Ein weißes Seil zerschneiden, die Enden verknoten, ziehen. Das Ergebnis: ein Seil am Stück. Ein Trick, den jeder schon gesehen hat. Denkste! Dass der Zauberer im Publikum sitzt und Jaron (10) aus dem Publikum auf der Bühne das Seil „repariert“, ist eine Nummer, mit der Marc Weide nicht nur Jaron verblüffte.

Mit „Magier des Monats“, seinem inzwischen fünften Solo-Programm, gastierte Marc Weide zum zweiten Mal auf Einladung des Vereins für Kommunikation und Kultur (KUK) in Meinerzhagen. Diesmal vor vollem Haus in der Aula des Evangelischen Gymnasiums. Autokennzeichen und die Tatsache, dass gut ein Drittel der Ticketkäufe via Internet erfolgten, sind Indiz dafür, dass Weide zieht, dass der 34-Jährige längst zu den Großen der Szene gehört.

Nebelwolken, dramatische Paukenschläge oder scheppernde Gongs, Glitzerzeug, sind nicht sein Ding. Marc Weide setzt bei seiner Magie auf einfache Gegenstände und lässt sich von Alltagserfahrungen inspirieren. „Platzsparendes Packen“ etwa. Kasten auf Kasten zieht er aus einem Pappkarton, und in einem der Behälter steckt zudem sein weißer Sneaker. Eine Idee vom jüngsten Umzug von Berlin nach Düsseldorf. Und wie es sein kann, dass Kinder in den Schuhen den Sand vom gesamten Spielplatz nach Hause tragen, zeigt er mit Schuhen, aus denen endlos Sand in einen Spielzeug-Eimer rieselt. Zusammen mit Lennard, einem Jungen aus dem Publikum, lässt er den Ring einer Besucherin verschwinden, der in einem der Sandeimer wieder auftaucht, aber verschachtelt in immer kleiner werdenden Kartons, ähnlich der russischen Babuschka, bei der eine Figur immer kleine Kopien enthält.

Digitaler Trick: Publikum muss mitrechnen

Auch drei Tricks, „die es nicht in die Show geschafft haben“, wie der verstellte Rubiks-Würfel, der mit richtigen Farbflächen wieder auftaucht und zum Glas mit Orangensaft mutiert, verzaubern das Publikum. Der magische Handwerker, bezieht die Besucher ein, geht mit der Zeit und wendet „digitale Tricks“ an. Er lässt die Smartphone-Besitzer rechnen, lässt unter anderem Schuhgröße und die letzten drei Ziffern der Handynummer multiplizieren, und am Ende ist das Ergebnis das Datum mit der aktuellen Uhrzeit.

„Magier des Monats“, Name des Programms und ein Titel, den sich der Zauberweltmeister im Bühnenfach selbst verliehen hat. Am Ende erscheinen Protagonisten hinter Säulen mit Kartons. Sie ziehen Tiernamen, wählen auf Zuruf nummerierte Briefe aus und klappen anschließend die Karten auf. In den Kartons finden sie die zuvor gezogenen Tiere, und auf den Deckeln stehen die Silben des Titels in der richtigen Reihenfolge.

Handwerk statt „Glitzerzeug“

Spätestens da hat man das Gefühl: ein Abend zum Vergessen. Vergessen, im besten Sinne. Abschalten, dem Alltag mit Krisen und Katastrophen entfliehen. Zwei Stunden Staunen, Faszination pur. Marc Weide kommt unprätentiös, locker, bodenständig rüber. Ein Könner braucht kein großes Brimborium, kein „Glitzerzeug“, wie er es nennt. Nahbar, charmant, witzig wie der schelmische junge Mann von nebenan, nimmt er Besucher mit durch den Abend. Der Applaus ist kräftig. Eine Zugabe unausweichlich. Für die hat sein „persönlichstes Kunststück“, seine vierjährige Tochter Patin. Sie fürchtet die Dunkelheit vorm Einschlafen, aber mit Marcs zauberhafter Lichtschau löst sich auch das Problem – ein glanzvoller Schluss.

Die Show am Bamberg war erst der dritte Auftritt mit dem neuen Programm. Ein Jahr lang hat er daran getüftelt. „In einem Jahr sieht das schon wieder ganz anders aus“, verrät Marc Weide zwischen Tür und Angel. Grund genug, den Magier, Moderator und Entertainer alsbald wieder einzuladen.