Sie wird immer mehr zur Bedrohung der heimischen Bienen: die Asiatische Hornisse. Imker aus der Region haben sich nun zusammengeschlossen, um über die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse aufzuklären und darüber zu informieren, was dagegen unternommen werden kann. Unterstützt werden sollen sie dabei von den Kommunen Halver und Schalksmühle.
"Ich bin vergangenes Jahr regelrecht von ihr überrannt worden", berichtet Christian Conrad, Imker aus Schalksmühle. Die Asiatische Hornisse habe einen erheblichen Teil seiner Völker vernichtet. Aber die invasive Art bedroht nicht nur die Honigbienen, sondern kann womöglich auch zu einem realen Problem für die Landwirtschaft werden. Denn die Asiatische Hornisse reduziert nicht nur die Population der Bienen, sondern ist eine Gefahr für alle anderen Bestäuber-Insekten. Und ohne diese tierischen Landwirtschaftshelfer können Obst und Gemüse nicht bestäubt werden. Das Hauptproblem bei der Invasorin ist, dass sie sich extrem schnell vermehrt. Aus jedem Nest, das nicht entfernt oder gefunden wird, entstehen im Folgejahr fünf bis zehn neue Nester allein im direkten Umkreis. Insgesamt können aus einem Nest, das in diesem Jahr nicht vernichtet wird, im nächsten Jahr schon 40 werden.
Allein ist Conrad mit dem Problem der Hornissenbekämpfung nicht — die acht weiteren Imker aus Schalksmühle, Halver, Lüdenscheid, Wipperfürth und Herscheid berichten von ähnlichen Erfahrungen. Am Mittwoch, 11. März, trafen sich die Imker im Café Breddermann, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
"Jedes gefundene Nest der asiatischen Hornisse muss zerstört werden"
Dabei muss klar unterschieden werden, ob es sich bei dem Insekt um eine Wespe, eine Europäische oder eine Asiatische Hornisse handelt. "Es geht uns nicht darum, Wespen oder heimische Hornissen auszurotten", betont Christian Conrad. Wenn es sich um die geschützten Arten handelt, würden auch Schutzbauten oder eine Umsiedelung Abhilfe schaffen. Auch die Asiatische Hornisse selbst, ergänzt Christian Conrad, sei für Menschen "per se harmlos — aber sie ist absolut bereit, ihr Nest zu verteidigen". Ihre Stiche seien im Normalfall nicht lebensbedrohlich, aber sehr schmerzhaft. In Einzelfällen könne das Gift der Velutina anaphylaktische Schocks und multiple Organversagen auslösen. Aus diesem Grund sei es wichtig, die gesamte Bevölkerung umfassend über diese Hornisse aufzuklären.
Bei Verdacht: Imker benachrichtigen
Wer glaubt, ein Nest der Hornissenart entdeckt zu haben, soll nicht selbst tätig werden, sondern Fachleute, zum Beispiel einen Imker aus der Umgebung anrufen. "Da die Nester der Asiatischen Hornisse denen anderer, geschützter Arten sehr ähneln, ist die genaue Bestimmung des Tieres sehr wichtig“, betont Christian Conrad. Aufgefundene Nester sollten für die Meldung immer mit einem aufsitzenden Tier fotografiert werden, um die Verwechslung mit geschützten Arten zu vermeiden. Das einzelne Tier ist dabei nicht angriffslustig, sogar eher scheu. Wenn man sich jedoch den Nestern nähert oder diese erschüttert, erfolgt ein Angriff von zahlreichen Tieren.
Vorrangig, so betont Conrad, gehe es den Imkern um die Aufklärung. "Viele Menschen haben die Problematik gar nicht auf dem Schirm." Dies soll sich nun ändern: Zum Treffen der Imker hat er Flyer der sogenannten "Velutina Army" mitgebracht. Dieser gibt nicht nur eine kurze Übersicht über die Hornissenart, sondern auch über Maßnahmen, die bei einer Sichtung ergriffen werden sollten. Apropos Sichtung: Eine solche kann direkt über das Portal der LANUK "Neobiota in NRW" gemeldet werden.
Finanzierung der Ausrüstung zur Bekämpfung der Hornissen über Spenden organisieren
Zu Gast war Christian Breddermann, Bürgermeister der Gemeinde Schalksmühle. Der ebenfalls eingeladene Armin Kibbert, Bürgermeister der Stadt Halver, war verhindert, ließ aber ausrichten, dass er "in vollem Umfang hinter dem Projekt und den heimischen Imkern" stehe.
"Ich verstehe, dass hier eine gewisse Handlungsfähigkeit hergestellt werden muss", betonte Christian Breddermann. Bereits im vergangenen Dezember habe Christian Conrad ihn angesprochen und über die mit der Hornissenart verbundenen Problematik aufgeklärt.
Ein erster Schritt in die richtige Richtung sei seines Erachtens die Anschaffung einer entsprechenden Schutzausrüstung für die heimischen Imker, um die Nester fachgerecht entfernen zu können. Da die Haushaltslagen der Kommunen jedoch angespannt seien, kann Breddermann sich am ehesten eine Finanzierung über Spenden oder Fördertöpfe vorstellen. "Die Ausrüstung ist speziell zur Bekämpfung der asisatischen Hornisse entwickelt worden. Sie hat nichts mit unserem eigentlichen Hobby, der Imkerei, zu tun", betont Christian Conrad. Die Möglichkeit, Sichtungen direkt online bei der "Neobiota" melden zu können, bezeichnet er als "sehr wertvolles Angebot".
"Der Bestand soll reduziert werden"
"Um unsere heimischen Bienen zu schützen, müssen wir den Bestand der Asiatischen Hornisse drastisch reduzieren", betont Christian Conrad. "Deshalb müssen wir jetzt eine bestmögliche Vernetzung zwischen uns Imkern herstellen." Christian Breddermann ergänzt: "Ich halte es für wichtig, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren, und bin froh, dass wir das Problem jetzt besprechen und angehen, und nicht erst, wenn es uns um die Ohren fliegt."
Die Asiatische Hornisse
Seit einigen Jahren breitet sich die Hornissenart, auch Vespa Velutina genannt, in den heimischen Gefilden aus. Sie hat hier keine natürlichen Feinde. Die erwachsenen Tiere ernähren sich überwiegend von zuckerhaltiger Nahrung. Ihre Larven werden jedoch mit Proteinen gefüttert — unter anderem Honigbienen, aber auch Wildbienen- und Fliegenarten und Spinnen. So wird sie zunehmend zur Bedrohung, da sie eine Gefahr für alle Bestäuberinsekten darstellt.
Unterstützer gesucht
Wer die heimischen Imker bei ihrer Arbeit — und gleichzeitig bei der Reduzierung des asiatischen Hornissenbestandes — unterstützen oder sich schlicht informieren möchte, kann sich direkt an Christian Conrad wenden, der anbot, sich organisatorisch verantwortlich zu zeigen. "Ich bin tagsüber meist gut unter Tel. 01577/9372845 erreichbar", sagte er schmunzelnd.
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