Wie kann Plettenberg attraktiver werden, wo kann die Stadt sparen und wie lässt sich Kommunalpolitik verständlicher vermitteln? Bei der ersten Veranstaltung „Bürger meets Politik“ diskutierten Bürger und Vertreter der Plettenberger Ratsfraktionen über konkrete Ideen und Probleme. Am Ende bestand Einigkeit in einem Punkt: Das Format soll in ähnlicher Form wiederholt werden.

Überregionale Nachricht

Bürger und Kommunalpolitiker haben sich am Donnerstag, 13. August, im Gasthof Battenfeld zu einem direkten Austausch getroffen. Die Fraktionen von CDU, SPD, PWG, Bündnis 90/Die Grünen und FDP hatten gemeinsam zu „Bürger meets Politik“ eingeladen. LokalDirekt-Redakteur Bernhard Schlütter moderierte die Gesprächsrunde.

Die Themen reichten von Kultur und Freizeitangeboten über die Arbeit des Bauhofs und die Gestaltung der Innenstadt bis zur Digitalisierung der Verwaltung. Ebenso ging es um die Frage, wie Politik ihre Entscheidungen für Bürger verständlicher machen kann.

Kleinere Kulturveranstaltungen in den Fokus nehmen

Detlef Krüger sprach die künftige Kulturpolitik in Plettenberg an. Dabei ging es unter anderem um den Beirat der KulTour GmbH und den Kulturkreis Plettenberg. Nach Krügers Einschätzung könnten künftig verstärkt kleinere Veranstaltungen angeboten und dafür beispielsweise der Ratssaal genutzt werden. Als Motto nannte er: „Von Plettenbergern für Plettenberger.“ Eine Querfinanzierung solle es nicht geben; beteiligte Vereine sollten finanziell von Veranstaltungen profitieren.

Auch die geplanten Poller in den Innenstadt kamen zur Sprache. Diese sollen nach den Angaben aus der Gesprächsrunde noch in diesem Jahr dort installiert werden, wo derzeit Lkw als Blockade dienen. Zusätzlich seien Poller an der Waterkant in Eiringhausen vorgesehen.

Idee für einen Pumptrack am AquaMagis

Silke Dupont, zweite Vorsitzende des neuen Fördervereins Jugend, rückte Angebote für Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt. Sie brachte einen Pumptrack am AquaMagis ins Gespräch. Als Beispiel verwies sie auf Neuenrade, wo eine solche Anlage 270.000 Euro gekostet habe und mit 100.000 Euro gefördert worden sei. Für Plettenberg solle geprüft werden, ob eine Förderung über LEADER möglich wäre.

„Wir müssen mehr für Jugendliche tun“, sagte Dupont.

Silke Dupont forderte: "Wir müssen mehr für Kinder tun."
Foto: Tim Ihne/ReachNext Agency

Klaus Salscheider von der PWG kündigte an, das Thema in eine Ausschusssitzung im September einzubringen. Dort sollen Kosten und Fördermöglichkeiten geprüft werden.

Detlef Krüger verwies zugleich auf die Frage der Trägerschaft. Hinter einem Pumptrack oder vergleichbaren Angeboten müsse ein Verein stehen, der Verantwortung übernehme.

Dirk Thomee (CDU) brachte das Gelände der ehemaligen Tennisanlage des TC Blau-Gelb Plettenberg als möglichen Standort ins Gespräch. Dabei müsse allerdings berücksichtigt werden, dass sich das Gelände in einem Überschwemmungsgebiet befinde.

Marco Straßberger-Tamm von Bündnis 90/Die Grünen sprach über ein geschlossenes Gebiet für Fahrradtrails. Nach seinen Angaben gebe es dazu bereits Pläne, die der Verwaltung vorlägen. Geeignete Gebiete müssten herausgearbeitet und mögliche Anbindungen etwa an das AquaMagis oder den Bahnhof geprüft werden. Dabei müssten auch die Waldbesitzer einbezogen werden.

Diskussion um Spielplätze und Eigeninitiative

Beim Thema Beiese schilderte Silke Dupont ihren Eindruck mit deutlichen Worten: „Mir standen die Tränen in den Augen, wie es da aussah.“

Klaus Salscheider erklärte, für den dortigen Spielplatz habe die Verantwortung nicht mehr übernommen werden können. Martina Reinhold (SPD) verwies auf einen neuen Bebauungsplan für den Bereich. Dieser solle Steuerungsmöglichkeiten schaffen. Zudem habe es zuletzt zu viel Müll gegeben. Perspektivisch solle dort wieder ein Spielplatz geplant werden.

Wie Bürger selbst Verantwortung übernehmen können, wurde an weiteren Beispielen diskutiert. Georg Dickopf verwies auf die Paseler und die Möglichkeit, einen Bolzplatz selbst zu pflegen. Er fragte, warum Dorfgemeinschaften nicht stärker einbezogen werden könnten, wenn ihnen dafür die notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung gestellt würden.

