Ob Smartphone, Tablet, Computer oder Spielkonsole – Kinder sind heute schon sehr früh und täglich mit digitalen Medien konfrontiert. Diese bieten viele Möglichkeiten, zum Lernen, Spielen und Entdecken. Allerdings stellt die Digitalisierung Familien auch vor neue Herausforderungen.
Experten warnen vor übermäßigem Medienkonsum
Auch Experten sehen die Zeit, die Kinder im Märkischen Kreis vor dem Bildschirm verbringen, kritisch. Der Medienkonsum ist hier häufig viel zu hoch. In Westfalen-Lippe verbringen bereits 58 Prozent der Vier- bis Sechsjährigen unter der Woche mehr als eine halbe Stunde vor TV, Laptop und anderen digitalen Geräten. Am Wochenende sind es sogar 83 Prozent. Das ergab eine Elternbefragung im Rahmen der AOK-Familienstudie aus 2022. Experten zufolge sollte der tägliche Medienkonsum für Kinder in dieser Altersgruppe jedoch eine halbe Stunde nicht überschreiten. Entscheidend sind aber auch die konsumierten Inhalte. „Medienkompetenz ist wichtig für Kinder. Ein zu hoher und falscher Medienkonsum kann sich nachteilig auf die Entwicklung und Gesundheit von Kindern auswirken. Vor allem dann, wenn sie sich zu wenig bewegen, sie ihre reale Welt nicht mehr erkunden und soziale Kontakte ausbleiben. Wenn Kinder unbeaufsichtigt nicht altersgerechte Inhalte konsumieren, kann das zudem Ängste auslösen“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Dirk Schneider.
Mit dem Alter steigt die Bildschirmzeit
Kritisch ist der tägliche digitale Medienkonsum der Kinder in Westfalen-Lippe auch in der Altersgruppe der Sieben- bis Zehnjährigen zu sehen. Der von Experten maximal empfohlene Wert von einer Stunde täglich wird hier deutlich überschritten. Gleich 72 Prozent der befragten Eltern gaben an, dass ihre Kinder diese Werte am Wochenende deutlich überschreiten, unter der Woche sind es 42 Prozent. Laut der JIM-Studie (Jugendliche, Internet, Medien) aus 2025 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes verbringen die Zwölf- bis 13-Jährigen, über 160 Minuten täglich vor dem Bildschirm. In der Studie wird auch die Medienkompetenz näher beleuchtet. Danach sehen sich nur 35 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 13 Jahren in der Lage, Deepfakes (mit KI erstellte realistisch wirkende Medieninhalte) zu erkennen, und nur 33 Prozent kennen die Bild-Rückwärtssuche (hiermit lässt sich ermitteln, ob ein Bild schon im Internet veröffentlicht wurde).
Eltern setzen seltener klare Medienregeln
Laut der aktuellen AOK-Familienstudie begrenzen Erziehungsberechtigte die Bildschirmzeiten ihres Nachwuchses nicht mehr so stark wie vor einigen Jahren. Gaben 2018 noch 86 Prozent der Eltern an, ihren Kindern bis zum 14. Lebensjahr Grenzen bei der Mediennutzung zu setzen, waren es 2022 nur noch 76 Prozent. „Wir wollen Eltern dabei unterstützen, gemeinsam mit ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang zu finden“, so Schneider. Bereits bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren werden wesentliche Grundlagen für die spätere Mediennutzung gelegt. Da Kinder durch Nachahmung lernen, bieten sich gute Chancen, wenn Eltern mit gutem Beispiel vorangehen, heißt es in der Pressemitteilung der AOK Nordwest.
AOK verlängert Kooperation mit „SCHAU HIN!"
Medienkompetenz ist eng mit gesundem Aufwachsen verbunden. Deshalb ist die AOK bereits seit 2020 Partner der bundesweiten Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht" und hat die Kooperation nun erneut verlängert. „Präventive Maßnahmen spielen für die AOK NordWest eine wesentliche Rolle – auch bei der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Um Kindern ein gutes Aufwachsen mit Medien zu ermöglichen, müssen Eltern selbst gut informiert sein, aktuelle Medientrends und ihre Chancen und Risiken kennen und ihre Kinder bei der Mediennutzung unterstützen. Mit „SCHAU HIN!" werden Eltern gestärkt, damit sie ihre Kinder fit für die Nutzung digitaler Medien machen können“, sagt Schneider mit Blick auf die langjährige Kooperation.
„SCHAU HIN!“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des öffentlich-rechtlichen Senders ZDF sowie der AOK. Die neuen „SCHAU HIN!-Medienkurse für Eltern" – online, interaktiv, werbefrei und kostenlos – sind ab Herbst verfügbar.











