Bis zu 150 Kilogramm schwer und trotzdem erstaunlich leicht: Die neuen Skulpturen von Günter Wermekes wirken auf den ersten Blick fast schwerelos. Tatsächlich bestehen sie aus massiven Stämmen von Eiche, Buche und Esche. Für seine Ausstellung „Mit allen Sinnen“ hat der international ausgezeichnete Designer, Goldschmied und Bildhauer 13 Skulpturen aus Holz geschaffen, das aus den Wäldern rund um Halver stammt. Die neue Ausstellung wird am Freitag, 25. September, in der Villa Wippermann eröffnet.
Wermekes ist vor allem für seine Schmuckkollektionen aus Edelstahl bekannt. Als Goldschmied und Designer hat er sich bereits in den 1990er-Jahren einen Namen gemacht. „Aber auch Skulpturen habe ich aber immer schon gefertigt“, sagt er im Gespräch mit LokalDirekt. „Die waren damals allerdings aus Metall.“
Vor fünf Jahren zog Wermekes nach Halver. Das Wäldchen, das zu seinem Grundstück gehört, brachte ihn dazu, sich intensiver mit dem Werkstoff Holz auseinanderzusetzen. Während Stahl für ihn Technik und Geradlinigkeit verkörpert, steht Holz für Lebendigkeit. „Die Stämme haben Äste, Risse, eine Rinde und krummes Holz – das alles inspiriert mich“, sagt er. „Ich bin ein Verfechter des materialgerechten Gestaltens und sehe mich als Übersetzer des Materials. Es spricht eine eigene Sprache“, beschreibt Wermekes seinen Arbeitsstil.
Für seine Skulpturen verwendet Wermekes ausschließlich Totholz. „Für meine Projekte muss kein Baum gefällt werden“, betont er. Die Rohlinge aus Eichen-, Buchen- und Eschenholz stammen aus den Wäldern rund um Halver. Mit einer Motorsäge fräst er Nuten in das Holz und arbeitet so die charakteristischen Formen heraus. Dabei gibt das Holz zwar die Richtung vor, die endgültige Gestaltung bleibt aber seine Entscheidung. „Ich lasse mich von der Form des Baumes zwar anregen, die endgültige Form des Kunststückes definiere ich aber selber.“ Die eingefrästen Nuten verstärken dabei die Spannung der Formen und betonen bei einigen Arbeiten zusätzlich die Taillierung.
Fotogalerie
Ganz spontan entstehen die Skulpturen allerdings nicht. „Ich denke viel nach, bevor die Säge angeworfen wird. Nichts passiert spontan, alles ist geplant“, erklärt Wermekes. Zunächst entscheidet er sich für einen passenden Rohling und entfernt die Rinde. Erst dann kann er die Proportionen erkennen, mit denen er arbeiten möchte. Für die eigentliche Umsetzung benötigt er je nach Werk ein bis drei Tage.
Zur Ausstellung gehören neben den 13 Holzskulpturen auch fünf Fahnen mit auf Stoff gedruckten Fotografien. Sie zeigen Eindrücke und Stimmungen aus dem Entstehungsprozess der Kunstwerke. „Daher sollen sie auch nicht als bedrucktes Papier hinter Glas gezeigt werden. Sie sollten zum Thema Holz passen und sind daher auf dem Stoff ganz natürlich dargestellt.“
Für Wermekes ist das Arbeiten mit Holz mit dieser Ausstellung noch lange nicht abgeschlossen. „Ich werde an dem Thema noch eine Weile arbeiten“, sagt er. Die Rillen, die in den aktuellen Arbeiten eine wichtige Rolle spielen, könnten künftig durch andere Gestaltungselementen ersetzt werden. „Später werde ich vielleicht mehr mit Ecken und Kanten arbeiten. Das kann ich aber nicht planen, solche Ideen kommen dann einfach.“
Jana Eilhardt, Kuratorin des Regionalmuseums und Organisatorin der Ausstellung, erkennt trotz der unterschiedlichen Formen eine klare Handschrift. „Man sieht den Stücken an, dass sie von Wermekes stammen. Es lässt sich nicht genau festmachen, warum das so ist. Es ist einfach geradlinig, das Material wird nicht verfremdet, keinem Material wird eine Form übergestülpt“, sagt sie.
"Die optische Leichtigkeit täuscht"
Dass die Arbeiten nicht nur optisch Eindruck machen, zeigt sich spätestens beim Aufbau der Ausstellung. Die Skulpturen wiegen je nach Größe zwischen 40 und 150 Kilogramm. „Die optische Leichtigkeit täuscht“, sagt Eilhardt und erinnert sich an das eigene Erlebnis beim Aufstellen der Werke. Für Wermekes ist die Ausstellung auch eine Premiere: Er stellt erstmals in Halver aus. „Die Stadt hat mit der Villa Wippermann einen echten Schatz“, sagt er.
Eröffnung am 25. September
Zur Eröffnung am Freitag, 25. September, um 18 Uhr begrüßen Bürgermeister Armin Kibbert und Günter Wermekes die Gäste persönlich. Der Künstler gibt Einblicke in seine Arbeit und erläutert die Entstehung der ausgestellten Werke. Zusätzlich sind einige Schmuckstücke aus seiner experimentellen Phase der Anfangsjahre zu sehen.
Wie bei den bisherigen Ausstellungen hat Jana Eilhardt auch diesmal einen kurzen Film zur Einstimmung auf den Ausstellungsbesuch gedreht. Die Ausstellung „Mit allen Sinnen“ ist vom 25. September bis zum 10. Januar in der Villa Wippermann zu sehen. Alle ausgestellten Kunstwerke stehen zum Verkauf.
Öffnungszeiten der Villa Wippermann
- Dienstags und mittwochs von 15 bis 17 Uhr,
- donnerstags von 15 bis 19 Uhr
- sonntags von 11 bis 16 Uhr
- Wer die Ausstellung außerhalb der regulären Öffnungszeiten besuchen möchte, kann sich per E-Mail an [email protected] an das Mitarbeiterteam der Villa Wippermann wenden. Das verspricht: "Ob Gruppe, Verein oder Frühstückskreis — wir freuen uns über interessierte Besucher und machen gerne einen individuellen Termin möglich."