Eine Bürgerin aus der Immecke berichtete von einem dort gegründeten Verein. Anwohner finanzierten über eigene Beiträge unter anderem Säuberungsaktionen. In der Diskussion wurde dieses Engagement als mögliches Beispiel für andere Bereiche genannt.

Standards, Bauhof und neue Einnahmen

Auch die finanzielle Situation der Stadt spielte eine Rolle. Diskutiert wurde die Frage, ob nicht nur freiwillige Ausgaben überprüft, sondern auch bestehende Standards hinterfragt werden müssten.

Detlef Krüger fragte nach der Zukunft des Bauhofs. Carsten Hellwig (FDP) erklärte, Fragen dazu seien von der Führung bislang nicht beantwortet worden. Er wolle das Thema erneut aufnehmen.

Daneben wurden Möglichkeiten angesprochen, zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Genannt wurden ein Akku-Park sowie Photovoltaikanlagen auf dem Rathausdach.

Bei der Gestaltung der Innenstadt brachte Silke Dupont eine weitere Idee ein: Vor Geschäften könnten Holzstühle mit Blumen stehen, die Kinder und Jugendliche gestalten. Die Geschäftsinhaber müssten die Blumen gießen sowie Stühle und Pflanzen morgens heraus- und abends wieder hereinholen. Patrick Hansmann (CDU) erinnerte daran, dass Geschäftsleute bei einem früheren Versuch kein Interesse gezeigt hätten.

Auch mehr Bäume und Begrünung in der Innenstadt wurden gefordert. Als Beispiel wurde die Firma Alberts in Herscheid genannt, die Schattenparkplätze für Beschäftigte geschaffen habe. Hansmann hielt zusätzliche Bepflanzung auf dem Schützenplatz aufgrund dessen Nutzung für wenig sinnvoll und brachte stattdessen Photovoltaik-Überdachungen auf Parkplätzen ins Gespräch.

Digitalisierung und KI in der Verwaltung

Verwaltungsmitarbeiterin Jana Zeyß berichtete, dass Künstliche Intelligenz auch innerhalb der Stadtverwaltung ein Thema sei. Derzeit gebe es allerdings nur in der Finanzbuchhaltung ein entsprechendes Modul. Eine weitere Digitalisierung der Verwaltung sei auch davon abhängig, ob dafür finanzielle Mittel zur Verfügung stünden.

Bei den Schulen sei die Digitalisierung bereits vorangetrieben worden. Nach Angaben aus der Gesprächsrunde verfügen die Klassen über Smartboards und die Schüler über iPads.

Carsten Hellwig erklärte, bislang fehle ein KI-Konzept einschließlich der zu erwartenden Kosten, das der Politik als Entscheidungsgrundlage vorgelegt werde. Die Politik könne Mittel erst freigeben, wenn entsprechende Anträge gestellt würden. Aus der Runde kam daher die Forderung nach einem Digitalisierungs- beziehungsweise KI-Projekt für die Verwaltung.

Wie wird Kommunalpolitik verständlicher?

Breiten Raum nahm die Frage ein, wie Rat und Fraktionen näher an die Bürger heranrücken können. Vertreter der Seniorenvertretung forderten die Politiker auf, sich stärker bei Veranstaltungen zu zeigen.

Zudem wurde kritisiert, dass Tagesordnungspunkte von Ratssitzungen für Zuschauer teilweise nur schwer verständlich seien. Der Rat müsse besser erklären, worüber beraten und entschieden werde. Als mögliche Wege wurden Podcasts oder Übertragungen angesprochen.

„Wir sind kommunikativ nicht gut unterwegs“, sagte Dirk Finder (SPD).

Diskutiert wurde außerdem, ob die Stelle eines Pressesprechers wieder eingerichtet werden sollte. Dazu gab es unterschiedliche Auffassungen. Auch das Forum Bürgerbeteiligung und ein entsprechender Arbeitskreis sollten nach Ansicht von Teilnehmern wiederbelebt werden.

Volker Hauer vom Heimatkreis und Kunstförderverein Werkstatt stellte schließlich eine grundsätzliche Frage: „Wie wollen wir in den nächsten zehn Jahren leben?“ Plettenberg solle stärker über die Stadtgrenzen hinausblicken und prüfen, welche Ideen andere Kommunen erfolgreich umgesetzt hätten. „Wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht“, sagte Hauer.

Nach dem ersten „Bürger meets Politik“ stand für die Teilnehmer fest, dass es nicht bei diesem einen Abend bleiben soll. Der formlose Austausch zwischen Bürgern und Kommunalpolitikern soll wiederholt werden.

Die Teilnehmer an der Gesprächsrunde stellten sich anschließend zum Gruppenbild auf.
Foto: Tim Ihne/ReachNext Agency