Erde unter den Fingernägeln, summende Bienen und Lavendelduft: 56 Schülerinnen und Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums treffen sich regelmäßig zur Zukunftswerkstatt.

„Es geht um die Frage, wie wir künftig leben wollen“, sagt Lehrerin Uta Hentschel. Die Antwort darauf suchen die Jugendlichen draußen statt im Klassenzimmer. Das Schulgelände verändert sich jetzt Stück für Stück: Die Liebe zur Natur und der achtsame Umgang mit ihr werden anhand vieler Projekte sichtbar.

Auf der Wiese hinter der Aula bauen die Schüler ein großes Weiden-Tipi, das im Sommer einen lauschigen Schattenplatz bieten soll. Rundherum legen sie einen Blühstreifen an; der Bauhof liefert 700 Kilogramm Sand dafür an. Mit der Schubkarre und Schaufeln verteilen ihn die Kinder dort, wo bald allerlei wachsen soll. Körperliche Arbeit, die zusammenschweißt. "Damit magern wir die Erde etwas ab. Nun wachsen dort Lavendel, ein Wildblumenmix und mehrjährige Kräuter", sagt Hentschel. Diese säen die Schüler selbst aus – in Jogurtbechern, die sie zu Mini-Gewächshäusern umfunktionieren.

„Das ist keine Faulheit, sondern ein wichtiger Lebensraum.“

Die Pflanzen sollen Bienen und anderen Insekten Nahrung bieten. „Die Stängel bleiben dann über den Winter stehen“, erklärt die Lehrerin. „Das ist keine Faulheit, sondern ein wichtiger Lebensraum.“ Denn genau darum geht es: um die kleinen Lebewesen, die oft übersehen werden. „Wir gehen bewusst nicht mit den Schülern ins Tierheim“, sagt sie. Sie kümmern sich um die Tiere, die keine große Lobby haben. Wildbienen, Hummeln, Insekten – ihr Verschwinden sei ein „stilles Sterben“, das viele gar nicht wahrnehmen:

Gemeinsam setzen sich die Schüler für Wildbienen und Insekten ein.
Foto: Hösterey

"Das Thema 'Umwelt' war irgendwann zu eng gedacht", sagt Uta Hentschel. Deshalb benennt sie die Umwelt-AG zusammen mit ihrem Kollegen Oliver Hentze in die Zukunftswerkstatt um. Und das Interesse ist groß; 56 Jugendliche treffen sich regelmäßig – genau wie die beiden Lehrer - in ihrer Freizeit.

Totholz bietet Lebensraum

Auf dem Schulhof gibt es unter anderem auch ein Insektenhotel und eine Benjes-Hecke. Aus Totholz geschichtet, bietet sie Schutz und Lebensraum. „Besser, als alles zu verbrennen und CO₂ freizusetzen“, sagt Uta Hentschel. Auch privat setzt sich für die Umwelt ein und freut sich, ihr Wissen und die Begeisterung an die Schüler weitergeben zu können.

Einmal im Monat trifft sich die Gruppe fest, dazwischen gibt es immer wieder Aktionen. Die Älteren leiten die Jüngeren an, helfen, erklären, packen mit an. „Es ist schön zu sehen, wie das über die Klassen hinweg funktioniert“, sagt sie.

"Die Zukunft kann einen erschlagen"

Und es wächst nicht nur im Boden. Viele der Jugendlichen bringen bereits ein Bewusstsein für die vielen Themen mit. Andere entdecken es hier. „Die Zukunft kann einen erschlagen.“, erklärt die Lehrerin. „Aber wenn man ins Tun kommt, merkt man: Man kann etwas verändern. Auch im Kleinen.“

Video: Paul Hösterey

Neben all den Pflanzen, Projekten und Ideen entsteht hier ein Ort, an dem sich junge Menschen begegnen – ohne Leistungsdruck, ohne Handy im Mittelpunkt. Stattdessen: Gespräche, gemeinsames Arbeiten, Miteinander. „Es erdet“, sagt Hentze. Im wahrsten Sinne.

Wunsch: "Dass das gesehen wird"

Was wünscht sie sich? „Dass das gesehen wird. Von Eltern, von Familien, von Spaziergängern.“ Und dass die Jugendlichen merken: Ihr Einsatz zählt. Denn während sie Lavendel pflanzen und Beete anlegen, gestalten sie längst mehr als nur ein Stück Grünfläche. Sie gestalten ihre eigene Vorstellung von Zukunft.