Schon zu Beginn der Sitzung hatten die Elternvertreter rund um Marius Schriever das Wort im Ratssaal ergriffen. Im Laufe des Sitzung des Ausschusses für Schule, Kultur und Tourismus verwiesen die Ausschussmitglieder die Resolution zur OGS-Situation einstimmig an den Rat. Bereits vor der Abstimmung machte der Vorsitzende Steffen Wieland (UWG) klar, ein einstimmiges Abstimmungsverhalten sei "ein deutliches Zeichen nach außen".

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In der ersten Stunde der Öffentlichkeit legte Marius Schriever nach der vergangenen Ratssitzung erneut seine Ansicht in Hinsicht auf die Offene Ganztagsschule (OGS) und die Betreuende Grundschule (BGS) dar. Erneut wurde er von zahlreichen weiteren Eltern begleitet. LokalDirekt hatte bereits ein ausführliches Gespräch mit Schriever und seinen Mitstreitern geführt. "Es wurde uns zugetragen, dass die BGS im kommenden Schuljahr vermutlich ganz eingestellt werden soll", sagte Schriever sichtlich enttäuscht. Er wandte sich mit einem Appell an die Mitglieder des Fachausschusses: "Setzen Sie sich bitte dafür ein, dass die BGS erhalten bleibt!"

"Viel wichtiger, dass eine Lösung für die Eltern gefunden wird"

Die entsprechende Resolution wurde von der Verwaltung kurzfristig in die Sitzung eingebracht. "Ich hatte ein Gespräch mit dem Bürgermeister gesucht, um den Eltern eine Antwort geben zu können", erklärte FDP-Fraktionsvorsitzender Armin Jung auf LokalDirekt-Anfrage. Ihm war wichtig, dass "hier ein klares Zeichen kommt: Auch die Verwaltung und der Bürgermeister stehen dahinter." Daher wurde die Resolution auch von der Verwaltung und nicht von der FDP eingebracht: "Es ist viel wichtiger, dass eine Lösung für die Eltern gefunden wird", als das parteipolitische Interessen mit dem Thema verfolgt würden, so Jung. Die kurzfristige und umfangreiche Reaktion des parteilosen Bürgermeisters zeige Jung, dass es die richtige Entscheidung war, Stelse im Wahlkampf zu unterstützen.

Die Stadtverwaltung macht deutlich: "Viele Betreuungsbedarfe liegen unterhalb der Mindestteilnahmepflicht [...]." Die besagt, dass Kinder bis mindestes 15 Uhr in der OGS bleiben. Zudem greift die Verwaltung die Pflicht zur Einrichtung einer offenen Ganztagsschule auf und erklärt: "Alternative Angebote können aufgrund der fehlenden Finanzierung nicht aufrechterhalten werden und fangen zudem auch nicht den Bedarf nach einer Ferienbetreuung auf."

Resolution appelliert an die Landesregierung zur Öffnung des OGS-Konzeptes

In der von den Ausschussmitgliedern einstimmig an den Rat empfohlenen Resolution heißt es: "Es haben sich aber auch parallel dazu in den ländlichen Strukturen, wie sie im Bereich der Stadt Kierspe vorrangig vorzufinden sind, durch gesellschaftliche und familiäre Entwicklungen starke Veränderungen in den individuellen Betreuungsbedarfen vieler Eltern und Kinder ergeben. Diese werden aber nicht über die Konzeptionen für den Ausbau des offenen Ganztags aufgefangen und finden dort keinerlei Berücksichtigung. [...] Die Stadt Kierspe sieht sich aufgrund fehlender Alternativen nicht in der Lage, auskömmliche Angebote in diesem Rahmen vorzuhalten. Eine Lösung stellt dabei möglicherweise aber eine Lockerung der strengen Konzeptionen im Rahmen der OGS mit mehr Flexibilität bei den Abholzeiten dar. Dadurch erlangt die OGS bei den betroffenen Eltern mehr Attraktivität und kann die Familien zu einer Entscheidung für eine dortigen Anmeldung bewegen, weil diese dann auch ihren Bedürfnissen gerechter wird."

Am Ende heißt es in dem knapp zweiseitigen Schriftstück: "Der Rat der Stadt Kierspe richtet sich daher mit dieser Resolution an die Landesregierung und appelliert an sie zur Öffnung bzw. Lockerung der OGS-Konzeptionierung, um mehr individuelle Betreuungsbedarfe der Eltern und Familien über den Offenen Ganztag abdecken zu können."

Gespräch zwischen Verwaltung und Bürgern

Wirklich kritische Stimmen zur Resolution gab es keine. Ralf Meyer vom Bündnis 90/Die Grünen hat allerdings die Befürchtung, dass die Resolution nicht schnell genug Wirkung zeigt. Er sieht es jedoch sehr positiv, dass es zusätzlich zur Resolution entsprechende Gespräche gibt. Dies hat die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Eltern rund um Marius Schriever für den kommenden Montag, 2. März, geplant. Kämmerin Kerstin Steinhaus-Derksen bremste die entstandene Euphorie jedoch ein wenig: "Ich werde ihnen heute hier keinerlei Versprechungen in irgendeine Richtung aussprechen, weil wir noch nicht wissen, was das Gespräch ergibt."

Nach der Abstimmung gab es eine kurze Unterbrechung der Sitzung - die formale Voraussetzung dafür, dass die Elternvertreter erneut etwas zum Thema beitragen konnten. Nadine Pech bedankte sich bei den Politikern für die Teilhabemöglichkeit: "Ich möchte einmal sagen, dass das ganz großartig ist, dass Sie uns die Möglichkeit hier geben."