47 Katzen, darunter 20 Kitten, leben derzeit im Tierheim Dornbusch — alle Katzenräume sind belegt. Selbst für Notfälle fehlt aktuell der Platz. Die Tierheimleitung appelliert deshalb an die Halter, ihre Tiere kastrieren, kennzeichnen und registrieren zu lassen, und bittet zugleich um Unterstützung für die überfüllte Katzenabteilung.

"Alle Katzenräume sind belegt", sagt Anna-Lena Pieper, Leiterin des Tierheims Dornbusch in Lüdenscheid. "Wir haben einen absoluten Aufnahmestopp für Katzen und können aktuell nicht einmal mehr Notfälle aufnehmen", bedauert sie. "Das ist besonders schade, für die Menschen, denen wir gerne helfen möchten, wenn sie Probleme haben und ihre Tiere aus zwingenden Gründen abgeben müssen."

Viele ungechipte Fundkatzen

Schon im Mai ging es damit los, dass dem Tierheim unverhältnismäßig viele Fundkatzen gebracht wurden. "In der Regel sind diese dann unkastriert oder sogar schon trächtig, sodass sie ihre Jungen dann hier bei uns bekommen", erzählt die 38-jährige, die seit 2009 im Tierheim arbeitet. Allein im Juli wurden 22 Katzen aus Lüdenscheid in Dornbusch abgegeben, von denen nur zwei mithilfe der Chipnummer an ihre Besitzer zurückvermittelt werden konnten. Diese Fundtiere werden dem Tierheim in den meisten Fällen vom Ordnungsamt gebracht. Aktuell besetzen 47 Katzen aller Altersstufen, davon 20 Kitten, die Räumlichkeiten.

"Wir können die Katzen ja auch nicht einfach zusammensetzen", erklärt Anna-Lena Pieper das Problem. "Es sind welche dabei, die absolut unverträglich mit anderen Katzen sind. Und eine Katzenmutter, die gerade ihre Babys bekommen hat, muss mit ihrer kleinen Familie zunächst Ruhe in einem eigenen Raum haben."

Nur gesunde Tiere werden vermittelt

Zwar sei die Nachfrage, gerade nach den jungen Kitten groß — doch nach der Geburt müssen sie zunächst für rund zehn bis zwölf Wochen bei ihrer Mutter bleiben. In diesen drei Monaten ist ihr Raum also auf jeden Fall blockiert. "Und dieser Zeitraum reicht auch nur dann, wenn die Katzen gesund sind", so Pieper. Hätten sie Krankheiten wie Durchfall oder die gefürchteten Giardien, dann könne sich eine Vermittlung über weitere Monate hinziehen. Daher täusche auch das Bild auf der Homepage des Dornbuscher Tierheims, auf dem viele Katzen als "reserviert" vermerkt sind — sie können das Tierheim nämlich erst verlassen, wenn sie einhundertprozentig gesund sind.

Pflegestelle, Tierpatenschaft und Sachspenden

Eine Unterstützung durch Tierfreunde würde Anna-Lena Pieper und ihr Team daher sehr freuen. Grundsätzlich gebe es dafür drei Möglichkeiten.

Die erste ist, eine Pflegestelle anzubieten. "Diese sind vor allem für alte und kranke Tiere — egal ob Hund oder Katze — wichtig", erklärt die Tierheimleiterin. Wichtig sei, dass Pflegefamilien sich stets bewusst sind, dass das gepflegte Tier grundsätzlich zur Vermittlung steht und es daher, sobald ein neues Zuhause gefunden ist, wieder abgegeben werden müsse. Außerdem müssten Kennenlerntermine für die Interessenten ermöglicht werden. "Natürlich kann eine Pflegeperson das Tier, das ihr ans Herz gewachsen ist, auch übernehmen — dann jedoch mit allen Konsequenzen", erläutert Pieper. Heißt: Dann müssten alle Kosten, die die Katze oder der Hund verursacht, auch selber getragen werden. Während einer Patenschaft übernimmt der Verein dagegen die Tierarztkosten und in Einzelfällen sogar das Futter.

Damit sei eine solche Patenschaft eine gute Möglichkeit für ältere Menschen, die viel Zeit haben und Tiere lieben: Sie könnten den Vierbeinern in ihren letzten Monaten oder Jahren beistehen, oder einem verängstigten Tier mit viel Zeit und Ruhe das Vertrauen zu Menschen vermitteln. Und das dann auch, wenn die Rente für die Kosten, die ein Tier verursacht, eigentlich nicht reicht.

Als zweite Möglichkeit, das Tierheim zu unterstützen, bieten sich Tierpatenschaften an, bei denen man für ein bestimmtes Tier spendet. Dafür bekommen die Paten neben einer Urkunde auch regelmäßig Fotos und Berichte über ihr Patentier, damit sie über dessen Werdegang immer auf dem Laufenden sind. "Natürlich können Paten auch jederzeit zu uns kommen und ihr Tier besuchen", ergänzt die Tierheimleiterin.

