Die neuen Chemieräume an der Adolf-Reichwein-Gesamtschule (ARG) stehen zum Schuljahresbeginn zur Verfügung. Die Fertigstellung des rund 1,25 Millionen Euro teuren Projekts sorgt bei der Lüdenscheider Linken allerdings nicht nur für Freude. Fraktionsvorsitzender Otto Ersching kritisiert die lange Dauer der Umsetzung und sieht darin ein Beispiel für einen grundsätzlichen Sanierungsstau an Lüdenscheider Schulen.
"Bitterer Beigeschmack"
Was von der Stadtverwaltung als „Punktlandung“ gefeiert wird, hat für die Linke einen bitteren Beigeschmack: „Unfassbare zehn Jahre hat es gedauert, bis dieses 1,25-Millionen-Euro-Projekt nach den ersten öffentlichen Diskussionen endlich umgesetzt wurde“, erklärt Ersching. Die alten Chemieräume mussten im Dezember 2025 wegen Baufälligkeit vollständig gesperrt werden. Dadurch fiel an der ARG rund acht Monate lang der Chemieunterricht aus.
Weitere Schulen betroffen
„Dieser unerträgliche Sanierungsstau ist in Lüdenscheid leider kein Einzelfall, sondern chronische Realität für Kinder und Jugendliche“, so Ersching. Auch die Sporthalle der ARG ist seit April 2024 gesperrt: „Und die Sanierung hat nicht einmal begonnen, weil die Stadt noch immer auf Fördermittel hoffen muss.“
Die Stadtpark-Halle wiederum bleibe wegen eines erheblichen Dachschadens voraussichtlich mindestens ein Jahr geschlossen und auch an der Grundschule Lösenbach zeige sich „das gewohnte Bild“, so Ersching. Das Gebäude ist bereits seit Mitte 2022 wegen Brandschutzmängeln nicht mehr nutzbar.
„Kinder müssen in Ausweichquartiere verfrachtet werden, während sich Abriss und Neubau über Jahre hinziehen“, kritisiert der Linken-Fraktionschef. „Wenn es um die Daseinsvorsorge, um Bildung und den Alltag der jungen Generation geht, wird auf Zeit gespielt, auf Fördermittel gewartet und vertröstet.“
Kritik am P&C-Projekt
Besonders deutlich fällt seine Kritik beim Blick auf die geplante Entwicklung des ehemaligen P&C-Gebäudes am Sternplatz aus, die er als „absoluten Hohn für Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen Schüler“ bezeichnet. Für den kaut Ersching "umstrittenen Deal mit dem Investor Midstad" stehen 47,5 Millionen Euro im Raum. Während bei Schulen um Investitionen gerungen werde, solle bei dem Projekt „ein massives, schlüsselfertiges Projekt für eine neue Multifunktionshalle und ein Bürogebäude durchgeboxt werden“.
Der Entwickler rechne mit einer Bauzeit von lediglich 24 Monaten ab Baubeginn: „Wenn es um städtische Prestigebauten geht, ist plötzlich ein rasantes Tempo möglich“, untersreicht Ersching seine Einschätzung, dass die Stadt „falsche Prioritäten“ setze.
Grundsätzlich begrüße die Linke, dass das P&C-Gebäude und die dazugehörigen Flächen in kommunale Hand gelangen sollen, betont deren Fraktionsvorsitzender: „Denn kommunales Eigentum ist ein wichtiger Hebel, um Stadtentwicklung aktiv und im Sinne der Menschen zu gestalten.“ Gleichzeitig stelle sich die Frage, „ob dieses konkrete, teure Projekt geeignet ist, die echten Bedürfnisse der Lüdenscheiderinnen und Lüdenscheider zu befriedigen oder ob hier am tatsächlichen Bedarf vorbei das Gemeinwohl dem Profitstreben untergeordnet wird.“
Laut Ersching bleibe zudem unklar, wie die erhofften Mieteinnahmen oder die Folgekosten sozial und wirtschaftlich abgesichert sind: „Die Fixierung auf diesen Deal garantiert am Ende vor allem dem Investor verlässliche Renditen und Profit, während die Stadt das volle finanzielle Risiko trägt, ohne dass ein echter, spürbarer Mehrwert für die soziale Infrastruktur der Stadtteile entsteht.“
Gleiche Priorität für Schulen gefordert
„Es kann nicht sein, dass von ‚kommunaler Handlungsfähigkeit‘ immer nur dann gesprochen wird, wenn es um teure Bürokomplexe und kommerzielle Flächen geht“, ereifert sich der Fraktionsvorsitzende in eine schriftlichen Stellungnahme. Die Linke fordere deshalb, Investitionen in Schulen und Sporthallen künftig mit derselben finanziellen Konsequenz und Geschwindigkeit voranzutreiben wie große Immobilienprojekte. „Die wahre und wichtigste Investition in die Zukunft der Stadt sind gute Bildung und eine verlässliche soziale Daseinsvorsorge“, sagt Ersching. „Bildung darf in Lüdenscheid nicht länger auf der Wartebank sitzen.“











