Seit mehr als einem Jahr wird in Breckerfeld über einen Skatepark und Pumptrack diskutiert. Es geht um die Frage, wie das Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche erweitert werden kann — aber auch um viel Geld und um die Frage, welcher Standort überhaupt infrage kommt. Im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss stand das Thema am Dienstag, 22. September, erneut auf der Tagesordnung — doch eine endgültige Entscheidung gibt es noch nicht. Dafür aber einen neuen Kompromissvorschlag.

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Mehrheit für reinen Pumptrack

Fest steht nach der Sitzung lediglich eines: Einen kombinierten Skatepark mit Pumptrack will der Ausschuss derzeit an keinem der untersuchten Standorte weiterverfolgen. Auch ein reiner Skatepark fand keinen Zuspruch. Vielmehr sprach sich, bei drei Enthaltungen, die Mehrheit für einen reinen Pumptrack aus. Zudem soll die Verwaltung nun zusätzlich prüfen, ob eine Boulderwand an der Sport- und Freizeitanlage eine Alternative oder Ergänzung sein könnte.

Ringen zwischen Freizeitangebot und Lärmbelästigung

Die Idee für einen Skatepark beziehungsweise Pumptrack ist nicht neu. Bereits 2025 beauftragte die Stadt eine Fachfirma mit einer Standortanalyse. Hintergrund war der Wunsch aus der Bürgerschaft nach zeitgemäßen Freizeit- und Sportmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Ein solches Angebot könne Treffpunkt sein und soziale Kontakte fördern, lautete das Hauptargument.

Die Stadtverwaltung ließ daraufhin mehrere Flächen per Standortanalyse prüfen, drei Standorte kamen anschließend in die engere Auswahl: der Bolzplatz am Hansering, die Sport- und Freizeitanlage an der Wahnscheider Straße sowie die Parkanlage „Alter Friedhof“ im Bereich des Windmühlencenters.

Eine weitere immissionsschutzrechtliche Untersuchung brachte dabei jedoch zusätzliche Einschränkungen: Die Gutachter halten, ausgehend von einer Öffnungszeit von 9 bis 21 Uhr, zwar einen Pumptrack an allen drei Standorten grundsätzlich für möglich. Ein Skatepark wäre dagegen nur im Park „Alter Friedhof“ und an der Sport- und Freizeitanlage denkbar — dort allerdings auch nur mit zusätzlichen Schallschutzmaßnahmen.

„Schlicht und einfach zu viel“ Lärm

Bürgermeister André Dahlhaus (CDU) berichtete im Ausschuss von zahlreichen Gesprächen mit Initiatoren und Anwohnern. Gerade im Bereich der Sport- und Freizeitanlage gebe es erhebliche Bedenken. Dort würden Anwohner bereits durch Fußballtraining, Wochenendspiele, Veranstaltungen im Vereinsheim, die Tribüne und das Mehrzweckfeld einer erhebliche Geräuschkulisse ausgesetzt sein. „Da wäre die zusätzliche Lärmbelastung durch einen Skatepark schlicht und einfach zu viel“, sagte Dahlhaus.

Hinzu komme ein Problem, das sich nur schwer planen lasse: Was, wenn Kinder und Jugendliche die Anlagen außerhalb der erlaubten Zeiten nutzen? Dahlhaus verwies darauf, dass dann unter Umständen ordnungsbehördliche Maßnahmen notwendig würden: „Und das könnte für die Stadt zusätzlichen Personal- und Kostenaufwand bedeuten.“

„Sehr überschaubare Interessengruppe“

Apropos Kostenfrage. Die CDU rechne, so erklärte Axel Zacharias, für die kombinierte Anlage mit insgesamt etwa 500.000 bis 600.000 Euro. Selbst bei einer Förderung müsste die Stadt nach Angaben der Fraktion noch rund 300.000 Euro selbst tragen. Gleichzeitig verwies er darauf, dass ein Skatepark aus Sicht der CDU nur eine „sehr überschaubare Interessengruppe“ anspreche.

Die Fraktion sehe sich deshalb nicht nur der Frage gegenüber, ob Breckerfeld einen Skatepark oder Pumptrack braucht, sondern auch, wie ein möglichst breit nutzbares Freizeitangebot aussehen könnte.

Axel Zacharias brachte deshalb einen anderen Ansatz ins Spiel: einen reinen Pumptrack im Park „Alter Friedhof“ und zusätzlich eine Boulderwand an der Sport- und Freizeitanlage. „Das wäre aus unserer Sicht ein Kompromiss“, sagte Zacharias. Der Ausschuss stimmte im späteren Verlauf der Ausschusssitzung dafür, den Vorschlag zur Boulderwand zur weiteren Beratung an die Stadtvertretung zu geben.

