Wer am Mittwochabend, 12. August, die partielle Sonnenfinsternis beobachten möchte, findet in vielen Läden keine Schutzbrille mehr — der Ansturm auf die zertifizierten "SoFi"-Brillen hat die Regale leergefegt. Eine Alternative liegt buchstäblich in der Küchenschublade: die selbstgebaute Lochkamera.

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Wann die Sonne verschwindet

Die Sonnenfinsternis verspricht auch in Deutschland ein beeindruckendes Himmelsschauspiel. Eine totale Finsternis gibt es hier zwar nicht, dafür schiebt sich der Mond weit vor die Sonne. In Nordrhein-Westfalen beginnt die partielle Sonnenfinsternis gegen 19.15 Uhr und erreicht gegen 20.11 Uhr ihr Maximum, dann werden rund 90 Prozent der Sonnenscheibe vom Mond bedeckt sein. 

Wichtig: Nicht direkt in die Sonne schauen

Die partielle Sonnenfinsternis darf nicht mit bloßem Auge beobachtet werden. Denn weil das Ereignis in die Zeit der Dämmerung fällt, öffnet sich — als natürlicher Schutzreflex des Auges — aufgrund des schwachem Lichts die Pupille weiter, sodass mehr Strahlung auf die Netzhaut trifft und diese binnen Sekunden schädigen kann, ohne vorherige Schmerzen als Warnsignal.

Warum improvisierte Filter gefährlich sind

Auch eine normale Sonnenbrille schützt die Augen nicht ausreichend. Rußgeschwärzte Gläser, CDs, alte Filmstreifen oder andere vermeintliche Hausmittel sind ebenfalls keine sichere Lösung. Diese vermeintlichen „Hausmittel“ erwecken zwar den Eindruck, die Sonne ausreichend abzudunkeln, lassen aber weiterhin schädliche Strahlung durch.

Auch Ferngläser, Teleskope oder Kamerasucher dürfen ohne spezielle, vor der Optik angebrachte Sonnenfilter niemals direkt auf die Sonne gerichtet werden, da sie das Licht zusätzlich bündeln. Als sicher gelten laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nur Schutzbrillen nach der Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 mit CE-Kennzeichnung, intakter Folie und Warnhinweisen — oder eben die indirekte Beobachtung per Projektion.

Alternativen zur „SoFi“-Brille

Wer keine Sonnenfinsternisbrille mehr ergattern konnte, muss deshalb aber nicht auf das Schauspiel verzichten. Eine sichere Alternative lässt sich mit wenigen Haushaltsgegenständen selbst bauen: eine Lochkamera, auch Camera Obscura oder Pinhole Projector genannt.

Die einfache Variante mit zwei Stück Karton

Besonders unkompliziert funktioniert ein sogenannter Pinhole Projector nach dem Prinzip, das auch die NASA empfiehlt. Benötigt werden lediglich zwei Stück weißer Karton, etwas Aluminiumfolie, Klebeband und eine Nadel, Büroklammer oder ein Bleistift.

In einen Karton wird zunächst ein etwa zwei bis fünf Zentimeter großes Loch geschnitten. Dieses Loch wird mit einem Stück Aluminiumfolie überklebt. Anschließend wird mit der Nadel ein möglichst kleines Loch in die Folie gestochen.

Der zweite Karton dient als Projektionsfläche. Für die Beobachtung steht die Sonne im Rücken. Das Licht fällt durch das winzige Loch in der Aluminiumfolie und erzeugt auf dem zweiten Karton ein kleines Abbild der Sonne. Je weiter die beiden Kartons voneinander entfernt sind, desto größer wird die Projektion.

Ein kleiner Trick verbessert dabei die Sichtbarkeit: Die Projektionsfläche möglichst in einen Schatten legen, während die Folie mit dem Loch im Sonnenlicht bleibt.

Ganz wichtig: Niemals durch das Loch in Richtung Sonne schauen. Das Loch ist kein Filter und schützt die Augen nicht.

Anleitung der NASA (auf Englisch): Pinhole Projector aus zwei Blatt Tonpapier/Karton 

Lochkamera aus einer Chipsdose

Auch eine leere Chipsdose lässt sich in wenigen Minuten in eine Camera Obscura verwandeln. Die Stiftung Planetarium Berlin stellt dafür eine bebilderte Anleitung als PDF zur Verfügung.

Benötigt werden eine leere Chipsdose mit Deckel, Back- oder Butterbrotpapier, Klebeband und eine Reißzwecke beziehungsweise kleine Nadel. Zunächst kommt der Deckel ab. Anschließend wird vorsichtig mittig in den Boden der Dose ein winziges Loch gestochen. Auf die offene Seite kommt das Backpapier. Der transparente Deckel oder etwas Klebeband hält die Projektionsfläche an ihrem Platz.

Wird die Dose nun mit der kleinen Öffnung zur Sonne ausgerichtet, erscheint auf dem Backpapier das Bild der Sonne. Während der Finsternis verändert sich die runde Sonnenscheibe dort zur Sichel.

PDF-Anleitung der Stiftung Planetarium Berlin: Lochkamera aus einer Chipsdose

Camera Obscura aus einer Klopapierrolle

Auch eine Klopapierrolle eignet sich als Ausgangspunkt für eine Camera Obscura. Eine entsprechende Bastelanleitung stellt die Drogeriemarktkette „dm“ online zur Verfügung.

Anleitung: Camera Obscura aus einer Klopapierrolle

Das physikalische Prinzip bleibt immer gleich: Ein winziges Loch lässt Licht hinein und erzeugt auf einer gegenüberliegenden Projektionsfläche ein Abbild der hellen Lichtquelle.

Wer also keine Schutzbrille mehr bekommt, kann mit Karton, Aluminiumfolie oder einer leeren Chipsdose trotzdem zum Sonnenfinsternis-Beobachter werden. Entscheidend ist dabei nur eine Regel: Nicht die Sonne anschauen, sondern ihr Bild.