecken, wurde die Kombination aus Speeddating mit Buch und Karaoke-Lesen entwickelt.
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Für die Schüler der Humboldtschule hatte Frank Sommer im Vorfeld aus einer großen Auswahl einige Bücher ausgewählt. Krimis, Gruselgeschichten, Liebesgeschichten und Erzählungen aus dem Alltag – für jeden Geschmack war etwas dabei. Schon der erste Blick auf das Cover ließ die Schüler überlegen, ob es sich lohnen könnte, sich näher mit der dahinterliegenden Geschichte zu beschäftigen.
Kinder sollen selber erkennen, welche Bücher ihnen Spaß machen
Anschließend wurden einige wenige Seiten aus den Büchern gelesen. Manche Passagen übernahm der gelernte Schauspieler selbst und hob mit seiner Darbietung besonders spannende oder wichtige Stellen hervor. Andere, farblich markierte Zeilen sollten die Schüler gemeinsam im Chor lesen. Zwar hatten die rund 74 Jungen und Mädchen das Prinzip des Karaoke-Lesens schnell verstanden, doch das Ergebnis des gemeinsamen Lesens erinnerte zunächst eher an eine "akustische Kakophonie". Trotzdem konnten die Schüler nach jedem Buch entscheiden, ob sie es in ihrer Freizeit weiterlesen würden. Abgestimmt wurde für alle sichtbar mit dem Daumen nach oben oder nach unten.
„Diese Bewertungen der Bücher bleiben aber hier im Raum“, stellte Frank Sommer klar. „Es geht also zum Beispiel keine Information darüber an die jeweiligen Verlage. Die Kinder sollen nur lernen, selbst einzuschätzen, was ihnen gefallen könnte und was nicht.“
Positive Bilanz
Die Rückmeldungen der Humboldtschüler fielen aus seiner Sicht insgesamt sehr positiv aus. „Wir Erwachsenen müssen uns abgewöhnen, den Kindern vorzuhalten, was sie nicht können. Im Gegenteil: Wir müssen ihnen zeigen, was sie können, und damit ihr Selbstwertgefühl stärken“, wünscht sich Sommer.
Wie viel die Schüler sich zutrauen, bewiesen Gentian, Adam und Levin bei der abschließenden Buchvorstellung von „Heartstopper“. Die drei Jungen übernahmen auf der Bühne die Leseparts der Protagonisten – vor den Augen und Ohren ihrer Mitschüler. Dafür ernteten sie tosenden Applaus.
Jennifer Schmolz, Lehrerin an der Humboldtschule, koordiniert das regelmäßige Karaoke-Lesen, das vom Rotary Club Meinerzhagen gesponsert wird. Zum Abschluss gab sie den Schülern eine Ermutigung mit auf den Weg: „Lesen macht so viel Spaß, wenn man erst einmal reingekommen ist. Und auch ihr werdet das richtige Buch für euch finden. Da bin ich mir sicher.“










