Schnelle Rollenwechsel, ausdrucksstarke Mimik und Gestik, jede Menge Schabernack und viel Musik: Das NN Theater Köln brachte am Sonntagabend, 11. Oktober, mit „Till Eulenspiegel“ ein turbulentes Theaterspektakel auf die Bühne der Aula des Schulzentrums Böddinghausen. Die Aufführung lockte zahlreiche Zuschauer an, hinterließ allerdings ein geteiltes Echo.

Dabei hatte es zunächst nicht nach einem gut besuchten Theaterabend ausgesehen. Ursprünglich wollte die Plettenberger KulTour für das Gastspiel Eintritt erheben. Da im Vorverkauf jedoch nur wenige Karten abgesetzt wurden, entschlossen sich die Verantwortlichen kurzfristig, die Eintrittskarten kostenlos abzugeben. „Das ist ein Dankeschön an die Plettenberger“, erklärte KulTour-Mitarbeiter Pierre Baltins die Entscheidung.

Das Angebot zeigte Wirkung. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, das seit vielen Jahren regelmäßig in Plettenberg gastierende Ensemble zu erleben. Unter den Gästen waren auch Theaterfreunde aus Köln und Dortmund, die eigens nach Plettenberg gekommen waren. In der Vergangenheit waren einige Aufführungen des NN Theaters anderenorts abgesagt worden.

Ein Narr hält der Gesellschaft den Spiegel vor

Im Mittelpunkt des Abends stand Till Eulenspiegel, jener legendäre Schalk, der mit seinen Streichen seit Jahrhunderten die Menschen zum Lachen bringt und zugleich ihre Schwächen entlarvt. Der Überlieferung nach zog Eulenspiegel im 14. Jahrhundert durch die Lande, stellte sich dumm und führte seine Mitmenschen mit List und Tücke hinters Licht. Besonders gerne nahm er die Mächtigen und Selbstgerechten aufs Korn.

Das NN Theater griff diese Geschichten auf und verwandelte sie in ein temporeiches Bühnenspektakel. Die vier Schauspieler Christine Per, Michl Thorbecke, Christina Wiesemann und Sebastian Schlemmer schlüpften in wechselnde Rollen und setzten dabei auf überzeichnete Figuren, ausdrucksstarke Körpersprache und pointierte Spielszenen.

Die Live-Musik unterstützte das Geschehen und unterstrich die unterschiedlichen Stimmungen. Zwischen Sinn und Unsinn, derben Späßen und gesellschaftskritischen Anspielungen entwickelte sich ein Theaterabend, der ganz auf die Spielfreude des Ensembles setzte.

Nicht alle Zuschauer blieben bis zum Schluss

Allerdings traf die Inszenierung nicht bei allen Besuchern gleichermaßen den Geschmack. Bereits in der Pause verließen einige Zuschauer die Aula. Ob dies am Stück selbst oder möglicherweise auch am Aufführungsort lag, blieb offen.

Schließlich sind viele Plettenberger Theaterfreunde das NN Theater aus einer anderen Umgebung gewohnt. In den vergangenen Jahren fanden die meisten Gastspiele unter dem Stephansdachstuhl in der Innenstadt statt. Die dortige Atmosphäre bietet möglicherweise bessere Voraussetzungen für die unmittelbare Interaktion zwischen Schauspielern und Publikum.

Wer die Aula vorzeitig verließ, verpasste allerdings eine sehenswerte zweite Hälfte. Nach der Pause nahm das Bühnengeschehen noch einmal deutlich an Fahrt auf. Die Schauspieler steigerten das Tempo und zeigten erneut ihre Freude am Spiel.

Ensemble hofft auf weitere Gastspiele

Zum Abschluss richtete das Ensemble einen Wunsch an die Zuschauer: „Wir hoffen, dass wir auch zukünftig wieder in Plettenberg zu Gast sein dürfen.“

Der Applaus am Ende der Vorstellung ließ erkennen, dass sich zumindest ein Teil des Publikums eine Fortsetzung der langjährigen Verbindung zwischen dem Kölner Theater und der Plettenberger KulTour wünscht.

Für die Inszenierung zeichnete Sonja Kling als Regisseurin verantwortlich. Die Musik stammt von Raimund Gross. Das Bühnenbild gestalteten Michl Thorbecke und Guido Bierik, die Kostüme Claus Stump und Andrea Uebel. Für das Licht war Beppo Leichenich zuständig.