Mit Musik, bewegenden Reden, humorvollen Rückblicken und der feierlichen Zeugnisübergabe verabschiedete die Primusschule Schalksmühle am Freitag, 3. Juli, ihre Absolventen der Jahrgangsstufe 10. Dabei stand vor allem eines im Mittelpunkt: Zehn Jahre gemeinsames Lernen an einer Schule, die ihre Schüler nicht nur fachlich, sondern auch persönlich auf ihrem Weg begleiten will.

Der Baum als Symbol für zehn Jahre Entwicklung

Schulleiterin Astrid Bangert begrüßte neben den Absolventen auch Bürgermeister Christian Breddermann, Vertreter des Fördervereins, Eltern sowie zahlreiche Gäste. In ihrer Ansprache griff sie das Bild eines Baumes auf, der über zehn Jahre hinweg am selben Ort wachsen durfte.

Während viele Kinder nach der Grundschule an eine neue Schule wechseln und sich dort erst wieder einleben müssten, hätten die Schüler der Primusschule ihre gesamte Schulzeit an einem Ort verbracht. So hätten sie tiefe Wurzeln schlagen können — ohne künstliche Hürden und mit weniger Leistungsdruck: „Ihr habt Stürme nicht nur überstanden, ihr seid daran gewachsen“, sagte Bangert.

Erinnerungen an besondere Projekte

In ihrem Rückblick erinnerte die Schulleiterin an prägende Stationen der vergangenen Jahre. Dazu gehörten die erste Klassenfahrt nach Lindlar, die ausgefallene Fahrt nach Wangerooge, das Projekt „Verantwortung“ in Jahrgang 7 oder die Englischwoche, in der die Schüler ausschließlich mit Muttersprachlern arbeiteten. Mit einem Augenzwinkern bemerkte Bangert: „Vielleicht täte mir das auch mal gut.“

Auch Projekte wie die „Global Goals“, das Projekt „Herausforderung“ in Klasse 8 oder das eigenständige Arbeiten zu Beginn der neunten Klasse hätten die Jugendlichen geprägt. Besonders hob sie das pädagogische Konzept der Primusschule hervor, bei dem jahrgangsübergreifend gelernt wird. „Dabei kommt 'raus, was wir Menschen wirklich brauchen — echte Empathie“, betonte sie.

Mit Blick auf die zunehmende Bedeutung Künstlicher Intelligenz machte Bangert deutlich, dass Technik zwar viele Aufgaben übernehmen könne, Mitgefühl und zwischenmenschliche Beziehungen jedoch nicht ersetzen werde. An die Eltern gerichtet sagte sie: „Ihre Kinder haben hier viel einfacher ohne Angst lernen können.“

Auch die Abschlussfahrt nach Berlin sowie die kreative Mottowoche ließ sie noch einmal Revue passieren. Sie sei „eine der schönsten Mottowochen, die wir hier hatten“ gewesen.

Zum Abschluss ihrer Rede zitierte Bangert Galileo Galilei: „Man kann einem Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden.“ Passend zu ihrem Bild des Baumes fügte sie noch hinzu: „Ein Baum mit so tiefen Wurzeln kann über einen Sturm nur lachen.“

Musik und Humor prägen die Feier

Für den musikalischen Rahmen sorgte die Schulband. Mit „Wicked Game“ ernteten die Musiker bereits zu Beginn großen Applaus.

Anschließend richtete Bürgermeister Christian Breddermann das Wort an die Absolventen. Mit einem Augenzwinkern erzählte er, er habe eigentlich einige Jugendwörter und sogenannte „Dad Jokes“ einbauen wollen. Sein Sohn habe ihm davon allerdings abgeraten. Stattdessen gab es zunächst ein Kompliment: „Ihr seht heute alle unfassbar gut aus.“ Aus dem Publikum folgte schnell eine schmeichelnde Antwort einer Besucherin: „Du auch.“

Breddermann erinnerte daran, dass er selbst bereits vor 22 Jahren an der Schule, damals noch eine Hauptschule, gewesen sei und ebenfalls in der Schulband gespielt habe. „Wir wurden damals noch nach hinten verfrachtet — ihr habt euch nach vorne gekämpft. Sehr gut.“

Zugleich würdigte er die Entwicklung der Schule. „Euer Abschluss zeigt nicht nur, wie gut ihr euch entwickelt habt, sondern auch unsere Primusschule.“ Feierlich verkündete er, dass die Primusschule nun offiziell kein Schulversuch mehr sei, sondern fest im Bildungssystem verankert und dafür Applaus verdiene. Als dieser zunächst etwas verhalten ausfiel, scherzte der Bürgermeister: „Ich guck noch mal nach — nein, ich meinte: einen Riesenapplaus.“ Die Gäste kamen der Aufforderung lachend nach.

Persönliche Worte der Schüler

Für viele emotionale Momente sorgten die Redebeiträge der Abschlussklassen. „Wenn wir an unsere Schulzeit zurückdenken, denken wir nicht an Vokabeln oder Arbeitsblätter, sondern an die Menschen, die diese Zeit geprägt haben“, so Schülersprecher David Kinsfator. „Wir können stolz auf uns sein.“

Seine Kollegin Maya Bedewi wünschte allen Absolventen „Glück, Erfolg und den Mut, den eigenen Weg zu gehen“. Abschließend bedankten sich die Jugendlichen bei den Lehrkräften, der Schulleitung, dem Dekorationsteam, der Schulband sowie allen Helfern. Mit den Worten „Lasst euch niemals von einer Zahl auf dem Zeugnis sagen, was ihr erreichen könnt“ verabschiedeten sie sich von ihrer Schulzeit.

Zeugnisse, Überraschungen und Standing Ovations

Zwischen den Reden sorgte ein Video der „Stufenkrönungen“ mit Kategorien wie „Bestes Duo“, „Drama Queen“, „Immer zu spät“, „Streber“ oder „Wird mal reich“ immer wieder für Gelächter und großen Applaus. Für eine weitere Überraschung hatten die Lerngruppenleitungen gesorgt: In einem humorvollen Video blickten sie auf gemeinsames Lernen, Erfolge, Misserfolge, verspätete Hausaufgaben, Elterngespräche und den Pausen-Treffpunkt auf der Toilette zurück.

Den musikalischen Schlusspunkt setzte erneut die Schulband mit „Narcotic“ von Liquido. Bürgermeister Christian Breddermann bemerkte schmunzelnd, dass der Song mittlerweile wohl selbst schon als Oldie gelte. Zum Abschluss der Feier erhoben sich die Gäste zu Standing Ovations.