Klassisches politisches Kabarett wollten sie nicht machen, „eher sozialpolitisch“ mit Themen, die der älteren Generation nicht so präsent, für junge Frauen aber relevant sind. So hatten Toni und Max Uthoff ihre Intention in einem Interview geschildert. Aber: Erst mal eilt Max Uthoff auf die Bühne im Evangelischen Gymnasium – mit Schlaglichtern zur aktuellen politischen Lage.
„Wie ist die Stimmung?“ Gut. Klar, weil wir einen Schuldigen haben – die Linke in Berlin. Für einen Kaffee dort habe er 5,70 Euro bezahlt, ätzt Uthoff, dass er sich „Kommunismus ganz anders vorgestellt“ habe. Er sieht Parallelen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und Donald Trump: beide Klimaleugner, beide bekämpften erneuerbare Energien. Aber immerhin sei „Fritze“ für einen Kabarettisten eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Macht alter weißer Männer ist dann das Stichwort für den Vater-Tocher-Dialog.
„Einer zuviel“ heißt das Programm, mit dem Max Uthoff seit knapp eineinhalb Jahren mit seiner Tochter Toni (19) auf Tour ist. 40 Jahre trennen die beiden. Zwei Generationen mit unterschiedlicher Sicht auf die Dinge. In einem Screwball-Dialog fliegen die Fetzen wie bei einer Schneeball-Schlacht die weißen Kugeln. Hohes Tempo, viele Themen. Problem, das immer wieder mitschwingt: das Patriarchat. „Warum entscheiden alte weiße Männer über meine Zukunft, die selbst keine haben?“, spricht die Tochter ein Problem an. Wenn man bis zum 18. Lebensjahr nicht wählen dürfe, dann doch auch bitte die letzten 18 Jahre nicht.
Andere Sicht auf Social Media
Die Tochter echauffiert sich über Vorurteile, der Vater relativiert. Sie „ordnen das Chaos im Kopf“. Asiaten seien freundlich, heißt es. Wie ist es mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un? Oder: Deutsche sind pünktlich. Der Verweis auf die Bahn widerlegt das Stereotyp.
Es geht um die Bedeutung von Social Media, Sucht- und Konsumverhalten. Aber: Kann eine 14-Jährige in Bottrop, die bei Temu bestellt, weil sie sich andere Kleidung nicht leisten kann, etwas dafür, dass die Produkte unter Ausbeutung ihrer Hersteller entstehen? Nein, das sei Sache der Politik. Und während im Publikum manche erst das frisch gekürte Jugendwort des Jahres „Ragebait“ verdauen müssen, konfrontieren die Uthoffs es mit „Incel“ - eine Internet-Subkultur von überwiegend jungen Männern, die nach eigener Aussage keine Partnerin finden und die Ursache dafür bei den Frauen sehen.
„Kritische junge Leute werden kriminalisiert“
Vorm Thema Klimawandel wollte sich Max Uthoff drücken. Aber warum werden junge Leute mit kritischem Bewusstsein, die das thematisieren, kriminalisiert, fragt Tochter Toni. Gegensätze zwischen den Generationen werden deutlich. Zwei im Schlagabtausch auf der Bühne, wie er sonst vielleicht am Küchentisch stattfindet. Trotz manch trüber Aussichten: Toni, nach ihrem Wunsch gefragt, möchte alt werden.
Einander zuzuhören, im Gespräch zu bleiben, gerne auch kontrovers, aber mit Respekt. Das ist die Botschaft des Vater-Tochter-Dialogs.
Ein rasanter, unterhaltsamer, auch nachdenklich stimmender Abend, der mehr Besucher verdient gehabt hätte. Ein neues Format, das der Verein für Kommunikation und Kultur (KUK) nach Meinerzhagen geholt hat. Die, die dabei waren, haben mit der 19-jährigen Toni Uthoff vermutlich einen künftigen Kabarett-Star erlebt, eine junge Frau, selbstbewusst, schlagfertig mit starker Präsenz. Der Vater als Warm-up vorab nahm sich etwas zurück. In der Konstellation ist aber keiner zuviel.