Unter einem Pumptrack sind absichtlich gebaute Bodenwellen zu verstehen. Die Politik begrüßt bei dieser Variante vor allem, dass sie auch von jüngeren Kindern mit Laufrädern, Rollern oder Fahrrädern genutzt werden könnte.
Foto: Symbolbild | Envato Elements

SPD sieht Bedarf

„Auch wir haben das Thema während der Sommerpause sehr kontrovers mit Bürgerinnen und Bürgern, aber auch innerhalb der Fraktion diskutiert“, berichtete Jefferson Gerbothe für die SPD. Auch seine Fraktion sehe die kombinierte Variante Skatepark/Pumptrack an keinem der drei Standorte als geeignet an, grundsätzlich aber weiterhin Bedarf für ein entsprechendes Freizeitangebot. Gerbothe regte an, daher eine weitere Standortprüfung in Erwägung zu ziehen. Dahlhaus verwies jedoch darauf, dass die Stadt bereits eine umfassende Standortanalyse durchgeführt habe.

Grüne wollen Skateangebot erhalten, FDP favorisiert Park

Die Grünen hätten dagegen lieber an der ursprünglichen Idee festgehalten. Christoph Altenbeck machte deutlich: „Wenn, dann würden wir die kombinierte Variante Skatepark/Pumptrack bevorzugen.“ Für ihn seien „die Standorte allerdings ein Knackpunkt.“ Am ehesten komme für seine Fraktion der Park „Alter Friedhof“ infrage: „Kinder und Jugendliche müssen das Angebot gut erreichen können. „Auch Infrastruktur wie Bushaltestellen und Toiletten spiele eine Rolle.

Wie viel ein notwendiger Schallschutz tatsächlich kosten würde, wollte Oliver Ochsenfarth (Grüne) wissen. Dahlhaus erklärte dazu, das lasse sich derzeit noch nicht sagen: "Das Lärmschutzgutachten nennt entsprechende Maßnahmen, enthält aber keine Kostenberechnung." Diese könne erst erfolgen, wenn ein konkreter Standort feststehe.

Die FDP favorisiert als Standort ebenfalls den Park. Björn Menna sieht jedoch dort, vor allem aber an der Sport- und Freizeitanlage weniger die reguläre Nutzung als problematisch, sondern vielmehr eine mögliche Nutzung außerhalb der festgelegten Zeiten.

Pumptrack im Park bleibt möglich

Nach den Stellungnahmen der Fraktionen leitete Ausschussvorsitzender Martin Gensler (CDU) zur Abstimmung über, nach der sich derzeit eine mögliche Richtung abzeichnet: Ein Pumptrack im Park „Alter Friedhof“ könnte seitens der Stadt weiterverfolgt werden. Dafür wären allerdings weitere Planungsschritte und Gutachten nötig. 

Den Park "Alter Friedhof" können sich die Mitglieder des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses am ehesten als Standort für einen Pumptrack vorstellen.
Foto: Satur

Zumindest aus finanzieller Sicht könnte für das Vorhaben eine LEADER-Förderung möglich sein, erklärte der Bürgermeister: "Sofern der Förderantrag bis Ende 2027 gestellt wird."

Die entscheidende Weichenstellung folgt damit am 15. Oktober in der Stadtvertretung. Dann geht es nicht nur um die Frage, ob Breckerfeld einen Pumptrack bekommt oder ob der CDU-Antrag hinsichtlich einer Boulderwand Zustimmung findet. Es geht auch darum, wie viel der Stadt ein neues Freizeitangebot wert ist — und welche Variante sich mit Anwohnerinteressen, Lärmschutz und den finanziellen Möglichkeiten vereinbaren lässt.

Initiatoren enttäuscht, aber nicht hoffnungslos

Amelie Clever von der Ideenwerkstatt Breckerfeld und Fabian Himmen, selbst passionierter Skater und Mitinitiator des Vorschlags, in Breckerfeld einen Skatepark mit angrenzenden Pumptrack zu bauen, verfolgten die Diskussion im Ausschuss. Das Ergebnis fällt für sie gemischt aus. „Positiv ist, dass der Ausschuss immerhin nicht dafür votiert hat, die Planungen vollständig einzustellen“, so Clever.

Ihr eigentliches Ziel sei jedoch die Kombination aus Skatepark und Pumptrack gewesen: „Und das Skateangebot fällt damit nun so gut wie raus“, sagt Himmen im Gespräch mit LokalDirekt. Die Argumentation, ein Skatepark spreche nur eine überschaubare Gruppe an, können beide nicht nachvollziehen. Amelie Clever verweist auf den Aktionstag zum Weltkindertag in Breckerfeld am vergangenen Sonntag: Dort seien zahlreiche Kinder und Jugendliche mit Boards und Rollern unterwegs gewesen. Und Himmen ergänzt: „In Halver wurde kürzlich eine Skateanlage eröffnet — da sollten die Stadtvertreter jetzt mal hinfahren, bei diesem Wetter ist es da rappelvoll.“