Wer in zehn Jahren noch einen Hausarzt in erreichbarer Nähe haben möchte, muss darüber sprechen, wie junge Mediziner für den ländlichen Raum gewonnen werden können. Genau darum ging es beim Besuch von Dr. Michael Achenbach im Kreishaus Lüdenscheid.

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Herausforderungen liegen nicht erst in der Zukunft

Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin ist seit dem 21. April neuer Leiter der Bezirksstelle Lüdenscheid der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und damit Ansprechpartner für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in den Kreisen Olpe, Siegen-Wittgenstein und im Märkischen Kreis. Er folgt auf Dr. Martin Junker.

Beim persönlichen Austausch mit Landrat Ralf Schwarzkopf (CDU) und Leslie Kamphuis (Fachbereichsleiterin Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz des Märkischen Kreises) stand allen voran im Fokus, wie eine leistungsfähige ambulante, medizinische Versorgung im Märkischen Kreis langfristig gesichert werden kann. Dabei wurde schnell deutlich: Die Herausforderungen liegen nicht erst in der Zukunft. Sie sind schon lange sichtbar.

Denn fast die Hälfte der Haus- und Fachärzte im Märkischen Kreis ist 60 Jahre oder älter. In den kommenden Jahren werden daher zahlreiche Praxen eine Nachfolge benötigen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an medizinischer Versorgung. Besonders groß ist die Herausforderung bei den Hausärzten.

„Wir reden bei der ärztlichen Versorgung gerne über die Zahl der Praxen. Entscheidend ist aber, wer diese Praxen morgen betreibt und unter welchen Bedingungen“, sagt Landrat Ralf Schwarzkopf. „Wenn fast die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte bereits 60 Jahre oder älter ist, können wir nicht warten, bis die ersten Türen tatsächlich geschlossen bleiben. Wir müssen dafür sorgen, dass junge Medizinerinnen und Mediziner den Märkischen Kreis als Ort zum Leben und Arbeiten kennenlernen. Und dass sie sich auch vorstellen können, hier langfristig zu bleiben.“

Berufsbild junger Ärzte ändert sich

Dabei verändere sich zugleich das Berufsbild. Der klassische Weg in die Selbstständigkeit mit eigener Praxis sei für viele junge Ärzte längst nicht mehr selbstverständlich, Angestellte Tätigkeiten und Teilzeitmodelle würden zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Für die Sicherstellung der Versorgung bedeutet das: Es braucht neue Antworten darauf, wie medizinische Arbeit im ländlichen Raum organisiert und attraktiv gestaltet werden kann.

Dr. Michael Achenbach sieht darin eine zentrale Aufgabe: „Wir müssen jungen Ärztinnen und Ärzten nicht erklären, warum der ländliche Raum Probleme hat. Wir müssen ihnen zeigen, welche Chancen er bietet. Dazu gehört auch, dass wir akzeptieren, dass sich die Vorstellungen vom Arztberuf verändert haben. Wer heute Medizin studiert, möchte vielleicht nicht mehr 60 Stunden in der eigenen Praxis arbeiten, sondern Verantwortung übernehmen und trotzdem planbare Arbeitszeiten haben. Wenn wir darauf keine Antworten geben, verlieren wir Nachwuchs.“

Ausbildung im Fokus

Ein Schlüssel liegt bereits in der Ausbildung. Medizinstudenten sollen frühzeitig mit der Arbeit im ländlichen Raum in Berührung kommen und Perspektiven für eine spätere Tätigkeit als Landarzt kennenlernen. Eine starke hausärztliche Weiterbildung und ein Studium mit einer klaren Ausrichtung auf die Allgemeinmedizin können dabei wichtige Bausteine sein. Dr. Michael Achenbach berichtete zudem über zwei von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe unterstützte Modellprojekte im Hochsauerlandkreis und in Herford. Auch die Erfahrungen mit Weiterbildungsverbünden waren Thema. Sie können dazu beitragen, die Weiterbildung zu organisieren und junge Ärzte über verschiedene Stationen hinweg in einer Region zu halten.