Hohe Energiekosten, schwache Nachfrage und internationale Konkurrenz setzen die Industrie unter Druck. Beim Besuch der SPD-Spitze bei Risse + Wilke in Iserlohn standen die Zukunft des Standorts und die Rahmenbedingungen für Unternehmen im Mittelpunkt.
Hoher Besuch am Dienstagvormittag bei der Firma Risse + Wilke Kaltband GmbH & Co. KG im Iserlohner Ortsteil Stenglingsen. Achim Post, Vorsitzender der SPD in Nordrhein-Westfalen, kam mit der heimischen Bundestagsabgeordneten Bettina Lugk, dem 1. Bevollmächtigten der IG Metall Märkischer Kreis und zugleich SPD-Bundesvorstands-Mitglied Fabian Ferber sowie Iserlohns Vize-Bürgermeister Michael Scheffler zum „Gedankenaustausch“ mit Unternehmensführung und Betriebsrat.
Industriestrompreis zentrales Thema
Der hohe Industriestrompreis, die überbordende Bürokratie, die schleppenden Reformvorhaben der Berliner Koalition, der Kostendruck vor allem aufgrund der starken Konkurrenz aus China waren die zentralen Themen.
20 Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht das energieintensive Unternehmen jedes Jahr. „In China zahlen die Firmen nur fünf Cent pro Kilowattstunde, und die Löhne sind nur ein Fünftel so hoch wie bei uns“, beschrieb Jörg Lohölter, Geschäftsführender Gesellschafter von Risse + Wilke, die ungleichen Rahmenbedingungen. Er lobte die Bemühungen der Berliner Koalition. „Aber was jetzt dabei rauskommt, reicht nicht“, erklärte CDU-Mitglied Lohölter.
100 Stellen abgebaut
Er rannte damit bei Nordrhein-Westfalens oberstem Sozialdemokraten offene Türen ein: „Wenn diese Koalition es in den nächsten Monaten nicht schafft, dann weiß ich es auch nicht mehr. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Probleme gelöst werden“, so Achim Post. So lange kann Risse + Wilke nicht warten. Das Unternehmen wurde selbst aktiv. Auslöser: Die Kapazität der Kaltband-Produktion ist auf 120.000 Tonnen ausgelegt. Lohölter: „Derzeit sind es aber nur zwischen 75.000 und 80.000 Tonnen.“ Die Konsequenz: Die Belegschaft wurde in wenigen Jahren von 350 auf aktuell noch 250 Beschäftigte reduziert. „Anfang der 2020er Jahre hatten wir noch das beste Jahr der Firmengeschichte“, verriet Jörg Lohölter.
Fusion mit Mendritzki
Mitte Juni ist deshalb die Zielmarke für eine Fusion mit der Plettenberger Mendritzki-Gruppe. Die Firma ist ein alteingesessener Hersteller von kaltgewalztem Bandstahl, der vor allem die Automobil- und Automobilzulieferindustrie beliefert. Die 690 Mitarbeiter erzielen an den sechs Unternehmensstandorten einen Umsatz von 690 Millionen Euro. Jörg Lohölter: „Beide Unternehmen ergänzen sich gut, wir können Synergien nutzen, etwa durch den gemeinsamen Einkauf.“ Die Fusion, die auch Thema bei der Betriebsversammlung war, wird Stellen kosten. Lohölter: „Wir werden die Zahl der Führungskräfte von 29 auf 19 abbauen.“ Die Produktion sei nicht betroffen. „Die Arbeitsplätze dort können wir halten.“
Organisationsgrad über 90 Prozent
Der Personalabbau, da sind sich alle Beteiligten sicher, wird bei Risse + Wilke in großem Einvernehmen zwischen Unternehmensführung, Betriebsrat und IG Metall geschehen. „Es lief hier in der Vergangenheit immer gut“, bestätigte auch IG Metall-Bevollmächtigter Fabian Ferber. Man habe seit sechs Jahren einen Firmentarifvertrag. Auch der Geschäftsführende Gesellschafter lobte das Miteinander mit Betriebsrat und IG Metall. „Wir haben hier einen Organisationsgrad von mehr als 90 Prozent“, zeigte Betriebsratsvorsitzender Manuel Jimenez die durchaus große Kampfbereitschaft der Risse + Wilke-Belegschaft auf. Die Arbeitnehmer-Vertretung und deren Wirtschaftsausschuss seien stets in die Unternehmens-Entscheidungen eingebunden gewesen.
Für Kommune überlebenswichtig
Auch für die Stadt Iserlohn ist es von großer Bedeutung, das innovative Familienunternehmen am Standort zu halten. Die 106-jährige Firmengeschichte solle gerne weitergehen. „Das ist auch für uns als Kommune überlebenswichtig“, sagte Iserlohns Vize-Bürgermeister Michael Scheffler beim Besuch am Stenglingser Weg.








