Der Kinderschutzbund (DKSB) in NRW hat bei seiner Landesmitgliederversammlung am Samstag, 25. April, in Lüdenscheid ein deutliches Zeichen gegen den zunehmenden Rechtextremismus in Deutschland gesetzt. Die Delegierten aus den Orts- und Kreisverbänden in NRW verabschiedeten im Ratssaal des Lüdenscheider Rathauses eine Resolution, die Lüdenscheider Erklärung. Darin betont der Verband, dass Kinderschutz, Kinderrechte, Demokratie und Menschenwürde untrennbar zusammengehören.
„Rechtsextremismus, Hass und Ausgrenzung haben in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz. Wer Kinder schützt, schützt auch unsere Demokratie“, erklärte Landesvorsitzende Prof. Dr. Gaby Flößer. Der Kinderschutzbund in NRW verweist darauf, dass extremistische Angriffe auf soziale Institutionen, Familien und zivilgesellschaftliches Engagement eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt darstellen. „Umso wichtiger ist es, Kinder und Jugendliche frühzeitig zu beteiligen, Demokratiebildung zu stärken und ihnen sichere Räume für Mitbestimmung zu eröffnen“, ergänzte die Landesgeschäftsführerin Krista Körbes.
Der Verband fordert daher mehr verbindliche Beteiligung junger Menschen, eine konsequente Verankerung von Kinderrechten in Bildung und Jugendhilfe sowie eine klare Unterstützung demokratischer Strukturen vor Ort. „Eine starke Demokratie braucht starke Kinderrechte“, so Uwe Hindrichs, Vorsitzender des DKSB Ortsverbandes Lüdenscheid.
Für Gaby Flößer ist die „Lüdenscheider Erklärung“ ein erster Schritt zu einer breit angelegten Kampagne, die die Positionen und Ziele des Kinderschutzbundes stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankern soll. Ein Anlass ist die Forderung von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, die staatliche Förderung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in bestimmten Bereichen zu überprüfen. Er hatte dabei auf Ankündigungen auch von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hingewiesen. „Das hat mich doch sehr getriggert“, sagte Gaby Flößer, die als Professorin für Sozialpädagogik unter Berücksichtigung ihrer Handlungsfelder und Institutionen an der TU Dortmund arbeitet. Die Lüdenscheider Erklärung hier im Wortlaut.
Zuvor hatte Dr. Thomas Pfeiffer, wissenschaftlicher Referent für Rechtsextremismusprävention im NRW-Innenmisterium, einen Fachvortrag zum Thema „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ gehalten. Er schilderte, wie Rechtsextreme Gruppen ihre Methoden von der bloßen politischen Agitation über Angebote zu Freizeitaktivitäten bis hin zum Lifestyle entwickelt hätten. „Durch Social Media ist der Eintritt in rechtsextreme Welten niedrigschwelliger geworden“, stellte er fest. Das könne so weit führen, dass sich für Kinder und Jugendliche reale Welten und virtuelle Welt vermischten. Anhand einiger Videos zeigte Thomas Pfeiffer, wie Jugendlichen vermittelt werde, dass Rechts sein modern sei und Spaß mache. Ihre Botschaften würden dabei unterschwellig und durch bestimmte Codes vermittelt. So stehe beispielsweise die Kiwi-Frucht für antiqueere Agitation. Es gebe aber zahlreiche weitere Symbole, die von rechtsextremen Gruppen besetzt worden seien. Ein weiteres Beispiel: Vampir: Der Vampir als „Blutsauger“ ist ein antisemitischer Stereotyp. Er werde deshalb gerne von Rechten und Rechtsextremen genutzt.
„Wir brauchen einen wachsamen Blick auf die Sprache und tiefere Einblicke in jugendliche Lebenswelten“, sagte Gaby Flößer in der anschließenden Diskussion. Ein Pädagoge aus Werdohl forderte „mehr Ressourcen für die Schulen. Sie sind zu schwach aufgestellt.“ Es müssten klare Grenzziehungen möglich sein, ohne den Kontakt zu den Jugendlichen aufzugeben.
Bürgermeister Sebastian Wagemeyer betonte in seinem Grußwort, Erwachsene müssten Kindern und Jugendlichen die Welt erklären, ohne ihnen Angst zu machen. Zum Kinder- und Jugendschutz erklärte er: „Wir müssen herausfinden, wie viel Schutz nötig und wie viel Eigenverantwortung möglich ist.“
Uwe Hindrichs, Vorsitzender des KSB-Ortsverbandes Lüdenscheid, nutzte die Landesmitgliederversammlung, um Katrin Nockemann aus der KSB-Geschäftsstelle auszuzeichnen. „Sie ist seit 33 Jahren zentrale Ansprechpartnerin und die gute Seele des Vereins“, sagte er.