Wer sich nicht auf ein einzelnes Tier fokussieren, das Tierheim aber dennoch unterstützen möchte, kann jederzeit mit Sachspenden helfen. Immer gebraucht werden Kittennassfutter, Gastronassfutter gegen Durchfall, Katzenstreu, Kleintierstreu, Heu und Stroh sowie für Allergikerhunde das im Tierheim bewährte Futter der Marke 'Happy Dog Pferd'.

"Und natürlich freuen wir uns auch über Geldspenden, die wir vor allem für unsere Tierarztkosten verwenden können", wünscht sich Anna-Lena Pieper.

Tiere nicht aus Mitleid kaufen

Das Team des Tierheims freut sich, gerade weil die Katzenabteilung bereits überfüllt ist, darüber, dass die Anzahl vermittelbarer Hunde "normal" ist, obwohl sich aktuell auch einige Vierbeiner vom Partnerverein aus Rumänien in den Zwingern befänden. "Diese finden aber im Normalfall schnell ein Zuhause", weiß Anna-Lena Pieper aus Erfahrung.

"Schwieriger sind die Hunde, die vom Ordnungsamt beschlagnahmt oder wegen Beißvorfällen im Tierheim sind. Davon können wir aktuell auch keine mehr aufnehmen, das geben unsere Kapazitäten nicht her." In solchen Fällen verweisen die Tierschützer darauf, dass sich die Besitzer sich an Hundeschulen oder -trainer wenden sollen, um mit dem eigenen Hund zurecht zu kommen.

„Wir finden es schlimm, wenn sich Menschen im Vorfeld keine Gedanken machen und sich einfach eine unpassende Rasse zulegen", ärgert sich die Tierschützerin. Oft genug würden dann Argumente hören wie: 'Wir wollten den Hund ja nur retten und wussten nicht, dass der auch beißen könnte.'

Beratung, damit es zwischen Zwei- und Vierbeiner passt

Gerade aus diesem Grund bietet das Tierheim Dornbusch auch Beratungen an, bei denen herausgefiltert wird, welcher Hund zum Interessenten passt — damit nicht allein die Farbe oder das niedliche Aussehen die Entscheidung beeinflussen. "Einige sind aber dennoch unbelehrbar", erzählt Anna-Lena Pieper. "Wir können nur noch den Kopf schütteln, wenn Interessenten, die ein Kind haben, auf einen Hund bestehen, der wegen Beißvorfällen bekannt ist und der definitiv nicht mit Kindern klar kommt." Eine Vermittlung würde in einem solchen Fall dann auch seitens des Tierheims klar abgelehnt.

Kastrationspflicht einhalten

Zwölf feste Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit sowie drei Auszubildende kümmern sich mit Unterstützung von rund 30 ehrenamtlichen, aktiven Helfern darum, dass es den Tieren in Dornbusch gut geht. Sie alle wünschen sich von Tierhalten einen verantwortungsvolleren Umgang mit Tieren. "Alle Katzen sollten kastriert, gekennzeichnet und registriert sein, damit das Elend der Straßenkatzen und der unerwünschten und unvermittelbaren Tiere ein Ende hat!"

Dabei weist die Tierheimleiterin auch noch einmal darauf hin, dass in Lüdenscheid eine Kastrationspflicht für Katzen besteht. Auf Nachfrage von LokalDirekt beim Ordnungsamt der Stadt Lüdenscheid heißt es, dass die Strafe für das Halten einer nicht kastrierten Katze bis zu 1000 Euro betragen könne.

Laut Pressesprecher Sven Helmig müssen die Halter, wenn sie das erste Mal auffallen, zwar nur mit einer geringfügigen Verwarnung rechnen, im Wiederholungsfalle oder der Haltung von mehreren unkastrierten Katzen, könne sich diese aber deutlich steigern. Aktuell laufen in Lüdenscheid sieben Verfahren gegen uneinsichtige Katzenhalter.

"Plan B" sollte vorhanden sein

Wichtig für die Vermittlung eines Tieres aus dem Tierheim Dornbusch ist für die Tierschützer auch immer, dass der künftige Halter einen "Plan B" parat hat. Das heißt, es sollte im Vorfeld gesichert sein, wer das Tier im Krankheits- oder Urlaubsfall zu sich nehmen kann. Ist diese Frage geklärt, spiele das Alter der aufnehmenden Person keine Rolle: "Wir haben keine generelle Altersobergrenze", betont Anna-Lena Pieper. "Aber es ist wichtig, dass Mensch und Tier zusammenpassen. Denn es wäre unverantwortlich, einem 80-jährigen, der auf den Rollator angewiesen ist, einen quirligen Welpen, der später 40 Kilo wiegt, zu vermitteln", erklärt sie — ergänzt aber direkt: "Auch wenn diese Wünsche schon mal geäußert werden."