Weltweit gibt es jedes Jahr unzählige besondere Aktionstage und Gedenktage. Einige sind lustig bis skurril, andere haben einen ernsten und sinnvollen Hintergrund und manche wiederum sollen an Themen erinnern, die im Alltag oft untergehen. LokalDirekt möchte mit der Serie "Kalenderblatt kurios" mal zum Schmunzeln anregen, mal Denkanstöße geben.
Ein Gespräch führen, telefonieren oder schnell eine Sprachnachricht verschicken – für viele Menschen gehört Kommunikation ganz selbstverständlich zum Alltag. Doch Sprache muss nicht immer zu hören sein. Am 23. September steht deshalb die Gebärdensprache im Mittelpunkt.
Sprache, die man sieht
Gebärdensprachen sind dabei weit mehr als eine Sammlung von Handzeichen: Sie sind eigenständige Sprachen mit eigener Grammatik und Ausdrucksweise. Bei der Kommunikation kommen nicht nur die Hände zum Einsatz: Auch Mimik, Körperhaltung und Mundbewegungen spielen eine wichtige Rolle.
Für viele gehörlose Menschen ist die Gebärdensprache ihre Muttersprache. Dabei gibt es nicht die eine Gebärdensprache weltweit. Verschiedene Länder und Regionen haben ihre eigenen Gebärdensprachen – ähnlich wie bei den gesprochenen Sprachen.
Eine bewegte Geschichte
Die Geschichte der Gebärdensprache reicht weit zurück. Bereits 1770 gründete der französische Geistliche Charles-Michel de l’Épée in Paris eine Schule für gehörlose Kinder und entwickelte eine Methode, bei der Gebärden eine zentrale Rolle spielten. In Deutschland gründete Samuel Heinicke im Jahre 1778 die erste staatliche Gehörlosenschule in Leipzig. Er stand im engen Austausch mit Abbé de l’Epée.
Doch die Anerkennung der Gebärdensprache verlief alles andere als geradlinig. Besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert setzte sich in vielen Schulen die sogenannte Lautsprachmethode durch. Gebärdensprache wurde teilweise aus dem Unterricht verbannt.
Erst im 20. Jahrhundert belegte die Sprachwissenschaft zunehmend, dass Gebärdensprachen vollwertige Sprachen sind. Heute sind sie ein wichtiger Bestandteil einer inklusiven Gesellschaft – und zeigen ganz nebenbei, dass Kommunikation deutlich mehr kann, als nur gesprochen zu werden.









