Die mögliche Sanierung der ehemaligen Bahntrasse zwischen der Katrineholmstraße und dem Ortsteil Anschlag hat im Halveraner Stadtrat eine lebhafte und teils kontroverse Debatte ausgelöst. Am Ende entschied sich eine Mehrheit der Ratsmitglieder gegen die Stellung des Förderantrags für das Projekt. Damit ist die geplante Asphaltierung der beliebten Freizeitstrecke vorerst vom Tisch.
Hintergrund der Diskussion sind zwei Brückenbauwerke entlang der Trasse, deren Zustand seit Jahren Thema in Verwaltung und Politik ist. Wie Michael Schmidt, Leiter des Fachbereichs Bauen, Umwelt und Klimaschutz, erläuterte, wird über die Zukunft der Bauwerke bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten gesprochen. Für eine reine Sanierung der beiden Brücken in Höhe von rund 455.000 Euro gebe es jedoch keine Fördermöglichkeiten. Eine Förderung komme nur dann infrage, wenn gleichzeitig die gesamte Strecke ausgebaut werde — einschließlich einer Asphaltdecke. Der städtische Eigenanteil würde in diesem Fall etwa 300.000 Euro betragen.
Bürgermeister Armin Kibbert unterstrich, dass die mögliche Förderung an genau diese Bedingung geknüpft sei. Vertreter der Bezirksregierung hätten dies bei einem Besuch in Halver deutlich gemacht. Zugleich verwies er darauf, dass vor einer möglichen Umsetzung ohnehin eine Umweltprüfung erfolgen müsse.
Zweifel an Asphaltdecke
Im Rat wurden jedoch zahlreiche Bedenken geäußert. Unter anderem wurde die Frage aufgeworfen, ob der geplante Belag überhaupt mit den Anforderungen des Naturschutzes vereinbar sei. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass eine Asphaltdecke langfristig auch zusätzlichen Unterhaltungsaufwand verursachen könnte, etwa wenn später Ausbesserungen notwendig werden.
Schmidt widersprach dieser Einschätzung teilweise. Aus seiner Sicht sei Asphalt nicht zwangsläufig aufwendiger zu erhalten als andere Beläge. Zugleich verwies er auf den engen Zeitrahmen für das Förderverfahren: Ein entsprechender Antrag müsse spätestens bis zum 31. Mai eingereicht werden. Danach stünden im Sommer weitere Gespräche und Prüfungen an, unter anderem mit Umwelt- und Wasserbehörden.
Bürger schätzen den Charakter der Strecke
Für die Grünen machte Jana Schrage deutlich, dass sich die Politik in einer schwierigen Situation befinde. „Ich denke, wir befinden uns in einem Dilemma mit der Strecke“, sagte sie. In Gesprächen mit den Bürgern werde immer wieder deutlich, dass viele Halveraner den jetzigen Charakter der Trasse schätzen. Eine Asphaltierung könne diesen verändern. Zudem gehe es letztlich um erhebliche öffentliche Mittel. Auch Simona Haake (UWG) äußerte Zweifel an der Notwendigkeit des Projekts. Es handle sich schließlich um Steuergelder, die eingesetzt würden.
Hoffnung auf touristischen Impuls
Unterstützung für den Förderantrag kam dagegen aus den Reihen der SPD. Jürgen Wichert sprach sich dafür aus, die Chance auf eine Förderung zu nutzen. Halver habe bislang nur wenige attraktive Radwege. Mit der ausgebauten Bahntrasse könne erstmals eine hochwertige Strecke entstehen, die auch touristisch von Bedeutung sein könnte. „Wenn wir diesen Antrag nicht stellen, wird ihn jemand anders stellen“, warnte Wichert.
Kritik an steigenden Kosten
Kritische Stimmen verwiesen außerdem auf die Entwicklung der Projektkosten. Andreas Hesse (CDU) sprach in diesem Zusammenhang von einer „wundersamen Kostenvermehrung“. Ursprünglich sei für das Vorhaben eine Summe von rund 1,15 Millionen Euro genannt worden. Bereits kurze Zeit später habe sich der Betrag auf 1,3 Millionen Euro erhöht, inzwischen liege er bei rund 1,48 Millionen Euro. „Fast 25 Prozent Steigerung“, betonte Hesse und stellte die Frage, ob diese Investition angesichts anderer Herausforderungen für die Stadt wirklich sinnvoll sei. Auch Florian Stein (AfD) sprach sich gegen den Förderantrag aus. Solange die Brücken noch tragfähig seien, könne man das Projekt zunächst zurückstellen und die Entwicklung weiter beobachten.
Sina Löschke von den Grünen betonte, dass ihre Fraktion grundsätzlich den Ausbau des Radwegenetzes unterstütze. Allerdings stehe die Bahntrasse im Radwegekonzept nicht an erster Stelle. Andere Verbindungen – etwa in Richtung Gewerbegebiet Oberbrügge oder nach Ehringhausen – seien in der aufgestellten Prioritätenliste höher priorisiert.
Antrag findet keine Mehrheit
Bürgermeister Kibbert erinnerte in der Debatte daran, dass zunächst lediglich über die Antragstellung entschieden werde. Ein möglicher Bau müsste zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal gesondert beschlossen werden. Am Ende blieb die Skepsis jedoch größer als die Zustimmung. Eine Mehrheit der Ratsmitglieder sprach sich gegen den Antrag aus – die Stellung eines Förderantrages wurde damit abgelehnt. Die Verwaltung will nun prüfen, welche alternativen Lösungen sich für die beiden Brückenbauwerke finden lassen.












