Die Ausgaben für Hilfen zur Erziehung steigen in Plettenberg deutlich. Für 2026 rechnet die Stadt derzeit mit Kosten von rund 7,92 Millionen Euro – veranschlagt waren 6,25 Millionen Euro. Damit zeichnet sich ein Mehrbedarf von rund 1,67 Millionen Euro ab. Mit der Entwicklung beschäftigte sich der Rat in seiner Sitzung am Dienstag, 15. September.
Christoph Wilk, Leiter des Fachgebiets Jugend und Familie, kündigte zunächst eine Einführung in das Thema an. Die intensive Beratung soll im Jugendhilfeausschuss erfolgen. Dessen nächste Sitzung ist für Mittwoch, 7. Oktober, vorgesehen.
Die Fall- und Kostensteigerungen beschäftigen die Stadt bereits seit mehreren Jahren. Nach Angaben der Verwaltung stiegen die Kosten für Hilfen zur Erziehung von 2022 auf 2023 um acht Prozent. Von 2023 auf 2024 waren es 26 Prozent, von 2024 auf 2025 weitere 28 Prozent. Besonders betroffen sind ambulante Hilfen. 2025 nahm zudem die Zahl der kostenintensiven stationären Hilfen um neun Prozent zu.
Folgen weltweiter Krisen
Zu den Fallzahlen erklärte Wilk in der Ratssitzung: „Wir spüren die Folgen des Kriegs in der Ukraine und der weiteren weltweiten Krisen.“ Unter anderem benötigten unbegleitete Minderjährige mit Kriegserfahrungen Unterstützung. Grundsätzlich kämen Fälle aus allen gesellschaftlichen Bereichen.
Wilk machte zugleich deutlich, worauf die Hilfen ausgerichtet seien: „Wir ermöglichen den Jugendlichen kein wirtschaftlich sorgenfreies Aufwachsen. Im Vordergrund steht der Schutz der körperlichen und seelischen Gesundheit.“
Klaus Salscheider (PWG), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, unterstützte diese Sichtweise: „Das Kinder- und Jugendwohl muss vornean stehen. Monetäres ist in diesen Fällen zweitrangig.“
Dass Plettenberg vergleichsweise hohe Fallzahlen aufweist, wertete Wilk nicht als Hinweis auf besonders schlechte Verhältnisse in der Stadt. Vielmehr seien Mitarbeiter in Kitas und Schulen gut qualifiziert und für mögliche Probleme sensibilisiert. Hilfebedarf werde dadurch erkannt. „Langfristig führt das zu Verbesserungen“, zeigte sich Wilk überzeugt.
Mehrkosten noch nicht gedeckt
Für den Haushalt stellt die Entwicklung die Stadt vor eine erhebliche zusätzliche Belastung. Im Etat 2026 sind für die Hilfen zur Erziehung rund 6,25 Millionen Euro vorgesehen. Die Verwaltung prognostiziert derzeit Aufwendungen von rund 7,92 Millionen Euro. Allerdings weist sie darauf hin, dass sich die Prognose aufgrund von neuen und abgeschlossenen Fällen sowie Zuständigkeitswechseln noch verändern kann.
Eine Deckung für die zusätzlichen Ausgaben kann die Verwaltung derzeit nicht darstellen. Nach Wilks Erläuterungen müssen deshalb überplanmäßige Ausgaben beantragt werden. Die weitere fachliche Beratung folgt im Jugendhilfeausschuss am 7. Oktober.










