Der Märkische Kreis richtet seinen öffentlichen Nahverkehr neu aus. Am 30. Juni im Struktur- und Wirtschaftsausschuss sowie am 9. Juli im Kreistag steht die Fortschreibung des Nahverkehrsplans im Mittelpunkt. Das Konzept bildet die Grundlage für die künftige Entwicklung von Bus- und Mobilitätsangeboten im Kreisgebiet.

Überregionale Nachrichten

„Mobilität nach Maß“ als Leitidee

Die Verantwortlichen reagieren damit auf veränderte Rahmenbedingungen: Steigende Kosten, begrenzte finanzielle Spielräume und ein absehbarer Fachkräftemangel stellen den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor große Herausforderungen. Gleichzeitig wächst der Anspruch, Mobilität auch im ländlichen Raum zuverlässig sicherzustellen.

Unter dem Leitgedanken „Mobilität nach Maß“ will die Kreisverwaltung in enger Abstimmung mit der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) das Angebot stärker an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Dabei gehe es nicht nur um klassische Buslinien. Auch neue, stärker nachfrageorientierte Angebotsformen sollen eine größere Rolle spielen. „Ein gutes Verkehrsangebot misst sich nicht an der Anzahl der Busse, sondern daran, ob die Menschen ihre Ziele zuverlässig erreichen“, erklärt die Kreisverwaltung.

Vor allem stark nachgefragte Strecken sollen stabil bleiben und weiterentwickelt werden. In dünn besiedelten Gebieten rücken flexible und nachfrageorientierte Angebote stärker in den Fokus. „Wir prüfen gemeinsam mit der MVG, wie wir den Nahverkehr flexibler, bedarfsgerechter und langfristig tragfähig gestalten können“, heißt es aus der Verwaltung.

On-Demand-Angebot „BEA“ als Vorbild

Ein Beispiel für neue Mobilitätsformen liefert das Projekt „BEA“ (Bestellen, Einsteigen, Ankommen) in Meinerzhagen-Valbert. Fahrgäste buchen ihre Fahrten individuell, das System bündelt ähnliche Routen. Rund 20.000 Menschen nutzten das Angebot im Jahr 2025.

Die Kreisverwaltung bewertet das Modell positiv und plant die Verlängerung bis Ende 2027. „Die Erfahrungen zeigen, dass solche Angebote gerade im ländlichen Raum gut funktionieren und wichtige Verbindungen sichern“, so die Verwaltung.

Fokus auf Gesamtstrategie statt Einzellinien

Die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes bedeute daher nicht, den bisherigen Kurs grundsätzlich in Frage zu stellen. Vielmehr gehe es darum, die vorhandenen Mittel dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger im Märkischen Kreis entfalten. Dabei sollen Hauptachsen, Schulverkehre, Verbindungen zwischen Städten und Ortsteilen sowie flexible Angebote gemeinsam betrachtet werden. „Wir müssen den ÖPNV so weiterentwickeln, dass er für die Menschen funktioniert — heute und auch in Zukunft“, betonen Kreisverwaltung und MVG. Dazu gehöre auch die Frage, welche Leistungen dauerhaft finanzierbar bleiben.

Entscheidung im Kreistag

Deshalb sollen in den kommenden Monaten verschiedene Varianten untersucht und bewertet werden. „Dabei steht nicht die Betrachtung einzelner Linien im Vordergrund, sondern die Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes für die Mobilität im Märkischen Kreis“, so die Verwaltung. Es werde datenbasiert ein Verkehrsangebot entwickelt, das sowohl bedarfsgerecht als auch wirtschaftlich tragfähig sei und damit langfristig den Auftrag der Daseinsvorsorge sichere.

Der Kreistag wird am 9. Juli im Kreishaus Lüdenscheid über die weiteren Schritte entscheiden. Die Ergebnisse der Fortschreibung sollen bis Ende 2026 vorliegen und anschließend die Grundlage für die Vergabe von Verkehrsleistungen im Märkischen Kreis bilden.