Insgesamt acht Windkraftanlagen könnten im Westen Halvers errichtet werden. Für vier Standorte bei Schwenke an der Grenze zu Radevormwald interessiert sich als Betreiber die Mark-E. Ebenfalls die Mark-E und der Versorger AVU wollen weitere vier Standorte östlich von Anschlag prüfen.
Der zuständige Fachausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung empfiehlt dem Rat der Stadt Halver in der kommenden Sitzung am Montag, 12. Oktober, für beide Bereiche Aufstellungsbeschlüsse für den jeweiligen Flächennutzungsplan zu fassen. Die Planung für ein Windrad bei Schwenke am früheren Munitionsdepot hat Mark-E aus wirtschaftlichen Gründen fallengelassen. Der Standort war durch den Märkischen Kreis als Aufsichtsbehörde bereits genehmigt.
Scharfe Debatte und knappe Mehrheit
Wie kontrovers das Thema im politischen Raum diskutiert wird, war an der Dauer der Sitzung und an scharfen Debattenbeiträgen erkennbar. Am Ende stand eine Mehrheit von acht Ausschussmitgliedern aus SPD (4), Grünen (2) und UWG (2) für den Aufstellungsbeschluss. Die sechs Mitglieder aus CDU (4) und AfD (2) sprachen sich am Mittwoch, 30. September, dagegen aus. Auch Ralf Steiner, Mitglied des Naturschutzbeirats des Märkischen Kreises, wies vehement auf Aspekte des Artenschutzes hin, ebenso Lukas Loitz aus der Zuhörerschaft, der erhebliche Flächen bei Schwenke bewirtschaftet.
Erster Schritt im mehrstufigen Verfahren
Dass der Aufstellungsbeschluss nur einen ersten Schritt im Planungsverfahren (mit Aufstellungs-, Einleitungs-, Entwurfs- und Satzungsbeschluss) bedeute, versuchte der Erste Beigeordnete Simon Thienel deutlich zu machen. Erst dieser versetzt die Projektträger in die Lage, in ein ordnungsgemäßes und kostenaufwendiges Prüfungsverfahren einzutreten. Man befinde sich im Stadium einer „Projektidee“, wie es Projektmanager Sebastian Meurer erläuterte, der zusammen mit Christian Kunz von der Mark-E die technischen, ökologischen und kostenmäßigen Aspekte erläuterte.
Weitere Informationen vom Kreis angefragt
Konsens zwischen den Lagern immerhin: Die Politik möchte in dieses weitere Verfahren eingebunden bleiben. Auf Vorschlag der Ausschussvorsitzenden Martina Hesse und Robert Günzel hin verständigte man sich darauf, einen fachkundigen Vertreter des Märkischen Kreises in die nächste Sitzung einzuladen, und zwar speziell auch zu der Frage, ob die Stadt Halver ihr sogenanntes „Flächenbeitragsziel“ für Erneuerbare Energien erreicht habe und damit die Bevorzugung der Windenergie (Entprivilegierung) hinfällig sein könnte. In diesem Fall könnte die Kommune wieder in die Steuerung von Windkraft eingreifen.
„Bereit, unser Landschaftsbild zu opfern?“
Das war auch die Stoßrichtung von Andreas Hesse (CDU): Halver komme mit der Zahl der Anlagen in eine Situation, mehr Energie zu erzeugen, als sie selbst verbrauche. „Sind wir bereit, unser Landschaftsbild zu opfern, um in Frankfurt schöne KI-Zentren zu versorgen?“, fragte er provokativ in die Runde. Die CDU machte am Mittwoch in der Sitzung und nur Minuten nach Ende über Social-Media-Kanäle deutlich, dass sie sich für eine Obergrenze von fünf bis sechs Anlagen für Halver ausspreche.
Versorgungssicherheit bei steigendem Bedarf
Klar war aber auch die Haltung der Befürworter. Über eine „Gratwanderung“, aber auch über „Energiesicherheit“ sprach SPD-Ratsfrau Astrid Becker. Und auch Thomas Volborth analysierte aus Sicht der UWG den Stand der Diskussion. Die Erzeugung der Energie sei auf diese Weise wirtschaftlich und regenerativ möglich, künstliche Intelligenz werde zu einem weiter steigenden Strombedarf führen. Und nicht zuletzt müsse man auch den städtischen Haushalt im Blick haben, der dauerhaft von den Erträgen der Anlagen profitieren werde.
Schwenke: Zahlen und Fakten
- Vier Anlagen Enercon 175, Höhe dreimal 249,5 Meter, einmal 262,5 Meter. Rotordurchmesser 175 Meter. 28 Megawatt Gesamtleistung, 27 Gigawatt im Jahr, entsprechend 18.000 Vier-Personen-Haushalten.
- Artenschutz: Vorliegende Ergebnisse zum Teil noch gültig. Anstehend: Erfassung tag- und nachtaktiver Vogelarten, Horstkontrollen, Habitatpotenzialanalysen, Schwarzstorchsuche, Höhlenbaumkartierungen für Fledermäuse.
- Beteiligung: Möglich für Bürger aus Halver, Radevormwald, Breckerfeld und Wipperfürth über Nachrangdarlehen.
- Geschätzte jährliche Erlöse der Kommunen: Halver 108.000 Euro, Rade 82.000 Euro, Wipperfürth 13.000 Euro, Breckerfeld 13.000 Euro.
Anschlag: Zahlen und Fakten
- Vier Anlagen Enercon 175, 249,5 Meter Gesamthöhe, Rotordurchmesser 162 Meter. Nennleistung 28 Megawatt, Jahresproduktion 85 Gigawattstunden, entsprechend 21.000 Vier-Personen-Haushalten.
- Artenschutz: Erfassung tag- und nachtaktiver Vogelarten, Horstkontrollen, Habitatpotenzialanalysen, Schwarzstorchsuche, Höhlenbaumkartierungen für Fledermäuse, unter Umständen neuer landschaftspflegerischer Begleitplan.
- Beteiligung: Möglich für Bürger aus Halver, Kierspe und Wipperfürth über Nachrangdarlehen.
- Erlös für Kommunen: Halver 235.000 Euro, Kierspe 10.000 Euro, Wipperfürth 10.000 Euro.









