Eher intim als plakativ: Am Freitag, 27. März wird in der Stadtgalerie die Ausstellung „Ich will nicht zeichnen. Ich will nur spielen.“ eröffnet. Gezeigt werden Zeichnungen von Eden Nael Liedtke, Gewinner des Märkischen Stipendiums für Bildende Kunst 2026 im Bereich Zeichnung. Die Ausstellung wird um 19 Uhr eröffnet.
Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit ist die Zeichnung mit weichem Graphit. „Der Strich erinnert mich an Arbeiten von Henri Matisse“, sagt Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen. So bekannt wie der französische Maler, der mit Pablo Picasso zu den bedeutendsten Künstlern der Klassischen Moderne zählt, ist Eden Nael Liedtke zwar nicht. Seine Arbeiten lassen aber aufhorchen.
Stilles Tagesbuch
Prof. Christoph Knecht von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig hat den jungen Mann (Jahrgang 1997) der Märkischen Kulturkonferenz (MKK) empfohlen. Zu dem zeichnerischen Tagebuch, das Eden Nael Liedtke in der Stadtgalerie ausbreitet, schreibt der Hochschullehrer: „Sein stilles Tagebuch entfaltetet sich in der Betrachtung als vielschichtiges künstlerisches Werk, das gesellschaftlich relevante Themen ebenso reflektiert wie tiefe persönliche Erfahrungswelten.“
Angleichung als Transmann dokumentiert
Die Arbeiten von Eden Nael Liedtke geben autobiografische Momente wieder, bieten intime Einblicke in sein Innenleben und dokumentieren familiäre sowie partnerschaftliche Dynamiken. Seine Auseinandersetzung mit Sexualität, Fetisch, Geschlechtsidentität und Neurodiversität werden thematisch ständig aufgegriffen und neu verhandelt. Zunächst unwissentlich hat er durch seine Zeichnungen seine gesellschaftliche und medizinische Angleichung als Transmann dokumentiert. Er stellt dar, wie er vielschichtige Prozesse durchläuft, damit er seinen Körper als den eigenen wahrnehmen kann. Zeichnungen von narbigen Penissen, androgynen Personen und schwarzer Muttermilch begleiten seine Auseinandersetzung mit Geschlechtsempfinden und Sexualität.
Zu sehen sind auch Werke, die während seines zweimonatigen Residenzstipendiums in Togatta/Japan entstanden sind. Auch sie besitzen eindeutig tagebuchartigen Charakter. Sie zeigen Fotos von Liedtke und seiner Partnerin beim Aufwachen im zerwühlten Bett. Daneben sind Zeichnungen von Dingen oder Vorkommnissen zu sehen, die den Zeichner an diesem Tag beindruckt haben.
Eden Nael Liedtkes Zeichnungen begleiten sein Leben: Sie zeigen die Spitzmaus, die sein Kater im Garten jagt, das Zähneputzen im Krankenhaus und die Euphorie, die ihn überkam, als er sich nach den medizinischen Eingriffen beim Umziehen nicht mehr unwohl fühlte.
Einige Werke sind mit Texten versehen, die von der tiefen Zerrissenheit des Transmanns Liedtke zeugen. So heißt es auf einer der Zeichnungen, die während seiner Transformation entstanden sind: „Es ist, als wäre ich kein Mensch, aber nah genug dran, um es vorzutäuschen. Und mein Körper ist nur eine fremde Haut. Als würde etwas in mir wohnen und irgendwann hervorkriechen.“
Schmerzhafter Prozess
Im Separee eines Raums in der Stadtgalerie dokumentiert der Künstler den für ihn schmerzhaften Prozess, den er bei Behörden durchlaufen musste, um seinen weiblichen Vornamen Louise zu Eden Nael zu ändern. Das war vor der Liberalisierung des Namensänderungsgesetzes im Mai 2025. Schonungslos beschreibt er auf mehreren Blättern die Erniedrigungen, die er dabei erleben musste.
Die Ausstellung ist bis zum 14. Juni zu sehen. Führungen finden am 14. April, 10. und 31. Mai sowie zur Finissage am 14. Juni statt.









